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Nachfahrin Elke Köttschau vor dem Gemälde der Sophie Louise Kempff .

IM ALTEN SCHLOSS

Kunst durchleuchten

  • VonDagmar Klein
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Zum 125-jährigen Jubiläum der Entdeckung der Röntgenstrahlen im letzten Jahr präsentiert das Oberhessische Museum zwei Porträts der Familie Kempff in der Kabinettausstellung »Die Entdeckung der Röntgenstrahlen und die Trautschold-Bilder«.

Elke Köttschau kann es kaum fassen, ihr Gesicht ist ein einziges Strahlen. Als sie vor zwei Jahren fünf Gemälde aus dem Familienbesitz an das Oberhessische Museum schenkte, da hatte sie zwar auf deren gute Behandlung und Präsentation gehofft, aber dass ein derart großer Aufwand betrieben würde, um die Bilder zu restaurieren, das konnte sie nicht ahnen.

Am Mittwochabend wurde die Kabinettausstellung mit zwei der restaurierten Porträt-Gemälde im Alten Schloss in kleiner Runde eröffnet. Elke Köttschau war mit ihrem Mann aus Seligenstadt angereist. Ein weiterer Verwandter tauchte überraschend auf, das kam einer Familienzusammenführung im Museum gleich. Die Familie Kempff lebte über mehrere Generationen in Gießen, sie waren Gasthalter und Bürgermeister, Justizräte, Postmeister und Ratsschöffen. Sie heirateten in mehrere Gießener Familien ein, auch die Liebknechts gehörten dazu. Auf dem Alten Friedhof haben sich einige Familien-Grabsteine erhalten.

Mit der Restaurierung der fünf Gemälde war Sabine Kuypers (Biebertal) beauftragt worden, die in der Gießener Region schon zahlreiche Bilder wieder zum Leuchten gebracht hat. Man entschied sich bei zwei Gemälden für eine Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen, um alte Übermalungen, Schäden und anderes erkennen zu können. Dafür haben nur wenige Einrichtungen in Deutschland entsprechende Gerätschaften, in diesem Fall fuhr man ins Frankfurter Städelmuseum.

Die Durchleuchtung mit X-Strahlen war auch verbunden mit der Hoffnung bei dem älteren Bild Hinweise auf den Maler zu finden, wie Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch sagte. Das ist nicht geglückt, beim Porträt der Maria Katharina Kempff (1734-1805) muss weiter auf Hinweise gehofft werden. Bei dem anderen Damenporträt, das von Sophie Louise Kempff (1810-1873), war der Maler schon immer bekannt. »Bereits als Fünfjährige konnte ich Besuchern erklären, welche Gemälde von Prof. Trautschold gemalt worden sind«, schmunzelt Elke Köttschau.

Wilhelm Trautschold (1815-1877) war ein bekannter Porträt- und Genremaler. Er studierte an der Kunstakademie Düsseldorf, wurde 1843 Zeichenlehrer an der Universität Gießen. Er blieb drei Jahre, ging nach England, wo er wesentlich berühmter ist als in Deutschland, und kehrte 1852 für wenige Jahre nach Gießen zurück. Das zweite Kind (Manfred) wurde hier geboren. In Gießen entstanden einige Bildnisse von Personen aus dem Bürgertum, das bekannteste ist das von Justus Liebig. Auch die berühmte Ansicht von Liebigs Laboratorium stammt von Trautschold, zumindest die Personenporträts. Den architektonischen Teil lieferte Hugo von Ritgen wie der Trautschold-Eintrag im kunsthistorischen Standardlexikon Thieme-Becker besagt.

Die kleine Ausstellung im Alten Schloss stellt die restaurierten Gemälde neben Ausdrucke der Röntgenaufnahmen. An der dritten Wand dokumentieren Fotografien die Restaurierungsarbeit und zeigen am Beispiel des älteren Damenporträts auch den Unterschied zwischen vorgefundenem Zustand und restauriertem Anteil. Die deutlichste Veränderung besteht in der Farbaufhellung, was daran liegt, dass die oberste Schutzschicht eines Gemäldes, die Firniss, im Laufe der Jahre vergilbt und nachdunkelt. Entfernt man diese Schicht, kommen manchmal neue Bildanteile zum Vorschein, fast immer aber erhalten die Farben ihre Leuchtkraft zurück.

Restauratorin zu Gast

Davon kann man sich bis zum 9. Januar überzeugen, geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Die Restauratorin Sabine Kuypers wird ihre Arbeit am 15. Dezember um 18 Uhr im Alten Schloss vertiefend erklären. Womöglich werden für diesen Anlass auch die anderen drei, ebenfalls restaurierten Kempff-Gemälde dazu gestellt. Texte erläutern das Gezeigte, so dass man gut allein einen Abstecher in den unteren Ausstellungsraum machen kann.

Die neue Kabinettausstellung »Kunst durchleuchten. Die Entdeckung der Röntgenstrahlen und die Trautschold-Bilder« ist noch bis zum 9. Januar im Alten Schloss zu besichtigen. Geöffnet ist das Museum immer dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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