Von Kleinlinden in die Frankfurter Straße zu gelangen, erfordert von Radfahrern nach wie vor Wagemut. FOTO: SCHEPP
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Von Kleinlinden in die Frankfurter Straße zu gelangen, erfordert von Radfahrern nach wie vor Wagemut. FOTO: SCHEPP

Frankfurter Straße

Kritiker sehen "Mängel" bei neuer Radspur

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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In der oberen Frankfurter Straße gibt es einen neuen Radstreifen. Warum der Gießener Verkehrsclub Deutschland dennoch Kritik daran übt.

Der neue Radstreifen in der oberen Frankfurter Straße stadteinwärts zeige "sicherheitsrelevante Mängel". Das meint der Kreisverband Gießen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Vorstandsmitglied Patrik Jacob kritisiert vor allem die nach wie vor gefährliche Kreuzung Robert-Sommer-Straße sowie die Ladezonen, die die Radspur unterbrechen.

In Gießen: Club sieht einige Wermutstropfen

Der Lückenschluss, immerhin 2,50 Meter breit, wie auch die Einrichtung der Fahrradstraße Goethestraße steigere die Attraktivität des Fahrrads insbesondere für Alltagswege, schreibt Jacob in einer Pressemitteilung. Leider gebe es aber einige Wermutstropfen. So sei "völlig unverständlich", dass in Höhe der Autohäuser zwei Ladezonen ausgewiesen wurden, die Radler zum gefährlichen Ausweichen auf die Autospur zwingen könnten. Mit etwa 10 000 bzw. 5500 Quadratmetern wiesen die Gewerbebetriebe genügend Freiflächen auf für Ladevorgänge auf dem eigenen Grundstück. "Die Stadt mutet den Autolobbyisten nicht einmal zu, 0,5 Prozent der eigenen Flächen für die Anlieferung zu nutzen, statt sich kostenlos des öffentlichen Raums zu bedienen."

Ebenfalls misslungen sei der Bereich der Kreuzung zur Robert-Sommer-Straße. Schon bisher erreichten Radfahrer, die indirekt aus Kleinlinden links abbiegen, zeitgleich mit dem Autoverkehr die Engstelle in Höhe der Bushaltestelle. Dieses Problem sei nun noch erheblich verschärft worden, da genau hier die linke Fahrspur endet und sich die Radfahrer in den fließenden Verkehr einordnen müssten. Der VCD fordert eine "umgehende Entschärfung" und schlägt vor, die rechte Fahrspur in die linke übergehen zu lassen.

Dies ermögliche einen durchgängigen Radweg ab dem Kreuzungsbereich. Zusätzlich müsse der Umbau der gesamten Kreuzung höchste Priorität haben, um eine sichere und schnelle Linksabbiegemöglichkeit für Radfahrer aus Richtung Kleinlinden zu schaffen.

Unverständlich sei zudem, dass an der Kreuzung zur Schubertstraße weiterhin zwei Geradeaus-Spuren für den Kfz-Verkehr abmarkiert wurden, und dies auf einer Länge von lediglich etwa 100 Metern und bei einer extrem geringen Breite von fünf Metern. Zu befürchten seien unverantwortliche Überholmanöver ohne den vorgeschriebenen seitlichen 1,50-Meter-Abstand zu Radlern, zumal die Bushaltestelle ein zusätzlicher Konfliktpunkt sei.

In Gießen: Priorität fürs Auto "nicht zeitgemäß"

In Jacobs Augen belegen diese Mängel, "dass dem Autoverkehr von der Stadtverwaltung noch zu oft Priorität eingeräumt wird und dem Radverkehr das Nachsehen bleibt". Dies sei nicht zeitgemäß. Städte wie Paris oder Berlin hätten binnen kürzester Zeit hunderte Kilometer an Radverkehrsanlagen geschaffen, Innenstadt-Händler freuten sich über steigende Umsätze.

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