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Der Angeklagte Matthias B. beim Auftakt des Prozesses in der Kongresshalle.

Kritik an Arbeit des BKA

  • VonConstantin Hoppe
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Gießen (con). Im Prozess um Deutschlands größten OnlineHandel für Drogen, Chemical Revolution, hielten am Mittwoch die übrigen Verteidiger ihre Plädoyers - nachdem an zwei vorherigen Verhandlungstagen bereits die Plädoyers für drei führende Bandenmitglieder gehalten wurden. Außerdem hatten die insgesamt sieben Angeklagten Gelegenheit für letzte Worte.

Der Angeklagte Youssef E. soll seinen Autohandel in den Niederlanden für die Drogenübergaben zur Verfügung gestellt und einen Teil der Drogen besorgt haben, die später über die Plattform im Darknet weiterverkauft wurden. Die Beteiligung des Niederländers ist für seinen Verteidiger Frank Richtberg zwar in weiten Teilen klar, aber auch problematisch: »Es gab unrichtige Übersetzungen, und das BKA hat, man kann es nicht anders sagen, gefilterte Akten vorgelegt.« Auch seien vom BKA die Angaben des Mitangeklagten Arkadiusz D., den die Generalstaatsanwaltschaft mindestens für den zweiten Mann der Bande hält, nicht auf ihre Richtigkeit überprüft. »Die Ermittlungen verliefen äußerst einseitig«, sagte Richtberg.

Auch nannte er den Grund dafür, warum Einlassung seines Mandanten erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgte: »Wären wir bei der Verteidigung nicht diese Linie gefahren, hätten wir nicht alles aufklären können.« Der Jurist betonte, dass Arkadiusz D. seine Angaben gegenüber den anderen Angeklagten ständig angepasst habe. Eine Falschbelastung durch Youssef E. habe dieser direkt in der folgenden Sitzung wieder zurückgenommen und richtiggestellt. Deshalb forderte die Verteidigung eine Haftstrafe von maximal vier Jahren für ihren Mandanten - die Generalstaatsanwaltschaft hatte auf fünf Jahre und zwei Monate plädiert.

Matthias B. soll neben dem Hauptangeklagten Daniel B. und Arkadiusz D. der eigentliche Kern von Chemical Revolution gewesen sein. Als er im Januar 2018 wegen zwei Betrugsfällen verhaftet wurde, erlitt er nach eigenen Angaben einen Nervenzusammenbruch und begann über die Bande zu berichten. Vorher war vom Drogenhandel in großem Stil noch gar keine Rede. Aufgrund dieser Aufklärungshilfe sollte Matthias B., der für die Anmietung von Häusern für das Lagern der Drogen sowie für Verpackung und Versand der Betäubungsmittel zuständig war, aus Sicht der Staatsanwaltschaft zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt werden. Für seinen Verteidiger Michael Sturm ist das zu viel: »Er hat kooperiert, alles gemacht, was ging#, und bereits im Januar 2018 reinen Tisch gemacht.« Deshalb sollte Matthias B. zu maximal vier Jahren Haft verurteilt werden.

Urteil in der kommenden Woche

Am wenigsten in die Bandenstruktur eingebunden war Radoslaw S., der Fahrer bei vier der Drogentransporte aus den Niederlanden. Er hatte aus finanziellen Nöten heraus ein Angebot von Arkadiusz D. angenommen und war für die Bande als Drogenkurier tätig. Statt der von der Generalstaatsanwaltschaft geforderten zwei Jahre und zehn Monate Haft sieht die Verteidigung für ihn eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten als ausreichend an, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten. Ähnlich sieht es bei Piotr F. aus: Auch er war für den Transport der Drogen verantwortlich und nicht in den eigentlichen Handel involviert. Für ihn sieht die Verteidigung eine Gesamtstrafe von drei Jahren und zwei Monaten als angemessen an.

In ihren letzten Worten erklärten fünf der sieben Angeklagten, dass ihnen ihre Taten leid täten - lediglich der mutmaßliche Kopf der Gruppe, Daniel B., und Matthias B. schwiegen. Das Urteil wird in der kommenden Woche erwartet.

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