Viele Busse in Gießen sind überfüllt.
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Viele Busse in Gießen sind überfüllt.

Busse und Corona

Schulbusse in Corona-Zeit: „Von der Möglichkeit, Abstand zu halten, keine Spur" in Gießen

Die Schulbusse in und um Gießen sind proppevoll. Und das in der Corona-Krise. Das sorgt für Ärger.

Gießen - Fast ein halbes Jahr ist es her, dass der Fahrgastbeirat das letzte Mal getagt hatte. Coronabedingt wurde die neue Sitzung nun im Stadtverordnetensaal des Rathauses abgehalten. 14 Tagesordnungspunkte umfasste die abzuarbeitende Liste. Knapp drei Stunden lang wurde getagt.

Viel Zeit nahm der Punkt »Folgen der Corona-Pandemie für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und die Fahrgäste« in Anspruch. Von erheblichen Rückgängen an Fahrgästen sowie auch der Einnahmen durch Beförderungsentgelte berichtete Anne Müller-Kreutz als Leiterin des Nahverkehrsservices der Stadtwerke (SWG). Vier Schüler der Gesamtschule Gießen Ost und der Sophie-Scholl-Schule brachten ihren Unmut zum Ausdruck. »In der Schule wird penibel darauf geachtet, die Abstandsregeln einzuhalten und Masken zu tragen. Doch die Busse sind proppenvoll. Von der Möglichkeit, Abstand zu halten, keine Spur.« Gerügt wurde, dass »überall, wo es Geld kostet, die Abstandsregeln« nicht gelten.

Berichtet wurde auch über das Ansinnen des Kreiselternbeirates, die Buskapazitäten zu erhöhen. »Kein Personal da«, habe die Antwort geheißen. Sven Germann, Vorsitzender des Beirates für die Belange von Menschen mit Behinderungen, monierte, dass die seit letztem Wochenende verwendete Durchsage zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz in den Bussen im Vergleich zu den Haltestellen-Ansagen deutlich zu leise sei. Müller-Kreutz versprach, »nachzusteuern«.

Gießen: Schulbusse und Corona - Auch Probleme bei Fahrradmitnahme

Große Probleme wurden bei der »Fahrradmitnahme im Schienenersatzverkehr« publik. Mehrere Anwesende berichteten von ihren Erfahrungen. »Es war nicht möglich, ein Fahrrad mitzunehmen«, lautete der einheitliche Tenor. »Gibt es keine Möglichkeit, eine Fahrradanhänger an den Bus anzuschließen?«, wurde gefragt. »Das würde die Attraktivität des ÖPNV beträchtlich erhöhen.«

Kurz gestreift wurde das Thema kostenloser ÖPNV. Nach der Bemerkung einer Anwesenden, »was nix kostet, ist nix«, war der Punkt so gut wie abgehakt. Auch künftig nicht geben wird es die nachgefragte und als »lange vermisst« bezeichnete Zehnerkarte.

Die geplante Neuwahl eines Fahrgastbeirats-Sprechers, »bevorzugt mit Aufenthalt in der Stadt Gießen«, musste ausfallen, da sich niemand für diese Funktion bereitfand. Und die Wahl eines Vertreters in der Agenda-Gruppe »Nachhaltige Mobilität« erübrigte sich, da der bisherige nun doch dort weitermachen möchte.

Die Kreistagsfraktion der Linken wird im Herbst ein Buch zur Verkehrswende herausgeben, in dem die Beiträge zahlreicher Organisationen, die sich mit dem örtlichen Verkehr und dessen Wende befassen, veröffentlicht werden. Über das Anliegen des Fraktionsvorsitzenden Reinhard Hamel um eine redaktionelle Stellungnahme des Fahrgastbeirates entbrannten heftige Diskussionen. Vor allem Stadträtin Gerda Weigel-Greilich wandte sich massiv dagegen: »Ich glaube nicht, dass das durch die Satzung gedeckt ist. Der Fahrgastbeirat habe lediglich die Funktion eines Beratungsgremiums«, so ihre Ansicht. Sprecher Friedhelm Sames konterte, dass dies »insbesondere« stimme, aber nicht »ausschließlich« bedeute. »Ich finde, dass wir auch gegen die Stadtverwaltung Stellung beziehen können.« Sames wurde beauftragt, einen Text zu verfassen.

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