OB Grabe-Bolz mit der neuen LP von Teboho Edkins und Nadia Ismail mit dem druckfrischen Katalog zu Thomas Zipp. FOTO: DKL
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OB Grabe-Bolz mit der neuen LP von Teboho Edkins und Nadia Ismail mit dem druckfrischen Katalog zu Thomas Zipp. FOTO: DKL

Künstliche Intelligenz und Stickbilder

  • vonDagmar Klein
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Auch die Kunsthalle war in diesem Jahr über einen langen Zeitraum wegen Corona geschlossen. Hinter den Kulissen wurde weitergearbeitet und ein Programm für das kommende Jahr erarbeitet. Laut Kunsthallenleiterin Nadia Ismail sind vier Ausstellungen geplant - mit spannenden Ideen.

Uns allen ist durch die Einschränkungen bewusst geworden, dass Kunst systemrelevant ist." Ihr einleitendes Statement ergänzte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz noch mit dem Hinweis auf die Ausweitung der digitalen Möglichkeiten auch im Kunstbetrieb. Dr. Nadia Ismail erlebte durch die Online-Präsenz der Kunsthalle eine große Resonanz von vielen Seiten. "Nicht jeder hat schließlich die Zeit oder das Geld, von weit her anzureisen."

Am meisten bedauert die Kunsthallenleiterin, dass die aktuelle Ausstellung von Christian Eisenberger nur zwei Wochen für die Öffentlichkeit zu besuchen war. "Der Start im Oktober war gut", sagt sie. "In diesen zwei Wochen waren 500 Menschen hier, das ist ein sehr guter Schnitt." Als Trost fügt sie hinzu, dass ein Eindruck von der Schau online bestehen bleiben wird. Das Kunsthallen-Format "10 Fragen an …" fand diesmal nicht live vor Publikum statt, sondern wurde mit einer Videokamera aufgenommen. Eingeladen war Hendrik Büntge, Kurator der Kunsthalle Baden-Baden und erklärter Eisenberger-Fan. Das Video ist seit diesem Mittwoch online gestellt und auf der Homepage www.kunsthalle-giessen.de zu sehen.

Für das kommende Jahr sind vier Ausstellungen geplant, in der Hoffnung, dass alle geöffnet werden können. "Wir planen derzeit immer mehrgleisig, überlegen Alternativen, falls wieder ein Lockdown erfolgen sollte. Insofern sind wir vorbereitet und können besser reagieren als in diesem Frühjahr." Die erste Ausstellung soll in der zweiten Februarhälfte eröffnet werden. Künstlerin ist Emma Talbot aus London, die mit archaischen Motiven arbeitet, vielfach gesichtslose Wesen zeichnet. Bei ihr fließen japanische Ästhetik und indische Miniaturmalerei in ihre Arbeiten ein.

Die nächste Künstlerin Louise Clement lebt in Deutschland, sie ist eine Generation jünger als Talbot. Ihr Blick ist in die Zukunft gerichtet und ihre Schau in Gießen wird Experiment und Premiere zugleich. Sie hat ein Abbild von sich fertigen lassen, die Puppe wird mit künstlicher Intelligenz ausgestattet und sogar lernfähig sein. Die Besucher können mit ihr sprechen. Zusätzlicher Clou: Es wird eine limitierte Auflage geben, die zum Verkauf steht, aber in zehn Jahren wieder in einer Ausstellung versammelt wird. Dann wird man sehen, was die Roboter Unterschiedliches gelernt haben.

Die dritte Ausstellung wird das Studio Beisel (Marburg) gestalten. Da die beiden Absolventen der Angewandten Theaterwissenschaften sind, wird es vor Ort theatral zugehen und die Ausstellung ins Internet weitergeführt werden. Und für November ist eine Schau mit Mary-Audrey Ramirez geplant. Die in Luxemburg lebende Künstlerin fertigt Stickbilder mit der Nähmaschine und begehbare Textilwelten, die von ihrer Arbeit als Programmiererin von Computerspielen beeinflusst sind. Auch hier ist also eine interessante Grenzüberschreitung zu erwarten.

Weiter geführt werden soll die Kooperation mit der Tanzcompagnie Gießen, die in den Zwischenzeiten von zwei Ausstellungen tänzerische Interventionen bringen wird.

Umfangreicher Ausstellungsband

Eine Ausstellung des Jahres 2018 ist jetzt endlich in einen Katalog gemündet, der allerdings weit über die in Gießen gezeigte Schau hinausgeht. Thomas Zipp hatte auch in Gießen für einiges Aufsehen gesorgt. Da es Sammler seiner Werke gibt, die schon lange auf einen Katalog warten und sich nun finanziell beteiligten, wurde das Buch immer umfangreicher. Nun ist es eine Auswahl internationaler Ausstellungen der letzten 20 Jahre geworden, mit vier profunden Texten, einer natürlich von Nadia Ismail. Vor Freude strahlend präsentierte sie beim Pressegespräch das frisch gedruckte Werk (Distanz Verlag, 40 Euro). Erhältlich ist nun auch eine Langspielplatte mit den kultischen Gesängen, die auf dem Film "Coming of Age" von Teboho Edkins in der letzten Ausstellung faszinierten (10 Euro). Wer noch auf Geschenksuche ist, könnte auch ein Editionsblatt von Eisenberger über die Kunsthalle erwerben (180 Euro).

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