Der Lack aus dem Hause Munditech kann Schmierinfektionen verhindern, betont Geschäftsführer Klaus Schepers. FOTO: SCHEPP
+
Der Lack aus dem Hause Munditech kann Schmierinfektionen verhindern, betont Geschäftsführer Klaus Schepers. FOTO: SCHEPP

Ein Lack gegen das Virus

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
    schließen

Die Firma Munditech aus Gießen hat einen Lack entwickelt, der das Coronavirus absterben lässt. Anfragen aus aller Welt gehen seither bei Geschäftsführer Klaus Schepers ein. Dabei war die Entdeckung Zufall.

Klaus Schepers hat einen Kanister auf den Tisch gestellt. Darin schwimmt eine durchsichtige Flüssigkeit. So weit, so unscheinbar. Doch das Produkt der Munditia Technologies GmbH, kurz Munditech, könnte bahnbrechend sein im Kampf gegen das Coronavirus. Davon ist Geschäftsführer Schepers überzeugt. "Das ist ein im Wesentlichen pflanzenbasierter Lack, der dauerhaft antimikrobiell gegen Bakterien und behüllte Viren wirkt", erklärt der Chemiker. Und, das hat jetzt ein unabhängiges Institut bestätigt: auch das Coroniavirus.

Viren um 99,99 Prozent reduziert

Das Produkt aus Gießen wird schon seit längerem eingesetzt. Es kann zum Beispiel auf Lichtschalter, Türklinken, Theken oder Wände im Gesundheitsbereich aufgetragen werden, Bakterien töten und so für keimfreie Oberflächen sorgen.

Der Lack ist laut Schepers sowohl für Holz Metall, Kunststoff, Textilien, Vliesstoffe und Papier geeignet.

"Das funktioniert auf einer rein physikalischen Wirkweise", betont Schepers. Demnach durchdringt die mit dem Lack aufgetragene Oberfläche die äußeren Membranen des Virus bzw. des Bakteriums. Dadurch sterben sie ab. "Was bleibt, ist eine über Monate hinweg keimfreie Oberfläche."

Als Corona aufkam, ließen Schepers und sein Team den umweltfreundlichen Lack von einem unabhängigen Hygiene-Labor auf diesen Virus testen. Mit eindeutigen Ergebnissen. "Das Labor attestierte eine Virusreduktion von mehr als 99,99 Prozent innerhalb von acht bzw. ca. 95 Prozent innerhalb von einer Stunde im Vergleich zu einer unbeschichteten Oberfläche und damit eine sehr überzeugende Wirksamkeit", freut sich der Munditech-Geschäftsführer. Bei einem anderen Produkt aus dem Hause habe der Wert bei 99,97 Prozent gelegen.

Schepers will sein Mittel jedoch nicht als Wunderwaffe gegen die aktuelle Pandemie verstanden wissen. Gegen die Tröpfcheninfektion, wodurch sich das Virus am häufigsten verbreitet, sei der Lack machtlos. Gegen eine Schmierinfektion, zum Beispiel durch Berühren von Türgriffen, sei das Produkt aber ein probates Mittel. "Trotzdem ist es kein Ersatz zu Desinfektionsmitteln", betont der Chemiker. Diese würden viel schneller wirken. Der Lack hingegen länger, so dass Zeiten zwischen den Desinfektionszyklen überbrückt werden könnten.

Einmal aufgetragen, bleibe der Schutz auf der Oberfläche und werde durch Berührungen nur sehr langsam abgetragen. "Es kann Monate dauern, bis man gegen den Verschleiß einen neuen Auftrag machen muss." Aber auch daran hat das Munditech-Team gedacht, sagt Schepers. "Wir haben in unsere Produkte einen UV-Marker eingebaut." Mit einer einfachen Schwarzlichtlampe lasse sich überprüfen, ob die Beschichtung noch intakt sei.

Die Wirkung des Lacks hat Schepers vor fünf Jahren entdeckt. Zunächst dachte er an eine Panne: "Wir haben die Daten für einen Messfehler gehalten und das dann viele Male im Labor nachgestellt." Die Ergebnisse zeigten jedoch eindeutig: kein Messfehler. "Pflanzen haben sich offensichtlich im Laufe der Evolution einen speziellen Schutz gegen Mikroorganismen zugelegt." Schepers ließ sich diese Entdeckung patentieren.

Anfragen aus der ganzen Welt

Das kleine Unternehmen kann sich derzeit vor Anfragen kaum retten. "Darunter auch welche aus dem Ausland", sagt Schepers. Trotzdem glaubt er, die Nachfrage befriedigen zu können. Bislang liegt die jährliche Produktion bei bis zu 1500 Tonnen. "Die können wir aber kurzfristig erweitern und in großen Mengen ausrollen." Es gebe sogar schon Anfragen aus China wegen einer Lizenzproduktion.

Eine bahnbrechende Entdeckung, die Schepers vor fünf Jahren gelungen ist. Jetzt könnte sie einen Beitrag in der aktuellen Krise leisten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare