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Ladendiebin muss hinter Gitter

Gießen (sha). Eigentlich hätte sie Tierärztin werden können. Aber sie hatte "Freunde, die kifften", und später "kam immer mehr dazu". Die Angeklagte nahm zum Schluss "hauptsächlich Heroin und Tabletten", schmiss das Studium hin. Mit dem Drogenkonsum kamen die Straftaten. Vor allem Diebstähle.

Aus diesem Grund musste sich die mittlerweile 34 Jahre alte Frau, die in einer Kreiskommune lebt, am Dienstag vor einem Schöffengericht des Gießener Amtsgerichts verantworten.

Reumütig und weinerlich saß die Abiturientin auf der Anklagebank. Sie wisse, "wie dumm das war" und "dass ich dringend etwas ändern muss", sagte die Mutter zweier kleiner Kinder unter Tränen. Komplett anders war die schlanke und zerbrechlich wirkende Frau noch von Februar bis August vergangenen Jahres aufgetreten: Laut Staatsanwaltschaft hatte sie in einigen Gießener Geschäften unter anderem Kleidungsstücke, Schuhe und Parfüm geklaut. In den Fällen, in denen sie erwischt worden war, reagierte die Frau laut Zeugen geradezu hysterisch. Das illustrierte vor allem ein Sicherheitsdienstmitarbeiter eines Modegeschäfts in der Galerie Neustädter Tor: Er habe die Täterin nur an den Schultern festgehalten, als diese mit ihrer Tasche voll Diebesgut den Laden verlassen wollte.

Tritte und Ohrfeigen

Sofort habe die Frau zu schreien begonnen und behauptet, der Mann versuche sie zu vergewaltigen. Sie sei auf keine seiner Beschwichtigungen eingegangen, berichtete der 40-Jährige. Im Gegenteil: Noch in den Büroräumen des Ladens habe sie ihn immer wieder mit Tritten attackiert. Er habe nur versucht, die Kreis-Gießenerin auf Distanz zu halten. Das könnten andere Mitarbeiterinnen des Geschäfts bestätigen. Es war allerdings nicht nötig, diese Zeuginnen zu hören. Die meisten Anklagepunkte räumte die Täterin ein.

Einen räuberischen Diebstahl vom Februar vergangenen Jahres bestritt sie jedoch vehement. Nach Aussage zweier Verkäuferinnen soll sie versucht haben, ein Nachthemd unter ihrer eigenen Kleidung aus einem innerstädtischen Bekleidungshaus zu schmuggeln. Bei einer Kontrolle habe die 34-Jährige dann gekratzt, gekniffen und eine der Zeuginnen geohrfeigt. Polizeibeamte hatten die geschwollene Backe der Frau dokumentiert. Das Nachthemd konnte jedoch nicht bei der Angeklagten gefunden werden.

Richter Wolfgang Hendricks verurteilte die mehrfach einschlägig vorbestrafte Bewährungsversagerin zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis – mit der Option einer stationären Drogentherapie.

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