Kultursommer mit "Hooters" im Rock-Himmel

Sie haben Welthits geschrieben und auch nach über 30 Jahren ist ihr Sound unverwechselbar: "The Hooters". Nun heizten sie beim Gießener Kultursommer dem Publikum ein.

Der Gedanke des Berichterstatters, außer ihm könnte kaum noch einer die "Hooters" kennen, erwies sich schon vor dem Eintritt in den Zeltpalast des Gießener Kultursommers als völlig unbegründet, geradezu absurd. Da drängelten sich die Fans, wobei natürlich sehr viele etwas älter waren und die Band noch aus ihrer Glanzzeit ab 1985 kannten. Im Gespräch mit den Besuchern zeigte sich, dass viele der Jüngeren durch Vater oder Mutter auf die "Hooters" aufmerksam wurden. Eine Besucherin aus Heuchelheim bekennt sich offen als "Hooters"-Fan und verweist auf insgesamt sechs bereits besuchte Konzerte der Gruppe. Sie kennt sich bestens mit den Titeln und Protagonisten der Band aus.

Anzuwärmen brauchte die Vorgruppe "Fyff" das Publikum keineswegs, denn tropische Temperaturen waren das Einzige, was den Musikgenuss an diesem Abend schmälern konnte. Hier geht ein Kompliment an den Veranstalter, der durch Sicherheitskräfte dafür sorgte, dass zumindest die in Bühnennähe stehenden Fans mit Wasser versorgt wurden. "I’m alive" war der erste Titel der "Hooters" – keineswegs mit dem gleichnamigern Erfolg der "Hollies" zu verwechseln. Und dieses Lebenszeichen passte so recht zum Titel der diesjährigen Europatour der 1980 im amerikanischen Philadelphia von Eric Bazilian und Rob Hyman gegründeten Band. Bis heute hat sich, wie auch an diesem Abend, durch die Präsentation ihrer unverwechselbaren Musik und einiger Welthits ("Day by Day," "Hanging on a Heartbeat", "All you zombies", "Karla with a K" usw.) der typische Sound der "Hooters" erhalten. Die nach einem Markenlogo der Hohner- Melodica benannte Band entwickelte ihren eigenen Stil auf Rock-Basis, starken Elementen des Folk-Rocks ("500 miles"), aber auch mit Einflüssen von Reggae und Ska. Entsprechend bedienen auch die Musiker, außer der besonders bei Bazilian (Gitarre, Harmonika, Saxofon) und Hyman (Keyboards, Akkordeon) stark eingesetzten Stimme, eine breite Skala an Instrumenten. Dem steht nicht entgegen, dass die Titel durchweg gitarrenlastig sind, wozu John Lilley (Gitarre, Background-Gesang) und der New Yorker Junge Tommy Williams (Gitarre, Background-Gesang) und nicht zuletzt Fran Smith jr.

am Bass und mit Background-Gesang beitrugen. Alle haben auch die typischen Posen gitarrespielender Rocker anzubieten, mit denen sie insbesondere die beiden Ur-Hooters antreiben. Fehlt noch das typische Schlagzeuggewitter, für das David Uosikinnen sorgt.

Immer wieder gab es auch deutsche Töne zu hören, etwa bei "Pissing in the Rhine", "Heimliche Sehnsucht" oder Peter Schillings "Major Tom", bei dem die Besucher "völlig schwerelos" schwebten. Zum immer wieder von Zugabewünschen des Publikums verzögerten Abschluss dann noch "Lieder", mit denen die Hooters andere Interpreten mit Hits versorgten, darunter natürlich Cyndi Laupers "Time after time" oder Ricky Martins Cover "Private Emotion". Zum bejubelten Abschluss des Konzertes kann in Abwandlung eines Erfolgstitels der "Hooters", die 1985 vom Musik-Magazin "Rolling Stone" zur "Band des Jahres" gekrönt wurden, gefragt werden: "Where do the hooters go?". Sicher nicht in den Rock-Himmel. Da sind sie nämlich schon. Hans-Wolfgang Steffek

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