Der Achsenwinkel-Apparat ist rund 180 Jahre alt. FOTO: SCHEPP
+
Der Achsenwinkel-Apparat ist rund 180 Jahre alt. FOTO: SCHEPP

Kristalle im Fokus

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
    schließen

Gießen(chh). Im ersten Stock der Hermann-Hoffmann-Akademie glänzt und glitzert es. Das liegt an der mannshohen Vitrine, die mit Messing versetzte Reflexionswinkel und andere kristallografische Apparate beherbergt. Die Instrumente sind Bestandteil der Mineralogischen Sammlung der Justus-Liebig-Universität. Dass sie heute noch in Gießen sind, ist alles andere als selbstverständlich.

"Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen an Kristallen betrafen ihre äußere Form und ihre geometrischen Eigenschaften", erklärt Alissa Theiß, die Sammlungskoordinatorin der Uni. Bereits im 17. Jahrhundert sei das Gesetz der Winkelkonstanz aufgestellt worden, dem zufolge die Winkel zwischen kristallografisch gleichen Flächen desselben Minerals stets gleich groß sind. "Im 19. Jahrhundert begann man dann, die optischen Eigenschaften von Mineralien systematisch zu untersuchen", sagt Theiß. Und hier kommen die Instrumente ins Spiel.

Die Winkelmessung war über Jahrhunderte die wichtigste Methode der Mineralogie. Anhand der unterschiedlichen Winkel konnten die Minerale in sieben Kristallsysteme eingeteilt werden. Gemessen wurden Winkel mit eigens angefertigten kristallografischen Apparaten. "Diese wurden im Laufe der Zeit immer ausgefeilter und schließlich von bekannten Feinmechanik- und optischen Werkstätten in Serie produziert", sagt Theiß.

Der Achsenwinkel-Apparat beispielsweise wurde um das Jahr 1850 angefertigt. Er ist damit eines der ältesten erhaltenen Instrumente an der JLU. "In einer alten Inventarliste ist das Objekt mit dem Namen Viktor von Lang verknüpft. Der bedeutende Forscher gilt als einer der Begründer der Kristallografie", sagt Theiß und fügt an, dass von Lang 1859 in Gießen promoviert hat. "Möglicherweise hat er den Achsenwinkel-Apparat mit nach Gießen gebracht, als er hier mit seiner Doktorarbeit begann.

Mineralogie wurde in Gießen schon im 18. Jahrhundert unterrichtet: Johann Wilhelm Baumer wurde 1764 Professor der Medizin sowie Bergrat an der Uni Gießen. Baumer unternahm, wohl als einer der ersten überhaupt, geologische Exkursionen. Seit dem Jahr 1819 gab es dann an der Gießener Universität ein Ordinariat für Mineralogie. 2005 wurden die Geowissenschaften in Gießen dann abgewickelt, auch die mineralogische Sammlung wurde damals aufgelöst. "Es ist ein großer Glücksfall für die Gießener Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte, dass ein Teil der Sammlung erhalten blieb", betont Theiß in diesem Zusammenhang.

Insgesamt seien es zehn sehr seltene und wertvolle kristallografische Instrumente aus der Zeit von 1850 bis 1920, die ihren Weg aus den Kellern der Uni wieder in das Licht der Forschung und Lehre geschafft haben. "Dass dem so ist", betont die Sammlungskoordinatorin, "haben wir den umsichtigen Mitarbeitern zu verdanken, die die Objekte vor 15 Jahren vor der Entsorgung gerettet haben."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare