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An der Kongresshalle wird nicht mehr getestet.

Kreis schließt Testcenter an Kongresshalle

  • Marc Schäfer
    VonMarc Schäfer
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Gießen (pm/mac). Das Gesundheitsamt des Landkreises Gießen hat dem Corona-Testcenter in der Gießener Kongresshalle am gestrigen Mittwoch die Beauftragung entzogen. Damit dürfen dort keine weiteren Tests angeboten werden. Während einer nicht angekündigten Begehung durch das Gesundheitsamt wurden Mängel festgestellt. Das teilte der Landkreis am Mittwoch in einer Pressemitteilung mit.

»Der Betrieb entspricht nicht den Erfordernissen der 25. Allgemeinverfügung des Landkreises zur Beauftragung von Testcentern«, heißt es darin. Unter anderem habe anwesendes Personal keine Nachweise über die erforderliche Sachkenntnis zum Vornehmen der Tests sowie die dafür notwendigen Schulungen vorweisen können. Außerdem wurden weitere Mängel wie eine nicht vorhandene Kühlung der entnommenen Proben von PCR-Abstrichen festgestellt, sodass das Gesundheitsamt dem Betreiber, der MVZ Medical Care GmbH mit Sitz in Frankfurt, mit sofortiger Wirkung die Beauftragung entzog.

Entzug der Beauftragung

Laut eigener Homepage betreibt das MVZ insgesamt elf Testzentren in Hessen, die meisten davon in Südhessen. Laut Kreis-Sprecher Dirk Wingender kann der Betreiber nun auch keine neuen Teststätten im Landkreis Gießen eröffnen. Dies war bis zuletzt am Kreuzplatz geplant.

Bereits in den vergangenen Tagen war das Testcenter in der Kongresshalle in Verruf geraten, da die Staatsanwaltschaft gegen einen Mitarbeiter sowie gegen den lokalen Betreiber wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges ermittelt. Den 41 und 48 Jahre alten Männern wird vorgeworfen, (negative) gefälschte PCR-Testergebnisse übersandt und pro Test zu Unrecht 79,90 Euro verlangt zu haben. »Wir gehen inzwischen von 200 Fällen und einem Schaden von 16 000 Euro aus«, hatte Staatsanwalt Thomas Hauburger in der vergangenen Woche gesagt. Ebenso hatte er informiert, dass die Straftatbestände erweitert wurden. Neben gewerbsmäßigem Betrug werde nun auch wegen des Verdachts der Urkundenfälschung sowie der Fälschung beweiserheblicher Daten ermittelt. Beim gewerbsmäßigen Betrug liegt eine Mindeststrafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe vor. Die Höchststrafe beträgt 10 Jahre.

Der Mitarbeiter des Testcenters hatte das Versenden gefälschter Berichte gestanden. Ob der lokale Betreiber beteiligt war, ist nach wie vor Gegenstand der Ermittlungen. Zuletzt wies die Staatsanwaltschaft auf die Unschuldsvermutung hin.

Anhörung ergibt Widersprüche

»Nachdem die polizeilichen Ermittlungen sowie in Verbindung damit auch Hinweise auf Mängel bei Ablauf und Auswertungen der Test bekannt geworden waren, hat das Gesundheitsamt eine umfangreiche Anhörung zum Ablauf der Testungen eingeleitet. Diese hatte Widersprüche ergeben«, erklärt Kreis-Sprecher Wingender in der Pressemitteilung.

Eine schon früher stattgefundene Kontrolle des Testcenters durch das Gesundheitsamt habe damals allerdings noch keine Beanstandungen ergeben.

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