Gesundheitsminister Jens Spahn, Kanzleramtsminister Helge Braun und Ministerpräsident Volker Bouffier unterhalten sich im April bei ihrem Besuch am Uniklinikum Gießen mit studentischen Helfern.
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Gesundheitsminister Jens Spahn, Kanzleramtsminister Helge Braun und Ministerpräsident Volker Bouffier im April am Uniklinikum Gießen

Studentische Hilfe

Corona-Krise an der Uniklink Gießen: Studierende helfen aus - Überwältigende Resonanz

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Auch in Gießen brauchen Krankenhäuser wegen der Corona-Krise Helfer. Am Uniklinikum ist man froh über diese Unterstützung.

Gießen - Als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier im April das Uniklinikum Gießen besuchen, ist auch Tabea Schäfer dabei. »Ich habe dort die Masken ausgegeben«, sagt die 23 Jahre alte Medizinstudentin. Sie hatte sich Ende Februar als Helferin gemeldet, um die Klinik während der Corona-Pandemie zu unterstützen. 450 Studierende sind bis heute dem Aufruf gefolgt - eine überwältigende Resonanz.

Ein sonniger Novembermorgen in Gießen: Schäfer und ihr 26 Jahre alter Kommilitone Marco Müller sind zum Eingang der Uniklinik gekommen, um über ihr Engagement zu sprechen. Sie haben von Beginn an bis heute die Entwicklung der Pandemie und den Umgang mit der Herausforderung hautnah miterlebt.

Uniklinik Gießen im Kampf gegen Corona: Von Studierenden unterstützt

Die Studierenden übernehmen zum Beispiel den Sitzwachdienst am Eingang. Weitere Einsatzgebiete sind die Liegend-Anfahrt für die Rettungswagen, die Blutbank, die Corona-Teststelle für Mitarbeiter des Klinikums sowie die Zentrale Notaufnahme. »Viele haben sich auch explizit für einen Einsatz auf unseren Covid-Stationen gemeldet«, teilt die Pressestelle der Uniklinik auf Anfrage mit. Hier werden sie in der Regel als Springer eingesetzt. »Das bedeutet, sie arbeiten nicht am Patienten, sondern unterstützen vor den Patientenzimmern unsere Ärzte und Pflegekräfte durch das Anreichen und Desinfizieren von Materialien und Geräten, die für die Behandlung der Covid-Patienten nötig sind.« Unter den Studierenden gibt es auch examinierte Pflegekräfte, die dem Pflegepersonal direkt am Patientenbett helfen.

Fragt man Schäfer nach ihrer Motivation, sich auf den Aufruf zu melden, antwortet sie: »Um Menschen zu helfen. Deshalb studiere ich Medizin.« Sie ist gerade im vierten Semester und damit im vorklinischen, theorielastigen Studienabschnitt. Aber anstatt nur Bücher zu wälzen, lernt sie in dieser Krisensituation viel für den Arztberuf. Die Studentin unterstützt außerdem Gunhild Flemmer und Hendrik Seeger-Landau von der Pflegedienstleitung bei der Koordination der studentischen Helfer. Müller nötigt das viel Respekt ab: »Das ist eine riesige Leistung. Ich hätte mir das im Vorklinikum nicht zugetraut.«

Corona an der Uniklinik Gießen: Viel Fingerspitzengefühl nötig

Was die beiden Studierenden vor allem am Haupteingang bis heute erleben, ist ein Gradmesser für den Umgang mit der Corona-Pandemie. Zu Beginn, erzählt Müller, hätten viele Besucher gefragt, was »dieses Corona aus China« eigentlich sei. Später sei es vor allem darum gegangen, woher man Masken beziehen und wie man sich testen lassen kann. Mittlerweile wollten Besucher viel über Medikamente und einen möglichen Impfstoff gegen Corona* wissen.

Dass man es nicht mit einer Wald- und Wiesenerkältung zu tun hat, sei nicht erst durch die hohe Präsenz von Journalisten vor dem Uniklinikum deutlich geworden, sagt Müller. »Auf der Coronastation liegen Menschen, denen es wirklich schlecht geht.« Auch dies habe zu Unsicherheiten bei den Besuchern der Klinik geführt. »Es gab Menschen, die Angst hatten. Andere waren wütend, weil sie den Grund der Einschränkungen nicht verstanden«, sagt Schäfer. All diese Gefühle hätten ihre Grunde, sagt sie. »Deshalb müssen wir viel Fingerspitzengefühl beweisen.«

Studerende als Helfer an der Uniklink Gießen: Gegen Corona in vieler Hinsicht hilfreich

Müller sagt, er habe während seiner Arbeit nie Angst, aber doch Respekt vor dem Virus empfunden. Sorgen habe er sich nie gemacht: Zum einen sei die Ausstattung wie Plexiglasscheiben oder Schutzausrüstung mit der Zeit immer besser geworden. Außerdem stünden die Infektiologen den Studierenden immer zur Seite und seien rund um die Uhr erreichbar. »Das gibt uns viel Sicherheit«, sagt Schäfer.

Das Uniklinikum teilt mit, dass die studentische Unterstützung bereits während der ersten Welle in vielen Bereichen hilfreich gewesen sei. »Die Studierenden haben sich dabei als sehr engagiert und flexibel in Bezug auf ihre Einsatzorte und -zeiten erwiesen«, heißt es vonseiten der Pressestelle.

Als Studentin in der Uniklinik Gießen Gefallen an der Infektiologie gefunden

Müller fängt jetzt sein Praktisches Jahr an und wird deshalb nicht mehr als studentischer Helfer tätig sein. Schäfer jedoch will an Bord bleiben. Während ihr Mitstudent an seinem Ziel festhält, später in der Unfallchirurgie zu arbeiten, hat sie Gefallen an der Infektiologie gefunden. »Das ist super spannend«, sagt sie. Mittlerweile ist sie in dieser Abteilung als wissenschaftliche Hilfskraft tätig.

Dem aktuellen Aufruf des Uniklinikums sind bislang rund 150 Studierende gefolgt. 70 aus nicht-medizinischen Fächern und 80 Medizinstudierende. Derzeit werden mit rund 80 Studierenden Verträge vorbereitet. (Kays Al-Khanak) *FR.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

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