Bauarbeiten

Lahnstraße Gießen für ein Jahr gesperrt - Anwohner bei Baulärm ins Hotel

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Die Arbeiten an der Brücke in der Lahnstraße Gießen rücken näher. Am 2. Juli soll es losgehen. Bei einer Bürgerinformationen der Bahn erfuhren Anwohner jetzt Details. Sorgen bleiben.

63 Jahre hat sie auf dem Buckel. Das sind fast 23 000 Tage, an denen Hunderte, wenn nicht sogar Tausende Tonnen Gewicht über sie hinweg gerattert sind. Tag für Tag. Diese Überfahrten der Züge haben Spuren hinterlassen. Das Mauerwerk ist marode, das Regenwasser sickert durch den Beton. Kurzum: Die Eisenbahnbrücke in der Lahnstraße muss dringend saniert werden. Wie das im Detail vonstatten gehen soll und welche Auswirkungen das hat, haben Vertreter von Stadt und Bahn am Mittwochabend im Vereinsheim des TSV Klein-Linden erläutert.

Wer in den vergangenen Wochen einen Blick in die Zeitung geworfen hat, kennt den groben Rahmenplan: Die Stadt Gießen hat die notwendige Sanierung zum Anlass genommen, sich mit der Deutschen Bahn auf eine Verbreiterung der Unterführung von derzeit 4,5 auf 11 Meter zu verständigen und die Durchfahrt gleichzeitig ein Stück zu erhöhen. Dadurch können zum einen Lastwagen hindurch fahren, zum anderen wird ein Begegnungsverkehr möglich. Baubeginn ist der 2. Juli, ab dann wird die Durchfahrt der Lahnstraße für ein gutes Jahr gesperrt. In den kommenden fünf Jahren soll dann auch die zweite Bahnbrücke der Lahnstraße erweitert werden. Die Baukosten teilen sich Land, Stadt und Bahn. Letztere nannte am Mittwochabend eine Gesamtsumme von 6 Millionen Euro. Netto, wohlbemerkt.

Lahnstraße Gießen gesperrt: Ab 65 Dezibel Hotelgutschein für Anwohner

Von Projektleiter Ralf Pfaff erfuhren die Anwesenden zudem, dass Anwohner, vor deren Häusern Lautstärken von über 65 Dezibel zu erwarten sind, Hotelgutschein erhalten. Eine Maßnahme, die schon vom Durchstich an der Dammstraße bekannt ist. In Kleinlinden werden vermutlich zwischen 15 und 20 Haushalte betroffen sein.

DB-Vertreter Michael Möll nannte dann Einzelheiten zum zeitlichen Ablauf. Demnach steht im Juli die Baufeldfreimachung und die Baustelleneinrichtung an. Die Kampfmittelsondierung ist für das erste Augustwochenende geplant. An den beiden darauffolgenden Wochenenden wird es dann laut: Von Freitagabend (10. August) bis Montagmorgen (13. August ) werden in der Nacht die Widerlager für die Hilfsbrücken eingebaut. Am darauffolgenden Wochenende (17. bis 20. August) stehen die gleichen Arbeiten an. Eingehoben werden die Behelfsbrücken dann die beiden darauffolgenden Wochenenden. Der Abbruch der bestehenden Brücke und die Herstellung der neuen stehen dann in den folgenden Monaten an. Ein Schienenersatzverkehr sei nicht nötig, die Züge würden entweder über das benachbarte Gleis oder aber andere Linien geleitet.

Bedenken der Anwohner, wonach die Vibrationsarbeiten Schäden an den Häusern hinterlassen könnten, entkräftigte Bauleiter Pascal Haus. Die Häuser seien weit genug entfernt. Doch das war nicht die einzige Sorge der Kleinlindener. Was die Anwohner nicht gerne hörten: Die Fläche unter der Brücke, die viele Autofahrer als Parkplatz nutzen, wird während der Baumaßnahme gesperrt.

Lahnstraße Gießen gesperrt: Bessere Busanbindung für Kleinlinden

Stadtrat Peter Neidel konnte den Unmut darüber verstehen, er betonte aber, dass es keine Alternative zur Sanierung gebe. "Die Entwicklung des Gebiets rund um die Margaretenhütte ist sehr positiv. Jetzt wird es auch noch eine Nachfolgenutzung der Flüchtlingsunterkunft im Maisenbornweg geben, was weiteren Verkehr erzeugt. Es ist daher wichtig, dieses Gebiet zu öffnen." Gleichzeitig betonte der Stadtrat, das Befahren von Schleichwegen werde die Stadt aktiv verhindern. Er sicherte zudem zu, weitere Anregungen des Abends prüfen zu lassen. Zum Beispiel eine bessere Busanbindung, längere Grünphasen an der Kreuzung oder die Freigabe der Taxiplätze für die Allgemeinheit. Zudem werde man versuchen, mit verkehrsleitenden Maßnahmen die Auswirkungen der einjährigen Straßensperre so gering wie möglich zu halten.

Der Stadtrat wollte aber nichts beschönigen: "Ihre Sorgen wegen einer zunehmender Verkehrsbelastung sind begründet." Sorgen, die im übrigen nicht nur die Kleinlindener haben dürften.

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