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Hier soll bis 2024 der Gießener Kulturgewerbehof entstehen.

Stadtplanung

Radikaler Wandel für Feuerwache in Gießen angedacht – 30 Interessenten melden sich

  • Burkhard Möller
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Noch sind viele Dinge zu klären, und noch ist die Umnutzung der Feuerwache an der Steinstraße zu einem Kulturgewerbehof nur eine „Option“. Aber das Wunschprojekt der Gießener Kreativszene und der Stadtpolitik kommt voran. Trägerin würde die Genossenschaft raumstation3539, die den Komplex in einem „rohsanierten“ Zustand übernehmen soll. 2024 könnten dort um die 30 Mieter einziehen.

Gießen – Noch rücken jeden Tag die Feuerwehrfahrzeuge aus den Toren an der Steinstraße zum Einsatz aus. Ein Stützpunkt soll die Feuerwache auch in Zukunft sein, und zwar nicht nur für die Freiwillige Feuerwehr Gießen-Mitte, sondern auch für die Gießener Kreativszene. In drei Jahren könnten in den Komplex an der Nordanlage Künstler, Medien- und IT-Unternehmen, Kulturvereine, Reallabore der beiden Hochschulen, Start-up-Firmen, Werkstätten und eine Gastronomie einziehen. 30 Institutionen haben bei den Verfassern einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie ihr Interesse an einer Einmietung in den Kulturgewerbehof bekundet.

Dies teilte am Dienstag (07.09.2021) Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz in der Pressekonferenz des Magistrats mit. Die Stadtregierung hatte am Montag einige Weichenstellungen für das Wunschprojekt der heimischen Kreativszene beschlossen. Demnach soll das Stadtparlament den Magistrat in seiner Sitzung am 30. September beauftragen, einen Nutzungsüberlassungsvertrag mit der Kulturgenossenschaft raumstation3539 zu erarbeiten, eine Planung für eine Rohsanierung der Wache vorzulegen, die Unterbringung der Feuerwehr Gießen-Mitte zu klären, Haushaltsmittel für die nächsten Jahren einzuplanen und den Fraktionen einen Projektbeschluss vorzulegen.

Von der Feuerwache zum Kulturgewerbehof: Noch viele offene Fragen in Gießen

»Wir haben damit unseren politischen Willen für dieses Projekt zum Ausdruck gebracht«, sagte die OB, die zugleich Kulturdezernentin ist. Gleichwohl sei der Kulturgewerbehof als Nachnutzung der Feuerwache angesichts noch vieler offener Fragen immer noch nur eine »Option«.

Scheitern könnte das Vorhaben zum Beispiel noch an zu hohen Kosten für den Innenausbau, den - Stand jetzt - die Nutzer tragen müssten. Die Trägerin dagegen müsste keine Pacht für das Gebäude entrichten, das in einem rohsanierten Zustand übergeben würde. Zu diesem Vorgehen werde der Stadt in der Machbarkeitsstudie geraten, erläuterte die OB, die mit Blick auf den Kulturgewerbehof von einer »großen Chance« für Gießen sprach. Die vorerst grob geschätzten Bruttokosten einer Rohsanierung durch die Stadt werden auf gut 1,7 Millionen Euro geschätzt. Darin nicht enthalten ist eine mögliche Schadstoffsanierung des 1963 errichteten Gebäudes. Bislang sind keine entsprechenden Belastungen bekannt, heißt es in dem Gutachten.

Gießener: Feuerwehr Mitte als Nutzer gesetzt

Gesetzt als Nutzer ist die Feuerwehr Gießen-Mitte, die dauerhaft an der Steinstraße verbleiben soll. Laut Brandschutzdezernent Peter Neidel soll die Wehr zwischenzeitlich die Räume der Berufsfeuerwehr nutzen, während an anderen Stellen gebaut werden könnte. Später sollen die Freiwilligen in ihr endgültiges und neues Domizil umziehen.

In der Machbarkeitsstudie wurden mehrere Bewirtschaftungsvarianten durchgerechnet, mit einer Bandbreite zwischen 150 000 und 200 000 Euro für Betriebskosten und Mieteinnahmen. Als Mietpreise wurden - je nach Nutzungsart - fünf Kategorien zwischen drei Euro und acht Euro pro Quadratmeter angesetzt. Insgesamt stehen knapp 7000 Quadratmeter in Gebäuden, Fahrzeughalle und weiteren Bereichen zur Verfügung.

Der Zeitplan der nächsten Jahre sieht 2022 die Belegung mit Ankermietern, die Erstellung eines Raumprogramms, den Abschluss des Trägervertrags und den Bauantrag vor. 2023 soll gebaut werden, erste Mieter könnten einziehen, und im Folgejahr könnte dann die »vollständige Nutzung« erfolgen.

Gießen: Entscheidung fällt in Zeit des politischen Umbruchs

Laut Grabe-Bolz noch offen ist, ob es in den ersten Jahren eine Anschubfinanzierung durch die Stadt geben soll oder ob das Projekt wirtschaftlich sofort auf eigenen Beinen stehen muss.

Entscheiden wird das die SPD-Politikerin nicht mehr, denn sie scheidet im Dezember aus ihrem Amt aus. Bereits die letzte Magistratspressekonferenz könnte es - nach fünf Jahren - für Bürgermeister Peter Neidel gewesen sein. Der CDU-Dezernent soll in der Parlamentssitzung am 30. September abgewählt werden.

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