Moiz Hashmi hat wegen der Beschädigung seiner Bäckerei in der Bismarckstraße Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

»Breakpoint« Gießen

Gießen: Doppelter Ärger für Laden-Betreiber - Doch er gibt nicht auf

Die Pandemie hat Moiz Hashmi hart getroffen. Kürzlich wurde sein kleiner Laden in der Bismarckstraße auch noch Opfer von Vandalen. Die Geschichte eines Mannes, der trotzdem nicht aufgibt.

Die Zeit für das Glück ist heute, nicht morgen.« Diesen Satz hat Moiz Hashmi auf eine kleine Tafel geschrieben, die vor seinem Laden an der Bismarckstraße steht. Vielleicht ist es eine Motivation für ihn, trotzdem weiterzumachen. Der gebürtige Pakistaner führt seit zwei Jahren eine kleine Bäckerei mit dem Namen »Breakpoint«. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie treffen den 50 Jahre alten Mann schwer. Als er infolge der Lockerungen auf Besserung hoffte, warf ihm ein Unbekannter in der Nacht auf Samstag, 15. August, das große Schaufenster ein. Entmutigen lassen will sich Hashmi davon aber nicht. Im Gegenteil: »Ich werde noch mehr Ideen, noch mehr Kraft einbringen, damit es weitergeht.«

Hashmi stammt aus Karatschi, Pakistans größter Stadt. 1992 flüchtete er nach Deutschland, zwei Jahre später zog er nach Gießen. »Hier bin ich zu Hause«, sagt er. Die Stadt sei nicht zu groß, bunt und biete fast alles, was man zum Leben braucht. Der Handelskaufmann schaffte den Quereinstieg als Informatiker, machte aber später seine Leidenschaft zum Beruf: Er ging in die Gastrobranche. Vor zwei Jahren eröffnete er an der Bismarckstraße das liebevoll eingerichtete »Breakpoint«. Hier bietet er werktags neben deutschen und türkischen Backwaren auch pakistanische Spezialitäten wie vegane Samosas an.

Ein Jahr lang, erzählt er, habe er gebraucht, um sich an dem Standort zu etablieren. Die Lage ist - gerade was Laufkundschaft angeht - nicht schlecht: Die THM ist in der Nähe, die Justus-Liebig-Universität, die IHK, Schulen, es gibt Praxen und Büros. Doch genau dieser Vorteil wurde Hashmi zu Beginn der Corona-Pandemie und des Lockdowns zum Verhängnis: Die Kunden, die am Laden vorbeikommen und mal eben kurz reinschauen, blieben weg. »Ich habe in dieser Zeit zwischen 7 und 16 Uhr nur drei bis sechs Kunden bedienen dürfen«, sagt er. Schweren Herzens habe er sich deshalb vor sechs Wochen dafür entschieden, die Bäckerei vorübergehend zu schließen.

Mit den Lockerungen kam auch die Hoffnung zurück: Hashmi öffnete wieder die Türen seines kleinen Ladens, der direkt neben dem Künstleratelier »Trafo« liegt. Zwar verzeichne er einen Kundenrückgang von 50 Prozent. Aber der Selbständige will Präsenz zeigen. Nur wird das nach dem Vorfall vor gut einer Woche immer schwerer.

Eine Nachbarin, erzählt Hashmi, habe im Atelier nebenan gearbeitet, als sie einen lauten Schlag gehört habe. Dann einen zweiten. Und ein Klirren. Als sie nach draußen gegangen sei, habe sie die eingeschlagene Schaufensterscheibe gesehen und sofort die Polizei alarmiert.

Hashmi hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Er kann sich nicht vorstellen, warum jemand einen Grund haben könnte, ihm das Schaufenster einzuwerfen. In den zwei Jahren, in denen er das »Breakpoint« betreibt, habe er mit keinem Menschen Ärger gehabt. Hashmi sagt aber auch: Ganz grundlos wird niemand versuchen, zuerst die Tür einzuschlagen, um dann das Fenster zu zerstören. Der Ladeninhaber hat das Fenster provisorisch repariert. Nur: Hashmi lebt nun einmal auch von der Laufkundschaft. Und die kann beim Vorbeigehen aktuell nicht in die Auslage schauen und spontan zugreifen.

Ein Grund, um zu resignieren? Im Gegenteil: Hashmi hat Mut gefasst. Weil ihm seine Nachbarn sofort ihre Unterstützung zusicherten, als sie von dem Vorfall erfuhren. Und weil er will, dass es weitergeht mit seinem Laden. »Wenn jemand will, dass ich dort meine Waren nicht anbiete, dann hat er Pech gehabt«, sagt er und schmunzelt. Die Zeit fürs Glück ist eben nicht erst morgen - wenn man es in die eigene Hand nimmt.

Zeugen der Tat sollten sich bei der Polizei melden unter Telefon 06 41/70 06-37 55.

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