Großformatige, farbstarke Gemälde füllen die Wände, geschaffen von dem Maler und Grafiker Hubert Heinrich aus Aachen. FOTOS: DKL
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Großformatige, farbstarke Gemälde füllen die Wände, geschaffen von dem Maler und Grafiker Hubert Heinrich aus Aachen. FOTOS: DKL

Kunst zu Röntgens Ehren

  • vonDagmar Klein
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Im aktuellen Röntgen- Jubiläumsjahr gibt es auch Kunst zur Person Wilhelm Conrad Röntgen und zu den von ihm entdeckten X-Strahlen. Ein Ort, der beides aufweist, ist das Uniklinikum Gießen.

Kunst gibt es auf einigen Stationen und im Kapellengang des Uniklinikums, wo zweimal pro Jahr interessante Wechselausstellungen stattfinden. UKG-Kunstbeauftragte Dr. Susanne Ließegang hat bei ihrer Auswahl immer den Bezug zum Krankenhaus im Blick, zu den Menschen und dem Geschehen vor Ort.

Wenig bekannt, da etwas abgelegen, ist die Kunst in der radiologischen Abteilung auf Ebene -1. Prof. Gabriele Krombach ist seit 2010 dort Direktorin, zudem die ärztliche Leiterin der MTRA-Schule. Sie hat die Schüler der Abschlussklassen angeregt, kreativ zu werden. Im Rahmen der praktischen Ausbildung können diese alle in der radiologischen Klinik vorhandenen Geräte eigenständig nutzen, um ihre künstlerischen Vorstellungen umzusetzen. Es kommen digitale Röntgen- und Mammografiegeräte zum Einsatz, ebenso der Computer- (CT) und der Magnetresonanztomograf (MRT). Neben dieser wechselnden Präsentation gibt es seit einiger Zeit vor dem Direktionszimmer eine Dauerausstellung zum Thema Röntgen, passend zum Röntgen-Jubiläumsjahr, in dem an den 175. Geburtstag von Wilhelm Conrad Röntgen am 27. März und an das 125. Jubiläum der Entdeckung der X-Strahlen am 8. November 1895 erinnert wird.

Gemälde von Hubert Heinrich

Sechs großformatige, farbstarke Gemälde füllen die Wände, geschaffen von dem Maler und Grafiker Hubert Heinrich aus Aachen. Zwei Motive sind leicht wiedererkennbar: die Hauptfassade des Uniklinikums Gießen und das bekannte Kopfporträt des Physikers Wilhelm Conrad Röntgen im mittleren Alter. So hat er ausgesehen in der Zeit, als er in Gießen lebte und forschte (1879-1888). Sein markanter Kopf ist der Längswand zugewendet, auf der künstlerisch verfremdet die medizinischen Geräte zu sehen sind, die im Klinikum in Gebrauch sind. Der Forscher blickt quasi auf die Ergebnisse, die sich aus seiner Entdeckung der X-Strahlen (1895) bis heute entwickelt haben.

Das künstlerische Verfahren von Hubert Heinrich ist mehrphasig. Er macht zunächst Fotografien vor Ort, legt diese im Computer teilweise übereinander und verfremdet sie zusätzlich über Farbgebung. Das Ergebnis wird auf Leinwand projiziert und die Flächen mit Acrylfarben akribisch gemalt. Insgesamt ein komplexes Vorgehen, das die Bildebenen miteinander verwebt und zugleich Tiefenräumlichkeit schafft. Die Farbflächen sind klar abgegrenzt, es gibt keine Farbverläufe. Konstruktivistisch nennt der Künstler sein Verfahren.

Sein mehrteiliges Werk für Gießen ist tatsächlich sein erstes Großformat, berichtet Auftraggeberin Prof. Krombach im Gespräch. Wobei ihre ursprüngliche Idee war, die Röntgen-Orte im Stadtraum Gießen darstellen zu lassen. Aber auf einem gemeinsamen Rundgang 2016 sind sie und der Künstler davon abgekommen.

Krombach kennt den Künstler aus ihrer Zeit in Aachen, wo sie Medizin studierte und ihren Berufsweg beschritt. Nach der Eingewöhnungszeit an ihrem neuen Lebensort Gießen nahm sie mit Freude zur Kenntnis, dass Wilhelm C. Röntgen hier gewirkt hatte. Allerdings wundert sie sich bis heute darüber, dass daraus so wenig gemacht wird. Da kennt sie von Remscheid, wo sie aufgewachsen ist, ganz anderes. Im dortigen Stadtteil Lennep gibt es das Röntgen-Museum, das kurz nach dem Tod des Nobelpreisträgers gegründet wurde. "Und das, obwohl Röntgen nur seine ersten drei Lebensjahre dort verbrachte", schmunzelt sie.

Dazu kommt in Lennep das Geburtshaus von Röntgen, das vor wenigen Jahren die Deutsche Röntgen-Gesellschaft (DRG) gekauft hat, um es einer öffentlichen Nutzung zuzuführen. Die Renovierung des historischen Fachwerkgebäudes benötigte viele Spenden. Kunstprojekte dienen der Unterstützung. Es gibt Porzellantassen mit Röntgen-Motiven, gestaltet von Hubert Heinrich. Und es gibt Holzskulpturen, die der Lenneper Künstler Johannes Küßner aus den ausgemusterten Balken des Geburtshauses schuf. Er bearbeitete die Balken an einem Ende zu einer Ovalform, die als Kopf wahrgenommen wird, der Rest des Holzes behält die Spuren der Jahrhunderte. Da Prof. Krombach als Mitglied der DRG regelmäßig zu Tagungen und Prüfungen in Remscheid-Lennep ist, hat sie auch ein solches Werk erworben.

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