Kunst aus Taiwan

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Gießen (dkl). Es ist die vierte Ausstellung mit einem chinesischen Künstler, die Andreas Walther für den Kunstverein kuratiert. Er hat sich der Aufgabe gestellt, zwischen westlicher und chinesischer Kunst zu vermitteln, im Rahmen seiner eigenen Arbeit, aber auch in der Vermittlung anderer Künstler. Diesmal präsentiert er Wu Chi-Tsung, den er vor 17 Jahren kennenlernte, als er in Taipeh seine erste Ausstellung mit Künstlern aus Ost und West kuratierte. Wu Chi-Tsung studierte damals noch Kunst an der Nationaluniversität Taipeh. Mittlerweile hat der 1981 in Taipeh geborene Künstler seinen Weg gemacht, auch er pendelt zwischen den Kulturen. Er lebt und arbeitet in Taipeh und Berlin. Nächste Woche reist er weiter nach Weimar, wo er seine Lichtinstallation "Dust" beim Kunstfest zeigen wird.

Bereits in der Jugend wurde er in Tuschmalerei und Kalligrafie unterrichtet. Im Studium legte er den Schwerpunkt auf Medienkunst und Architektur. Mithilfe diverser Stipendien lernte er verschiedene Länder kennen: beginnend mit mehreren Orten in Großbritannien, Frankreich, New York 2013, Berlin 2017 und Ho-Chi-Minh Stadt 2018. Ebenso international sind seine Auszeichnungen, die er in Taipeh, Cardiff, New York, Warschau und Singapur erhielt.

Das Arbeiten mit verschiedenen Medien ist typisch für sein Schaffen. Dieser Mix aus Fotografie und Video, Grafik und Installation empfiehlt ihn offenbar als Bühnendesigner, was er in seinem Heimatland schon mehrfach für einen befreundeten Choreografen umgesetzt hat. Er lässt sich von Alltagsobjekten und -phänomenen inspirieren. Doch längst hat er die Medien Video und Fotografie verlassen. Das machen zu viele, das wurde ihm langweilig.

Sein eigener Weg führte ihn 2012 zurück zu einer Technik aus der Anfangszeit der Fotografie, zu den Fotogrammen. Mit Fotolösung bestrichene Papiere setzt er der Sonne aus und schaut, was passiert. Das Papier ist Reispapier, das er wringt und knautscht, der Sonne abschnittsweise aussetzt. So entstehen Bilder, die an traditionelle chinesische Landschaftsmalerei erinnern. In der Tuschemalerei gibt es die Tradition des linearen Wrinkle Paintings (Knittermalerei), daran erinnert das duftig leichte Querformat mit seinen Spuren und Verästelungen.

Fotogramme, die seinen Ansprüchen nicht genügen, nutzt er ausschnittweise für Collagen. Auch dafür hat er ein Beispiel mitgebracht, das mit seinem Hochformat an chinesische Landschaftsmalerei erinnert. Man mag kaum glauben, dass es eine Collage ist, so fein sind die Schichten aufgetragen, mit unterschiedlich vielen Lagen von weißem Seidenpapier überklebt, und am Ende mit Acrylgel wie von einer Firnisschicht überzogen. Dieses Bild wirkt wie Malerei.

Eine frühere Videoarbeit hat er auch mitgebracht, die in Permanentspule die Schönheit von Seerosen zeigt. Eine Blüte, Samenkapseln und Blätter sind in Wasser gelegt, von unten durch Licht angestrahlt. Die zunehmende Wärme in der Aufbausituation bringt langsame Bewegung in das Arrangement. Eine sehr stille, hypnotische Arbeit.

Heute um 18 Uhr ist Eröffnung im Kunstkiosk am Alten Friedhof. Das Künstlergespräch findet am Sonntag (1. September) um 14 Uhr statt. Die Ausstellung endet am Samstag, 12. Oktober.

Wu Chi-Tsung (r.) stellt dank Andreas

Walther (l.) im Neuen Kunstverein aus.(Foto: dkl)

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