Land Hessen hat ersten Zugriff auf Miller Hall

Gießen (mö). Die Beantwortung der Frage, was aus der Miller Hall an der Grünberger Straße werden soll, liegt vorerst beim Land Hessen.

Gießen (mö). Die Beantwortung der Frage, was aus der Miller Hall an der Grünberger Straße werden soll, liegt vorerst beim Land Hessen. Wie einer aktuellen Aufstellung von Bau- und Planungsdezernent Thomas Rausch zum Nutzungsstand sämtlicher Gießener Konversions-Liegenschaften zu entnehmen ist, hat der Bund dem Land ein Vorkaufsrecht für das Gebäude eingeräumt. Dies dürfte mit dem nachdrücklichen Wunsch der Universität zu tun haben, deren sportwissenschaftliches Institut ein Auge auf die Halle geworfen hat, die zuletzt von den Amerikanern ebenfalls für sportliche Zwecke genutzt worden war und in günstiger Lage zu den universitären Sportanlagen am Kugelberg liegt.

Auf Nachfrage sagte Planungsdezernent Thomas Rausch gestern, es sei üblich bei solchen Übergabeverfahren, dass der Bund zunächst mit dem größeren staatlichen Bewerber verhandelt. Erst wenn das Land abwinkt, kann die Stadt wieder zum Zug kommen. "Man will nicht gleichzeitig mit zwei Interessenten verhandeln", erläuterte Rausch.

Das Interesse der Stadt an einer Übernahme der früheren "Volkshalle" ist freilich ohnehin gering; was nicht verwundert, werden derzeit im neuen Rathaus am Berliner Platz mit einem Millionenaufwand zusätzliche Raumkapazitäten für Kulturveranstaltungen geschaffen. Bereits im Frühjahr hatte Rausch auf AZ-Anfrage erklärt, dass die Stadt kein Interesse an einer Übernahme hat und dies mit den enormen Kosten begründet, die mit einem Umbau verbunden wären. Dies betreffe vor allem die Haustechnik sowie die energetische und brandschutztechnische Nachrüstung des Gebäudes. Da in Teilen der Gießener Bevölkerung aber emotionale Bindungen zum historischen Bürgerhaus bestehen, relativierte die Koalition die Absage des CDU-Stadtrats. Im Juni bekundete die Stadtverordnetenversammlung das Interesse der Stadt an einer Übernahme der denkmalgeschützten Halle.

Rauschs aktuelle Auflistung ist eine Antwort auf den SPD-Antrag, wonach der Magistrat - im Zusammenhang mit der Nachnutzung der Militärflächen - ein Gesamtkonzept für den Gießener Osten vorlegen möge. Rausch indes machte am Dienstagabend im parlamentarischen Bauausschuss deutlich, dass die Stadt alle wesentlichen Festlegungen bereits getroffen habe. Ein Gesamtkonzept sei nicht mehr nötig, zumal die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) bereits mit der Vermarktung begonnen habe. Ein "erneutes städtebauliches Konzept" hätte auf diesen Prozess kaum mehr Einfluss, so Rausch.

Tatsächlich ist es so, dass sich die Bima in ihren Ausschreibungen an den bereits rechtskräftigen Bebauungsplänen der Stadt orientiert. Dies wird beim Blick in das Exposé der Bundesanstalt deutlich, das mit der Ausschreibung der Dulles-Siedlung veröffentlicht worden war. An diesen Festlegungen müssen sich interessierte Investoren orientieren.

SPD-Chef Gerhard Merz konstatierte, dass Rausch offenbar ein "anderes Verständnis" von Planung habe als diejenigen, die ihn wiederholt zur Vorlage von Gesamtkonzepten aufgefordert hätten. Der Katalog des Baudezernenten sei jedenfalls keine Antwort auf die Forderung der SPD nach einem Konzept für den Gießener Osten. Linke-Fraktionschef Michael Janitzki sagte, Rausch habe das "Thema verfehlt" und produziere einmal mehr "nur Stückwerk". CDU, Grüne und FDP dagegen folgten Rauschs Argumentation und lehnten den SPD-Antrag ab.

Rausch kommt in seiner Zusammenstellung auf insgesamt 326 Hektar ehemals militärischer genutzter Flächen; darin enthalten sind aber auch Bereiche wie der frühere Truppenübungsplatz Hohe Warte und der nördliche Teil des Depots, die der Natur überlassen werden. Auch ein von der SPD gefordertes Gesamtfinanzierungskonzept für die zweite große Gießener Konversion mache keinen Sinn, weil sich die Stadt schon aus Kostengründen ohnehin nicht an allen Flächenentwicklungen beteiligen könne. Rausch schätzt grob, dass sich die Erschließungskosten in Richtung von 200 Millionen Euro bewegen, die Bergung von Altlasten und den Rückbau von "100 000 Kubikmeter Baumasse" nicht eingerechnet.

Rausch sprach von "unendlichen Kosten" und "Riesenmillionen-Summen".

Gebilligt hat der Ausschuss die Aufstellung eines Plans "Obere Bahnhofstraße", der die Aufwertung des Bereichs bis zum Bahnhofsvorplatz flankieren und die Neuansiedlung von Spielhallen und anderer "kontraproduktiver Nutzungen" verhindern soll. (Kommentar Seite 26)

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