Party mit Abstand bei der letzten Nachttanzdemo. In den markierten Kreidekreisen dürfen maximal zehn Personen zusammen feiern. FOTO: CSK
+
Party mit Abstand bei der letzten Nachttanzdemo. In den markierten Kreidekreisen dürfen maximal zehn Personen zusammen feiern. FOTO: CSK

Kreidekreise als Kulturretter?

  • vonChristian Schneebeck
    schließen

Gießen(gl). Kulturveranstaltungen haben es in Zeiten der Corona-Pandemie unbestritten schwer. Hygiene- und Abstandsregeln sind einzuhalten, langfristige Planungen sind angesichts eines stets drohenden erneuten Lockdowns nur schwer möglich. Hier glauben die Veranstalter der Nachttanzdemo ein Konzept entdeckt zu haben, wie Kulturteilhabe trotz Corona leicht ermöglicht werden kann. In anderen Städten wird dies bereits praktiziert. Die Organisatoren um Alexander Vasil haben auf der Plattform Openpetition ein Gesuch an Gießens Oberbürgermeisterin eingestellt, das unter dem Schlagwort "Konzept Kreidekreise" aktuell bereits rund 200 Unterzeichner gefunden hat.

Mit dem Argument, bei der letzten Nachttanzdemo mit rund 1000 Teilnehmern habe man dies bereits "erfolgreich" praktiziert, lauten die Forderungen wie folgt: Die Anzeige einer "Versammlung unter freiem Himmel" für kulturelle und gesellschaftliche Darbietungen" soll durch das Ordnungsamt in einem vereinfachten Verfahren bearbeitet werden. So könne eine Veranstaltung "mit einem Minimum an Aufwand" stattfinden und bei schlechtem Wetter auch verschoben werden. Die für Versammlungen dieser Art vorgesehenen öffentlichen Flächen sollen von der Stadt nach Maßgabe des Gesundheitsamtes mit Kreidekreisen gemäß der Abstandsregeln versehen werden. Die Stadt soll weiterhin Stromzugang ermöglichen und den Strom als Sachmittel der kulturellen Förderung gewähren oder abrechnen. Auch Müllbehälter und Toilettenhäuschen seien aufzustellen. In Bezug auf Lärmschutz lautet die Idee: "Eine - temporäre - Verschiebung der Verschärfung der Grenzwerte von 22 Uhr auf 23 Uhr ist zu prüfen."

Aus dem Stadthaus heißt es, man werde die Vorschläge prüfen und sei aktuell noch in der Nachbereitung der Nachttanzdemo. Zuständig ist in erster Linie das Ordnungsamt. Und das dürfte einige Bedenken haben in Bezug auf die Einhaltung der Hygieneregeln, des Lärmschutzes und der Müllbeseitigung.

Distanz wahren

Denn nach Vorstellung der Organisatoren sollen pro "Kreidekreis" jeweils zehn angemeldete Personen innerhalb eines Durchmessers von dreieinhalb Metern "abstands- und maskenlos" feiern oder tanzen können. Die Distanz zu anderen Gruppen bleibe so gewahrt. Eine Person pro Kreis achte als Ordner, dass die Vorgaben eingehalten werden.

Die Stadt hatte allerdings bereits im Vorfeld deutlich gemacht, dass Veranstaltungen im Theaterpark, wie bei der Nachttanzdemo, kaum erlaubt werden. Vielleicht könnte man aber auf Flächen abseits der Innenstadt ausweichen; etwa das Open-Air-Gelände im Schiffenberger Tal oder auch den Schiffenberg?

Für Veranstaltungen in Sälen gelten strenge Besucherbeschränkungen. So sind beispielsweise im Hermann-Levi-Saal aktuell maximal 40/60 Personen zulässig. Einige Veranstalter, etwa die Musikschule und die Morus-Gemeinde, sind daher bereits auf Freiluftkonzerte umgestiegen. Der musikalische Sommer der Stadt als Open-Air-Angebot auf dem Schiffenberg wurde allerdings wegen Corona in diesem Jahr sogar komplett gestrichen. Und über alle dem schwebt die Frage, wie lange von Landesseite aus die jetzigen, vergleichsweise lockeren Pandemie-Beschränkungen angesichts steigender Corona-Zahlen aufrechterhalten werden. Zudem bleiben wohl nur noch wenige Wochen, an denen Open-Air-Veranstaltungen vom Wetter her durchführbar sind. Aber mit der Petition ist zumindest ein erster Schritt getan, nach Möglichkeiten zu suchen, wie die verbleibenden Wochen für Open-Air-Kultur genutzt werden können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare