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Kurze Sätze auf Verbrecherjagd

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Von: Barbara Czernek

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Autor Michael Kibler im Gespräch mit der Sprachwissenschaftlerin Prof. Mathilde Hennig. © Barbara Czernek

Gießen (bac). Sprache kann verbinden, sie kann auch eine Barriere sein. Sie kann unverständlich sein, wenn der Satzaufbau zu kompliziert ist oder zu viele unbekannte Wörter darinstehen. Um solche sprachlichen Barrieren abzubauen wurde die »leichte Sprache« entwickelt. Doch wie gestaltet sich ein Krimi in leichter Sprache und was sind die Herausforderungen an den Verfasser?

Diesen Fragen widmete sich die JLU-Sprachwissenschaftlerin Prof. Mathilde Hennig in einem Gespräch mit Krimiautor Michael Kibler, das vom Literarischen Zentrum, gemeinsam mit ZAUG, im Landgraf-Ludwigs-Gymnasium veranstaltet wurde.

Kibler hat im Laufe der Jahre schon etliche Krimis veröffentlicht, die alle in seiner Wahlheimat Darmstadt spielen. Bei einem Klassentreffen wurde er von einer ehemaligen Klassenkameradin angesprochen, ob er nicht Lust hätte ein spezielles Projekt zu leiten: Sie arbeitet in Reutlingen in Bruderhaus Diakonie, einer Einrichtung, die umfassende Unterstützungsleistungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Assistenzbedarf anbietet. Dort fand sich eine Gruppe Krimibegeisteter zusammen, die gerne selbst einmal einen Krimi verfassen wollten, allerdings in einer Sprache, die sie verstehen können. Kibler, der sich gern auf neue Dinge einlässt, nahm die Herausforderung an und schrieb mit Unterstützung von sechs weiteren Co-Autoren den Roman »Die Schlüsselfrage«, aus dem er im LLG vorlas. In dem Roman geht es um einen Einbruch in ein Juweliergeschäft.

Thema, Namen und grobe Handlungsstruktur erarbeiteten sie in Workshops. Kibler gestaltete daraus eine flüssige, logische Geschichte, allerdings geschrieben in einfacher Sprache. »Ich habe die Texte geschrieben und sie dann der Gruppe zur Beurteilung vorgelegt. Daraus haben sich dann entsprechende Änderungen ergeben«.

Für Menschen mit Liebe für lange Sätze ist der Krimi nichts, denn seine Syntax hält sich streng an die Regeln für diesen Sprachgebrauch: Kurze Sätze mit nur einer Aussage und keine ungewöhnlichen Fremdwörter, denn die machen Texte für manche Menschen unverständlich. »Ja, es war mehr Arbeit als bei den anderen Romanen, weil ich nicht wie gewohnt arbeiten konnte«, gab er zu. »Ich musste viel überlegen, wie ich es einfach formuliere. Ich habe mir bei jedem Komma überlegt, ob man da nicht besser ein Punkt setzt.« Es sei für ihn ein interessantes Experiment gewesen, denn er wollte auch seinem Anspruch treu bleiben, eine spannende und abwechslungsreiche Geschichte zu erzählen, aber in einfachen Sätzen. Dies ist ihm gelungen, wie ihm einige aus dem Publikum bestätigten.

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