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Kultur nicht auf dem Abstellgleis

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Besondere Umstände erfordern Kreativität: Nach dieser Devise haben am Samstag Mitglieder des Vereins StuVents mit ihrem "Themenzug" auf dem Gelände der Oberhessischen Eisenbahnfreunde gezeigt, dass trotz Corona-Beschränkungen Kultur erlebbar gemacht werden kann.

Das Wetter meinte es nicht sonderlich gut mit den Mitgliedern des Vereins StuVents, die am Samstag auf dem Gelände der Oberhessischen Eisenbahnfreunde ihren "Themenzug" unter dem Motto "Destination: Kleinkunst aus Gießen und Umgebung" auf das Gleis gesetzt hatten. Doch was sind schon ein paar Regentropfen? Was sind schon ein paar Einschränkungen wegen Corona-Hygienemaßnahmen, wenn es gilt, Kultur wieder vom Abstellgleis zu holen?

Und so fanden sich über den Tag verteilt rund um den alten Lokschuppen zahlreiche Besucher ein. Sie konnten in drei Waggons diverse Kunstwelten entdecken, alle gestaltet von Künstlern aus dem heimischen Raum. Etwa die von Fotograf Rossi aus Grünberg, der sein Geld eigentlich mit Hochzeitsfotografie verdient, aber dabei von Corona komplett ausgebremst wurde. Er hat aber seine Not in eine kreative Idee umgewandelt und in der Corona-Hochphase zahlreiche Unternehmen, die vom Lockdown und dem Signal "Alles auf Stopp" betroffen sind, fotografiert. Auch Dirk Zschoke aus dem Prototyp nutzte die Chance, Plastiken aus Ton und Schrott, Installationen und Landschaftskunst zu zeigen. Mit dabei war auch Robin Wächtershäuser aus Wetzlar. Der Komponist und Produzent von Film- und Werbemusik demonstrierte, wie Bewegtbilder stimmungsvoll mit Klängen unterlegt werden können.

Klänge und Musik galt es aber auch auf dem ungewöhnlichen Gelände zu entdecken. Auf zwei Bühnen, benannt nach Jim Knopf und Nepomuk, traten Singer-Songwriter Tomesalo aus Marburg, Indie-Musiker Magnus Ernst aus Marburg und Sängerin Layla aus Gießen auf. Die DJs des Unfame Collective aus Gießen legten ganztägig elektronische Musik auf. Und am Abend wurden in der Dämmerung noch die historischen Züge mit verschiedenen Scheinwerfertypen stimmungsvoll ausgeleuchtet.

Eine Plattform für heimische Künstler

Organisiert hatten die Veranstaltung die Mitglieder des Vereins StuVents. Sie alle studieren an der THM Eventmanagement- und Technik. Sie wissen daher genau, wie sie Kulturevents in Szene setzen und organisieren können, müssen aber auch am eigenen Leibe erfahren, wie schwer es für Künstler, Veranstalter und alle damit verbundenen Berufe aktuell ist, Kultur anzubieten. Mit der Idee, eine solche Veranstaltung auf dem Gelände der Eisenbahnfreunde, ohnehin vom Charakter eine Art Freilichtmuseum und als Veranstaltungsort noch eher ein Geheimtipp, ins Leben zu rufen, haben sie gezeigt, dass es funktionieren kann. Weitere Veranstaltungen sollen am gleichen Ort folgen.

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