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Tobias Krimmel im Hygiene-Institut der Universität vor dem gut erhaltenen Wandbild, das sein Vater entworfen und wohl auch selbst gestaltet hat.

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Krimmel-Mosaik-Tour

  • vonDagmar Klein
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Tobias Krimmel hat sich in Gießen auf die Spur dessen begeben, was sein Vater Bernd Krimmel in der Stadt als Kunst am Bau gestaltet hat. Dazu zählt auch das mittlerweile stark renovierungsbedürftige Wandmosaik am Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums. Dass dies trotz der geplanten Raumerweiterung der Schule mit Containern aber zumindest erhalten bleiben könnte, stimmt den Sohn des Künstlers optimistisch.

Schon nach dem ersten Artikel über die Mosaikkunst des Darmstädter Künstlers Bernd Krimmel in Gießen (erschienen in der Heiligabend-Ausgabe dieser Zeitung von 2019) plante Sohn Tobias mit seinem Vater einen Besuch zu den verbliebenen Werken. Vor allem das gut erhaltene Wandmosaik im Hygiene-Institut der Uniklinik wollten sie gemeinsam besuchen. Doch dann verhinderte zuerst der Corona-Lockdown das Reisen, im Laufe des Jahres ging es Bernd Krimmel zunehmend schlechter, am Jahresende 2020 starb der 93-Jährige.

Wandmosaik im Hygiene-Institut

Mitte Mai konnte Tobias Krimmel nun doch noch nach Gießen kommen. Begleitet wurde er auf seiner Mosaik-Tour durch Gießen von der Kunstbeauftragten des Klinikums Dr. Susanne Ließegang, dem LLG-Kunstlehrer Markus Lepper und der Journalistin Dagmar Klein, die die Werke öffentlich bekannt gemacht hatte.

Das Hygiene-Institut hat einen Nebeneingang an der Buchheim-Straße, durch den es direkt zu den Vorlesungssälen geht. An der Treppe sind auf zwei Ebenen wandfüllende Mosaike angebracht, die durch ihren Detailreichtum und ihre Farbintensität in den Blick fallen. Chefsekretärin Sybille Angrick hat dem Besuch aufgeregt entgegengeblickt. Sie und ihr Chef Prof. Thomas Eikmann (1994-2018) hatten über Jahre versucht, Informationen zu dem Wandmosaik zu erhalten, doch niemand wusste etwas. »Solche Informationen an zentraler Stelle festzuhalten, das war (und ist) nicht üblich«, so Dr. Ließegang, die bei anderen Recherchen ähnliche Erfahrungen machte. »Ich habe in den letzten 20 Jahren für jeden verabschiedeten Mitarbeiter ein Fotobuch gemacht und jedes Mal war ein Foto vom Wandmosaik dabei«, erzählt Sybille Angrick. Es habe ihr immer besonders gut gefallen.

Tobias Krimmel ist über den guten Erhaltungszustand hocherfreut. Eine einzige Stelle war zu finden, wo sich ein Steinchen gelöst hatte. Er beantwortete geduldig alle Fragen. Bei großflächigen Werken habe sein Vater eine Planzeichnung gemacht und andere Künstler mit der Ausführung beauftragt. »Aber solche kleinteiligen Werke mit so vielen Glasmosaiksteinchen, die hat er immer selbst gemacht. Allein die vielen Nuancen innerhalb einer Farbe, das wäre als Skizze kaum möglich. Er hatte einen Plan, doch die konkrete Ausführung hat er während des Arbeitens weiterentwickelt. Er hat Tage und Wochen, oft auch Nächte, an solchen Werken verbracht«, erzählt er. Für ein vergleichbar großes Wandmosaik in Groß-Gerau brauchte er ein Jahr. Ließegang überlegt, wie man dieses besondere Kleinod zu einem Kunstort und damit bekannter machen könnte.

Weiter ging’s zum Landgraf-Ludwig-Gymnasium, wo zuletzt die Neuzuschreibung des Fußbodenmosaiks mit dem Sonnen-Motiv an Bernd Krimmel für einige Aufmerksamkeit sorgte. Die Treppenhalle der Schulverwaltung wird neu wertgeschätzt, freut sich Schulleiterin Antje Mühlhans. Auch die kleine Exkursionsgruppe versammelte sich zum Abschluss dort, um die helle und freundliche Raumstimmung auf sich wirken zu lassen.

Holz-Container und Verschalungsoption

Zuvor fand die Besichtigung des großen Wandreliefs an der Giebelwand der Schule statt, die zur Rodtbergstraße weist. Das Relief ist in schlechtem Zustand, eine Restaurierung wäre zeitaufwendig und teuer. Die Schule hat seit längerem großen Raumbedarf, eine Erweiterung kann nur an dieser Seite erfolgen, wie die beunruhigten Nachbarn schon feststellten, weil dafür die Eiche gefällt werden müsste. Die Schulerweiterung würde allerdings nicht durch einen Neubau erfolgen, wie die Direktorin erzählt, sondern durch eine Zwischenlösung, die andere Städte schon erprobt haben: Große Holzcontainer, im Leasing-Verfahren angeschafft, werden aufeinandergesetzt. »Womöglich könnte das Wandmosaik dadurch erhalten bleiben?«, sinnierte die Gruppe. Andernorts haben Wandbilder auch eine Holzverschalung erhalten. Dann könnte zumindest ein Teil des Mosaiks gerettet werden. »Es wäre als Innenraum-Wandmosaik in einer Treppenhalle gut vorstellbar«, so Tobias Krimmel.

Noch ein weiterer Krimmel am LLG?

Und dann ist da noch die niedrige Wand des Verwaltungsgebäudes zur Seite des Nordstadtzentrums hin. Den historischen Architekturfotografien kann man entnehmen, dass auch dort ein Wandmosaik war. Ein vorbeikommender Lehrer konnte sich recht genau erinnern, wann es verschwand, da es in seine Anfangszeit an der Schule fällt: 2006. »Vielleicht ist es unter der Wärmedämmung und dem neuen Verputz ja erhalten. Ich komme wieder nach Gießen, wenn es freigelegt wird«, lacht Tobias Krimmel zum Abschied. Das wäre ein wunderbarer Anlass, ohne Frage.

Das fotografische Ergebnis seines Gießen-Besuchs hat Tobias Krimmel ins Netz gestellt: https://flic.kr/s/aHsmVHzTMR. Eine wirklich beeindruckende Bilderschau, die dazu ermuntert, Kunst am Bau wertzuschätzen.

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