Krankheiten trotz Corona nicht verschleppen

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Gießen (pm). Die Zahlen einer Gießener Studie aus der Klinik für Kardiologie ließen aufhorchen: Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 starben in Hessen zwölf Prozent mehr Menschen an Herzversagen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Sorge, sich in der Klinik mit dem Coronavirus anzustecken, die allgemeine Empfehlung, möglichst zu Hause zu bleiben, oder auch die persönlichen Gedanken, das Gesundheitssystem mit den eigenen Beschwerden in der Pandemie nicht zusätzlich belasten zu wollen, all das könnten Gründe dafür sein, dass deutlich weniger Patienten zur Behandlung ins Uniklinikum Gießen kamen.

Dieser Trend hält leider an.

Das Uniklinikum appelliert deshalb nochmals: »Nehmen Sie Symptome für Herzerkrankungen ernst und lassen Sie diese immer zeitnah ärztlich abklären«, sagt Prof. Holger Nef, der stellvertretende Direktor der Klinik für Kardiologie und Leiter der Studie. »Diese Entwicklung aus dem Vorjahr soll und darf sich nicht wiederholen, aber wir sehen auch jetzt wieder, dass einige Patienten ihre Untersuchungen abgesagt haben, obgleich wir ausreichend Kapazitäten zur Verfügung haben, um sie bestmöglich und sicher zu behandeln.«

Die Mediziner beobachten nicht nur in der Kardiologie, sondern auch in anderen Disziplinen der Klinik eine gewisse Zurückhaltung aufseiten der Patienten, insbesondere bei ambulanten Terminen.

»Alle Gießener Kliniken behandeln Covid-19-Patienten und haben sich mit hohen Sicherheitsstandards gut gerüstet, auch das Uniklinikum, das binnen eines Jahres über 1100 Patienten mit dieser Erkrankung versorgte«, sagt Prof. Werner Seeger, der Ärztliche Geschäftsführer im Universitätsklinikum Gießen. Die Pandemie stellt keinen Grund dar, Kliniken zu meiden. Gerade bei chronischen Erkrankungen sei es nicht ratsam, vereinbarte ambulante Termine hinauszuschieben.

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