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Sehr viele Buslinien sind laut Schülerrat vor allem zu Stoßzeiten zu voll, was das Infektionsrisiko erhöhe und Eltern dazu bewege, ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu fahren.

Kritik: Busse sind zu voll

Gießen (ige). »Die Bussituation in Gießen ist eine Katastrophe!« Das sagt Junis Poos, Schulsprecher der Gesamtschule Gießen-Ost (GGO) und Mitglied im Stadtschülerrat. Kein Wunder, dass immer mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule führen. »Doch das ist keine Lösung«, markierte Poos seinen Standpunkt in der digitalen Sitzung des Fahrgastbeirates.

Die Corona-Pandemie habe das Problem noch weiter verschärft: Zwar seien weniger Menschen in der Schule. »Jedoch, was nützt das penible Achten auf Abstand und Lüften in den Klassenräumen und einheitlichen Lerngruppen, wenn sich auf dem Schulweg alle ohne Abstand oder frische Luft begegnen?«, fragte Poos in die digitale Runde.

»Problem immer noch nicht gelöst«

»Wir brauchen jetzt aber auch auf lange Sicht mehr Busse zu den Stoßzeiten für alle Schulen in Gießen«, forderte er. »Es kann nicht sein, dass dieses Problem seit mehr als vier Jahren besteht und immer noch nicht gelöst ist.«

Laut den Betreibern scheitere es am Geld, an zu wenig Personal und zu wenig Bussen. »Aber das Geld ist nur eine Frage des politischen Willens und der Rest nur eine Frage des Geldes oder der Kreativität«, konstatierte der GGO-Schulsprecher. Ende letzten Jahres war an dieser Schule eine Umfrage zur Bussituation erstellt worden, um Daten zu erhalten. 20 Prozent der Schüler hätten sich daran beteiligt. »Erschreckendes ist dabei herausgekommen«, berichtete Poos. »Mehr als die Hälfte der Schüler sagt, dass die Linie 801 morgens und mittags immer - mit wenigen Ausnahmen - zu voll sei.« Er fuhr fort: »In einer weiteren Frage, welche weiteren Linien zu voll seien, haben wir 150 Aussagen bekommen, die uns vermuten lassen, dass wir einem Gießen-weiten Problem auf den Fersen sind.« So seien auch die Linien 1, 3, 12, 13, 15, 21, 22, 24, 41, 310, 371, 375, 377, 379, RB 25 und RB 46 regelmäßig überfüllt.

Konträr verlief die anschließende Diskussion. Obwohl vier Personen je Quadratmeter im Bus gerade noch erträglich seien, rechneten - laut Patrik Jacob vom VCD - die Busunternehmen mit sechs bis gar sieben. Jürgen Priem vom Fahrgastbeirat Wetterau schlug vor, zwei oder drei Jahrgänge mit zeitlich versetztem Unterricht beginnen und damit auch enden zu lassen, um den Andrang in den Stoßzeiten zu entkrampfen. Gerhard Muth-Born von der Verkehrsabteilung des Zweckverbandes Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV) stellte »Anhänger-Busse wie im Main-Kinzig« als Lösung in den Raum. Bemerkt wurde, dass Reisebusse als Zusatzbusse eingesetzt werden dürfen, obwohl sie keine Barrierefreiheit und keinen Platz für Rollstühle, Rollatoren oder Kinderwagen bieten. Auch können die Stadtwerke Gießen beim Einsatz von Zusatzbussen flexibler agieren als die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO), die alle Leistungen europaweit ausschreiben müsse. Zudem bekamen die Fahrgäste selber ihr Fett ab: »Man will meistens den ersten Bus nehmen und beklagt sich dann über Viehtransport-ähnliche Verhältnisse darin. Doch die Bereitschaft, in den fast total leeren Bus nebenan einzusteigen, ist nahezu null.«

Runden Tisch vorgeschlagen

Anne Müller-Kreutz, Leiterin Nahverkehr-Service bei den Stadtwerken, schlug vor. »Wir setzen uns zusammen an einen Tisch und reden.« Dieses Angebot war gerichtet an Schülersprecher Poos. Die Stadt und die Schulen mit Kreiselternbeirat wollen sich dazusetzen und nach Lösungen suchen.

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