"Mahnwachen"

Kristina Hänel: Gebete vor Praxis werden auffälliger

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Gießener "Lebensschützer" treten seit Jahren vor der Praxis von Ärztin Kristina Hänel auf. Nun werden die Aktionen auffälliger.

Soll es "Schutzzonen" vor Praxen geben, in denen Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden? Diese Diskussion ist auch in Gießen entbrannt nach mehreren "Mahnwachen" vor der Pro-Familia-Beratungsstelle und der Praxis der Ärztin Kristina Hänel vor sechs Wochen. Den Stadtverordnetenbeschluss für eine 150-Meter-Bannmeile müsste das Land umsetzen helfen. Am Montag betete erneut eine etwa zehnköpfige Gruppe in der Neuen Bäue.

Der Anmelder dieser "Gebetsgänge" sei ein anderer als bei den Aktionen im Februar, erklärte Magistratssprecherin Claudia Boje auf GAZ-Anfrage. Die monatlichen Demonstrationen gebe es schon seit Jahren, nur bisher deutlich kleiner, dezenter und offenbar fast unbemerkt. Die Aktiven selbst gaben bisher keine Auskunft.

Demos vor Hänel-Praxis: Katholische Kirchen als Startpunkte

Jeden letzten Montag im Monat ab 11.10 Uhr ist ein solcher Gebetsgang angemeldet. Seit Jahren ziehen die Teilnehmer – bisher waren es laut Boje zwischen zwei und fünf – von der Albertuskirche aus über den Anlagenring in die Neuen Bäue und zurück.

Von der GAZ darauf angesprochen, zeigen sich sowohl Hänel als auch die Pro-Familia-Mitarbeiter überrascht. Weder sie noch ihre Klientinnen oder Patientinnen hätten in den letzten Jahren davon Notiz genommen. Diese Woche war die Gruppe freilich deutlich größer und hatte ein großes Jesus-Schild dabei.

Demos vor Hänel-Praxis: Ableger einer internationalen Organisation?

Möglicherweise handelt es sich um den Gießener Ableger der internationalen Organisation "Helfer für Gottes kostbare Kinder". Auf der Internetseite des Vereins wird als einziger Termin in Gießen eine monatliche "Vigil" – ein Gebet – jeweils am 27. um 10 Uhr in St. Albertus öffentlich genannt.

Dort werden aber auch andere Aktivitäten aufgezählt: So "...gehen wir an genau die Orte, an denen die Frauen, die in so großer Not stehen, dass sie eine Tötung ihres eigenen Kindes als die beste Lösung ansehen. (...) So beten wir vor den Abtreibungsstätten für die Frauen, die Väter, den Arzt, das Abtreibungspersonal, die Politiker und alle, die irgendwie mit der Tötung eines Kindes direkt oder indirekt zu tun haben, eben für alle kostbaren Kinder Gottes."

Demos vor Hänel-Praxis: "Gehsteigberatungen" und "Märsche für das Leben"

Freilich bleibt der Verein nicht immer unauffällig. Seine Aktiven versuchen auch bei "Gehsteigberatungen" Frauen umzustimmen und organsieren die so genannten "Märsche für das Leben" mit.

Sind auch in Gießen größere Demonstrationen geplant? Ist eine gar nicht wahrgenommene Aktion überhaupt sinnvoll? Auf diese und andere Fragen erhielt die GAZ keine Antwort. Die Organisatorin der Gießener "Vigilien" reagierte nicht auf eine Rückruf-Bitte, der deutsche "Kostbare-Kinder"-Vorsitzende Wolfgang Hering befinde sich auf Reisen, hieß es in der Zentrale in München.

Demos vor Hänel-Praxis: Teilnehmer aus Frankfurt in Gießen

Einer der am Montag aufgetretenen "Lebensschützer" war auch bei den "Mahnwachen" im Februar dabei, die vor der Bonifatiuskirche starteten und an einem Tag 30 inoffizielle Gegendemonstranten auf den Plan riefen. Der Großteil dieser Gruppe stammt nach GAZ-Informationen aus Frankfurt.

Die Stadt will laut Boje "genau beobachten, ob sich die bisherige Art der Versammlung und das Auftreten der Personen ändert", etwa weil sich neue Teilnehmer anschließen. Zu den Schutzzonen sei die Stadt in der Beratung und in der Kontaktaufnahme in Richtung Landesregierung. Bislang liege noch kein Ergebnis der Prüfungen vor.

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