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Die Krankenhaushygieniker Dennis Albert (l.) und Doreen Ziedorn planen anhand der Bau- und Lagepläne des Klinikums u.a. auch die Umwandlung von Normalstationen in Covid-Stationen unter Berücksichtigung einer besonderen Wegeführung oder auch der Aufzugsnutzung.

Corona-Pandemie

Krieg den Keimen am Uni-Klinikum Gießen: So arbeiten die Krankenhaushygieniker

  • Marc Schäfer
    VonMarc Schäfer
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In der Pandemie gibt es nicht nur auf den Corona-Stationen des Gießener Uni-Klinikums viel zu tun. Sars-CoV-2 bestimmt derzeit auch den Tagesablauf der Krankenhaushygieniker.

Gießen - Eigentlich arbeiten Doreen Ziedorn und Dennis Albert am Universitätsklinikum Gießen eher im Hintergrund. »Ich sage den Kollegen immer, es ist gut, wenn wir nichts voneinander hören. Ich melde mich, wenn es Probleme gibt«, sagt Ziedorn. Sie lacht. Die beiden Mediziner sind als Hygieneärzte am Institut für Hygiene und Umweltmedizin beschäftigt und sorgen mit neun Hygienefachkräften dafür, dass am UKGM zu jeder Zeit und in jedem Fall die Vorgaben eingehalten werden, die die Aufsichtsbehörden in Sachen Hygiene an die Klinik stellen.

Das Aufgabengebiet der Krankenhaushygiene ist breit: Es reicht von der Beratung der Geschäftsführung über die Erstellung und ständige Aktualisierung des Hygieneplans, von regelmäßigen Begehungen der Kliniksbereiche über Mitarbeiterschulungen bis zur Beratung bei Baumaßnahmen oder der Sammlung und Aufbereitung epidemiologischer Daten. »Wir kümmern uns hinter den Kulissen darum, dass der Regelbetrieb gut funktionieren kann«, fasst Albert den Job zusammen. Dazu müssen die Hygieniker in jeder Fachdisziplin auf dem neuesten Stand sein und jeden Ablauf einer medizinischen Behandlung bis ins Detail kennen. Das Studium und Durchdringen von Vorgaben, Richtlinien und Studien, die sich mit Hygiene und Infektionen beschäftigen, gehört ebenso dazu wie die Teilnahme an Visiten auf den Intensivstationen, um dort in der Therapie die Entwicklung von multiresistenten Erregern bei den Patienten zu verhindern.

Krankenhaushygieniker am Uni-Klinikum Gießen: Ziel ist es, Infektionen zu vermeiden

Das oberste Ziel bei allen Tätigkeiten der Hygiene ist immer, die sogenannten Krankenhaus-Infektionen zu vermeiden. »Wir beraten und informieren, damit die Mitarbeiter ihre jeweilige Tätigkeit bestmöglich durchführen können und dabei das Risiko einer Infektion für sich und den Patienten so gering wie möglich halten«, berichtet Ziedorn. »Unser Bereich fängt schon bei der Bauplanung an, wenn es beispielsweise darum geht, neue Stationen zu planen oder zusammenzulegen.« Sind die Räume groß genug? Reicht die Lüftungskapazität dafür aus? Wie sieht es mit den Wasserleitungen aus? »Davon bekommt man als praktizierender Arzt in der Regel gar nichts mit«, sagt Albert.

Derzeit bestimmt allerdings die Corona-Pandemie den Tagesablauf der Hygieneärzte am UKGM, einem Corona-Schwerpunkt-Krankenhaus, in dem im vergangenen Dezember in der Spitze bis zu 120 Covid-Patienten gleichzeitig betreut werden mussten. »Zwar hört dadurch nicht alles andere auf, denn im Krankenhaus erworbene Infektionen gibt es ja weiterhin und somit auch die Präventionsmaßnahmen dagegen, aber Corona ist natürlich auch bei uns omnipräsent«, erzählt Albert.

Krankenhaushygieniker spielen am Uni-Klinikum Gießen in der Pandemie eine wichtige Rolle

Das ohnehin umfangreiche Aufgabengebiet der Abteilung ist in der Pandemie deutlich größer geworden. Die Bearbeitung von Corona-Befunden, die Beratung der verunsicherten Mitarbeiter, aber auch die Anstrengungen, die ständig neuen Verordnungen umzusetzen und mit den vielen neuen Erkenntnissen über das Virus Schritt zu halten, verlangt dem Team einiges ab. Nebenher betreuen sie noch die interne Corona-Hotline.

Zeitaufwändig ist vor allem die Beratung des Personals, das von Anfang an in großer Sorge vor Ansteckungen gearbeitet habe, sagt Ziedorn. Um der Nachfrage bei 5000 Mitarbeitern überhaupt gerecht werden zu können, haben die Hygieneärzte in den ersten Wochen der Pandemie zusammen mit Kollegen der Klinik für Anästhesie Schulungsvideos gedreht, in denen sie das richtige An- und Ablegen der Schutzkleidung thematisieren oder erklären, wie man möglichst kontaminationsarm intubiert. Die Mitarbeiter könnten das natürlich, aber durch die große Verunsicherung seien doch immer wieder Fragen aufgetaucht.

»Mein Eindruck ist, dass uns das Jahr näher an das Personal herangebracht hat. Wir sind nicht mehr die, die mit erhobenem Zeigefinger durch die Stationen laufen und auf die Einhaltung aller Regeln pochen, sondern die, die unterstützen und beraten, um den Alltag hinzubekommen«, sagt Ziedorn. Ein schöner Nebeneffekt der Krise.

Krankenhaushygieniker am Uni-Klinikum Gießen wollen „viele für Fach begeistern“

Ihr Expertenwissen, neue Informationen und Empfehlungen tragen die Krankenhaushygieniker in die verschiedenen Gremien. Am Klinikum sind sie daher auch in den Sitzungen des Krisenstabs ständig gefragt. Für Ziedorn ist das nicht verwunderlich. Ganz im Gegenteil. »Grundsätzlich sind Krankenhaushygieniker in Krisensituationen mit Infektionserkrankungen wichtige Partner für alle Klinikabteilungen. Immerhin geht es um Übertragungen, die wir vermeiden wollen«, sagt die 40-Jährige. »Genau das ist unser Job«. Dass ihr vielseitiger Beruf in der Pandemie sichtbarer wird, ist für Albert ein willkommenes Signal an den Nachwuchs. »Es ist die Chance, dass junge Kollegen einen Eindruck bekommen, wie spannend unsere Arbeit ist. Wir würden uns freuen, wenn sich dadurch viele für das Fach begeistern würden«; sagt er. Derzeit fehlen Hygieneärzte an allen Ecken und Enden.

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