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Nikita (l.) und Maxim haben das Wandelnde Blatt ins Herz geschlossen.

Aktionstag "Insekten (er)leben"

Es kreucht und fleucht

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Gießen (csk). Zucker reicht. Mehr brauchen die Männchen nicht zum Leben. Ihre Weibchen sind deutlich anspruchsvoller. Es geht, na klar, um Mücken. Genauer: um die in den Tropen und Subtropen heimischen Gelbfiebermücken. Als Prof. Marc Schetelig am Samstag im Interdisziplinären Forschungszentrum (IFZ) der JLU über seine Forschungsobjekte spricht, wirken sie einen Moment lang relativ menschlich. In Wahrheit sind sie am Aktionstag "Insekten (er)leben" der Institute für Insektenbiotechnologie und Tierökologie ein Beispiel für Insekten als Gesundheitsrisiko. Ob Dengue, Zika oder andere Viren: Die Weibchen saugen nicht nur Blut - sie übertragen auch Krankheiten. Die in seinem Kasten seien aber virenfrei, verspricht Schetelig. Falls eine ausbüxt.

Neben Mücken kreuchen und fleuchen im IFZ etliche weitere Insekten live und in Farbe. Darunter sind heimische, etwa die Rote Gartenameise, und fremde wie das Wandelnde Blatt. Der Exot gehört zu den Gespenstschrecken und lebt in Südostasien - oder eben in Terrarien überall auf der Welt. Familie Renner hat das skurrile Tierchen ins Herz geschlossen. Kaum nimmt Mutter Swetlana es auf die Hand, trauen sich auch Mina, Nikita und Maxim näher heran. Am Ende fällt der Abschied schwer.

Mit dem erstmals ausgerichteten Aktionstag wolle man "Leute begeistern für Insekten", erklärt Martin Planke, der im Master Insektenbiotechnologie studiert. Als Nahrungsquelle sowie Bestäuber seien sie unverzichtbar. Und dennoch würden sie zunehmend bedroht, vor allem durch Gifte und die Zerstörung von Lebensräumen. Sichtbar macht das eine Sammlung der in Hessen ausgestorbenen oder gerade aussterbenden Tagfalter: Nur rund ein Drittel der Arten ist nicht gefährdet. Beinahe noch schlechter steht es um die amerikanischen Monarchfalter. Die Tiere, die im Raupenstadium Pflanzengifte aufnehmen und zur Verteidigung nutzen, wandern als Schmetterlinge zu Abermillionen von Nordamerika nach Mexiko. Mit ihnen verschwände ein Naturschauspiel. Abermillionen ist Stichwort für Schetelig. Neben Mücken erforscht er Mittelmeerfruchtfliegen. Wissenschaftler wollen Populationen durch "Sterile Insektentechnik" regulieren. Dabei werden unfruchtbare Männchen ausgebracht, um für weniger Nachwuchs zu sorgen.

Wie man Insekten fängt, erfahren die Besucher in der Dämmerung bei einer Lichtfang-Aktion. Nach Vorträgen und Exkursionen bildet sie den Abschluss des Aktionstages, der 2020 erneut stattfinden soll.

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