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Auf Instagram präsentiert Franziska Bodenmüller unter dem Benutzernamen franzi_artwork ihre Kunstwerke. FOTOS: LKL

225. Jahrestag

Künstlerin aus Gießen von Bleistiften begeistert

Vor 225 Jahren meldete Nicolas-Jacque Conté das Patent für den Bleistift an. Die Vorzüge des Mediums weiß die junge Gießener Künstlerin Franziska Bodenmüller bis heute zu schätzen.

Zahlreiche Bleistifte finden sich im Mäppchen von Franziska Bodenmüller. Die 17-Jährige aus Wieseck zeichnet und malt zwar auch mit anderen Medien wie Finelinern, alkoholbasierten Markern oder Aquarellfarben. Sie weiß jedoch trotzdem die Vorzüge des guten alten Bleistifts zu schätzen, der am gestrigen Freitag den 225. Jahrestag seiner Patentanmeldung feierte und dessen Erfolgsgeschichte bis heute anhält. So hat der weltweit größte Hersteller Faber-Castell 8000 Mitarbeiter und macht 667 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Dies natürlich auch mit anderen Schreibgeräten, aber immerhin zwei Milliarden holzgefasste Stifte produziert das fränkische Unternehmen Jahr für Jahr.

Bodenmüller, deren Kunstwerke auf Instagram unter franzi_artwork bestaunt werden können, nutzt den Bleistift grundsätzlich für Skizzen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Nichts lässt sich so gut ausradieren wie ein Strich mit dem Bleistift. Kurz drübergerubbelt und es ist, als sei ein Patzer nie passiert. Daher beruht jedes Kunstwerk, das die Schülerin der zwölften Klasse erschafft, auf einer Bleistiftzeichnung, die sie in der Regel mit Druckbleistiften anfertigt. Diese Stifte, bei denen die Mine durch einen Mantel aus Kunststoff oder Metall umgeben ist, müssen nicht gespitzt werden und haben kontinuierlich die gleiche Dicke, so dass auch die Breite der Striche einheitlich bleibt. Manchmal kommen anschließend andere Medien zum Einsatz - etwa um Farbe aufzutragen oder harte Kanten abzubilden. Bodenmüller malt Landschaften zum Teil mit Aquarellfarben, für Architektur und andere technische Zeichnungen bevorzugt sie Fineliner.

Doch gerade organische, natürliche Motive, etwa Zeichnungen von Menschen oder Tieren, fertigt die 17-Jährige gerne ausschließlich mit Bleistift an. Dabei geht es nicht nur darum, dass der Bleistift Fehler so großzügig verzeiht, sondern auch um seine Vielseitigkeit: Verschiedene Härtegrade der Minen und Techniken des Zeichnens eröffnen ein breites Spektrum an Tönen und ermöglichen die Darstellung fließender Übergänge und weicher Schatten. Gerade Letzteres ist bei Porträtzeichnungen besonders hilfreich.

Möchte man die Struktur der Bleistiftstriche unsichtbar machen und besonders weiche, glatte Flächen schaffen, kann man sie verblenden, also quasi verwischen. Das geht zwar auch mit den Fingern, doch wer das schon einmal ausprobiert hat, weiß: Dabei nimmt nicht nur die Haut gräulich-silberne Farbe der Zeichnung auf, sondern auch die Zeichnung Fett aus der Haut. Besser geeignet sind daher spezielle "Stifte", die aus eng gewickelten Paper bestehen. "Früher habe ich sehr viel verblendet", sagt Bodenmüller. "Heute mache ich das weniger, denn ich mag das Aussehen von den Bleistiftstrichen an sich." Ungefähr fünf Stifte verschiedener Härtegrade verwendet sie für eine Bleistiftzeichnung. Zusätzlich hat sie noch dicke unummantelte Varianten in ihrem Reportoire, mit denen sich große Flächen besser malen lassen. Diese sind jedoch rund und lassen damit einen Vorteil vermissen, den klassische Blei- und Buntstifte haben, ohne dass er den meisten Nutzern bewusst ist: die sechseckige Form, die verhindert, dass die Schreibgeräte allzu häufig vom Tisch rollen.

Die junge Künstlerin hat gemeinsam mit einer Freundin bereits zweimal mit illustrierten Geschichten am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teilgenommen. Dabei war sie natürlich für die Zeichnungen zuständig - einmal ging es um die Islamische Revolution im Iran, einmal um die Frauenbewegung in Gießen. In der Schule belegt die Wieseckerin neben Mathe das Fach Kunst als Leistungskurs. Ein bewusster Schritt, denn nach dem Abitur möchte sie etwas mit Illustrationen studieren und später Kinderbücher oder Spiele gestalten. Doch zuvor will sie sich ein Jahr Zeit nehmen, um zu zeichnen und ihre Mappe zu füllen, die sie für die Bewerbung an den Hochschulen braucht. In dieser Zeit möchte Franziska auch reisen. Ganz bestimmt immer mit im Gepäck: eine große Auswahl an Bleistiften.

Der Stift ohne Blei

Im 16. Jahrhundert wurde in England ein Material gefunden, das gut sichtbare Spuren hinterließ. Man umwickelte es mit Papier oder Holz, um sich nicht die Hände schmutzig zu machen, und taufte diesen Griffel irrtümlich "Bleistift". Eigentlich handelte es sich um Grafit, doch dieses Material aus kristallisiertem Kohlenstoff war noch unbekannt und wurde erst später von dem Chemiker und Apotheker Carl Wilhelm Scheele benannt. Gefunden wurde es nur in einer englischen Mine - die Ausfuhr wurde von den Engländern reguliert.

Daher entwickelte der französische Porträtmaler, Chemiker und Physiker Nicolas-Jacques Conté schließlich ein Verfahren, bei dem das in Europa vorkommende minderwertige Grafit mit Ton und Wasser gemischt wurde. Nun ließen sich Bleistifte unterschiedlicher Härtegrade herstellen. Conté ließ die Methode am 3. Januar 1795 patentieren. Dies war sozusagen die Geburtsstunde des heutigen Bleistifts.

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