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Mitarbeiter am Landesbetrieb Hessisches Landeslabor in Gießen sitzen vor einem Luftvorhang, wenn sie die Corona-Proben bearbeiten. Von oben kommt ein Luftstrom und wird unten in die Löcher gesaugt. Damit soll verhindert werden, dass Tröpfchen entkommen können. FOTO:SEG

Corona-Tests

Labor in Gießen testet nun Corona statt Salmonellen

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Wenn viele Menschen auf Corona getestet werden, benötigt man viele Labore. In Gießen ist ein Labor damit beschäftigt, das sonst Tierproben untersucht.

Nur wenn man weiß, wie viele Menschen an Corona erkranken, kann man vernünftige Prognosen aufstellen, und die Bestimmungen lockern oder verschärfen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt mittlerweile, dass bei sämtlichen Atemwegserkrankungen auf Corona getestet werden soll. Das erfordert eine breite Infrastruktur, um Proben von den Patienten zu entnehmen, und diese dann zu überprüfen. In Gießen testet deswegen jetzt der Landesbetrieb Hessisches Landeslabor - Abteilung Tiermedizin.

Normalerweise sorgen die Mitarbeiter für Verbraucherschutz und überprüfen tierische Proben auf Krankheiten. Jetzt haben sie es mit Material von Menschen zu tun. "Das ist keine Umstellung für uns", erklärt Dr. Michael Zschöck, Abteilungsleiter der Veterinärmedizin. Das Corona-Virus sei eine Zoonose, also eine Krankheit, die bei Menschen und Tieren auftreten kann, mit denen habe man öfter zu tun: Tollwut oder Salmonellen fallen in diese Kategorie. Auch die Art des Tests, eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR), gehöre zum Handwerkszeug. "Trotzdem hat es im Moment einen besonderen Charakter", ergänzt Dr. Hans-Peter Hamann, Fachgebietsleiter Virologie. Man sei sich bewusst, dass man an etwas arbeite, das im Fokus der Öffentlichkeit stehe. Allerdings sei das bei größeren Tierseuchen oft so.

Von wo genau die kleinen Ampullen stammen, wissen die beiden nicht. Das Labor erhält die Proben anonymisiert vom Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen (HLPUG) in Dillenburg. Es seien Proben, die das Gesundheitsamt in Alten- und Pflegeheimen oder Justizvollzugsanstalten entnommen habe. "Nicht aus dem Testcenter in Gießen. An solche Center sind in der Regel andere Labore angeschlossen", erklärt Hamann.

Da die Mitarbeiter keine lebenden Viren für den Test benötigen, werden diese zunächst abgetötet - inaktivieren nennen die Fachmänner das. Damit machen sie das Hantieren und Arbeiten mit den Ampullen sicherer. Sie vermischen dabei die Proben mit Alkohol. Das reiche aus, weil Corona ein behülltes Virus sei. Und diese Art von Viren sei dagegen sehr empfindlich. Hamann fügt an: "Deswegen wirken die meisten Desinfektionsmittel auch so gut." Als nächstes extrahieren die Labormitarbeiter das Erbgut, um dann mit dem eigentlichen PCR-Test zu beginnen. Dabei werden die Proben, das können bis zu 92 in einem Lauf sein, mit einem bestimmten Mittel zusammengebracht, das an eine ganz bestimmte Stelle des Erbgutes ankoppeln kann. Zschöck: "Man kann sich das wie einen Schlüssel vorstellen. Der passt nur in ein bestimmtes Schloss." Ein Teil des Mittels besteht aus einem fluoreszierenden Farbstoff und reagiert auf Lichtimpulse. Diese Reaktion kann gemessen und somit bestimmt werden, ob der Virus in der Probe vorkommt oder nicht.

Dabei sei es sehr unwahrscheinlich, dass eine Probe versehentlich positiv getestet werde, sagt Hamann. "Es kann aber sein, dass sie nicht ganz eindeutig ist." Die Reaktion könne messbar sein, aber nicht so stark, wie sie sein sollte. "Unsere Ergebnisse schicken wir in einer Datei ans HLPUG. Wenn nötig mit der Mitteilung, ob eine Person erneut getestet werden muss."

Ergebnis nicht immer eindeutig

Die Testkapazität des LHL liege im Moment bei 100 Tests pro Tag, Sie werde aber nicht ausgeschöpft. "Wir haben erst mit dem Testen begonnen. Das muss sich einspielen", erklärt Hamann. Zschöck sagt: "Theoretisch können wir mehr testen, wenn das gewollt ist." Das gelinge dann aber nicht mehr parallel zum Regelbetrieb. Hamann erklärt: "In anderen Bundesländern wurde der Veterinärbetrieb eingestellt, zugunsten der Corona-Tests. Das ist in Hessen noch nicht geschehen." Es mache übrigens für Kranke keinen Sinn zum Labor zu kommen. "Wir entnehmen keine Proben", sagt Zschöck. Nur eine fachgerecht entnommene Probe führe zu einem verlässlichem Ergebnis.

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