In der Kongresshalle sind einige Veranstaltungen abgesagt. FOTO: SCHEPP
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In der Kongresshalle sind einige Veranstaltungen abgesagt. FOTO: SCHEPP

Kultur in Zeiten von Corona

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Der Kulturbetrieb wird vom Corona-Virus schwer getroffen. Täglich werden im ganzen Land Kultur- veranstaltungen abgesagt. In Gießen zeigen sich die Leitungen von Stadt- theater, Kinos, Kultur- festivals und größeren Veranstaltungshallen bislang eher zuversichtlich - und reagieren in erster Linie verantwortungsvoll.

Vor wenigen Tagen hatte die Justus-Liebig-Universität bekannt gegeben, dass sie angesichts der Corona-Ansteckungsgefahr bis auf Weiteres öffentliche JLU-Veranstaltungen, an denen viele externe Gäste teilnehmen, absagt. Davon betroffen war auch eine in Kooperation mit dem Literarischen Zentrum Gießen geplante Lesung der österreichischen Autorin Marlene Streeruwitz im Levi-Saal des Rathauses. Zwei Tage später saßen an die 600 Besucher dicht gedrängt bei einer Premiere im Stadttheater. Nur zwei Beispiele dafür, dass Veranstalter bisher ganz unterschiedlich auf die Corona-Krise reagieren und Entscheidungen im Einzelfall treffen.

Am Donnerstag hat das Hessische Ministerium für Soziales und Integration aufgrund der neuen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zum Umgang mit Großveranstaltungen und dem uneinheitlichen Umgang mit den bestehenden Empfehlungen in den Kommunen per Allgemeinverfügung die Durchführung von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern verboten. Ausnahmen unzulässig. Diese Verfügung ist bis 10. April befristet. Darunter fallen Sportereignisse, Kongresse, Messen und Tagungen, Theater, Konzerte und ähnliche Festivitäten, aber auch Personal-, Betriebs- oder Aktionärsversammlungen.

Deutlich unter dieser Besucherzahl liegt das Kinocenter mit seinen insgesamt 475 Plätzen. Doch auch dort sitzen Zuschauer nah beieinander. Aber Auswirkungen der Corona-Vorsicht seitens der Besucher hat man dort noch nicht feststellen können, berichtet Leiter Martin Otto. "Wir hatten mehrere gut besuchte Veranstaltungen trotz der Gefahrenwarnungen." Die Geschäftsleitung der Gießener Kinos wolle sich nun aber auf eine gemeinsame Gangart verständigen.

Ein Veranstalter, der Konzerte mit mehreren Tausend Besuchern anbietet, ist Dennis Bahl vom Gießener Kultursommer, der vom 20. bis 30. August auf dem Schiffenberg stattfindet. "Wir sind akut nicht betroffen", sagt Bahl. Bislang habe es keine Absagen von Künstlern gegeben und auch bei den Ticketverkäufen sehe man keine großen Unterschiede zu den Vorjahren. Zudem seien aktuell von Absagen nur Konzerte in Hallen betroffen, und auf dem Schiffenberg spiele man Open Air.

Bahl hatte bislang klare Ansagen seitens der Politik vermisst. Denn nur auf behördliche Absagen könne er reagieren. Bislang lag die Verantwortung allein beim Veranstalter. Und der trage das wirtschaftliche Risiko, sagt Bahl. "Es gibt zwar Ausfallversicherungen, aber die greifen nur bei Tod des Künstlers oder Naturgewalten." Bei einer Absage wegen einer möglichen Pandemie sähen sich die Versicherer nicht in der Pflicht.

Am Stadttheater finden bis auf Weiteres alle Veranstaltungen wie geplant statt. "Wir stehen in Kontakt mit den zuständigen Stellen und richten uns nach deren Empfehlungen", betont Intendantin Cathérine Miville.

Einen gewissen "Verantwortungsdruck" spürt Sadullah Güleç, Geschäftsführer der Stadthallen GmbH. Die ist als Vermieter für Veranstaltungen in der Kongresshalle und die Verpachtung der Bürgerhäuser involviert und hat sich als Mitveranstalter des "HR-Dancefloor" gemeinsam mit dem Hessischen Rundfunk zu einer Verschiebung der Party auf den 5. September entschieden.

Ein gewisser "Verantwortungsdruck" zu spüren

Man müsse im Einzelfall schauen, wie hoch das Risiko einer Veranstaltung sei, sagt Güleç. Das sei "keine nur numerisch orientierte Entscheidung." Im Falle der HR-Party habe man sich aber aufgrund der hohen Besucherdichte, der fehlenden Registrierung der Gäste und der engen Interaktion der Besucher beim Tanzen für eine Absage entschieden. "Das ist kein Ausdruck von Panik, sondern eine wohlüberlegte Entscheidung", betont Güleç. "Wir müssen handeln, damit es nicht so schlimm wird." Gülec sagt aber auch, Absagen könnten für manche Veranstalter, aber auch für Bürgerhauspächter, durchaus existenzbedrohend sein. Die aktuelle Krise werde "dem ein oder anderen richtig wehtun", bedauert er. Konkret abgesagt sind in der Kongresshalle eine Babymesse, eine Versammlung der Landesapothekerkammer, der Girls Day der THM und der Dancefloor. Weitere Veranstaltungen stehen auf der Kippe.

Im Bürgerhaus Kleinlinden fallen das Amateurfunkertreffen und ein Treffen einer Selbsthilfegruppe von Nierenkranken aus, im Bürgerhaus Wieseck eine Fortbildung von Zahnmedizinern sowie ein Workshop eines regionalen Unternehmens.

Svenja Burchards, Sprecherin der Messe Gießen, betont, dass man die Hessenhallen vermiete, also nicht für die Absage von Veranstaltungen zuständig sei. "Wir stehen aber täglich in Kontakt mit Ordnungs- und Gesundheitsamt. Wie bereits bekannt, wurde die "GINA", die für dieses Wochenende geplant war, aufgrund des Coronavirus durch die Autohäuser abgesagt.

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