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Freie Betten warten in den Krankenhäusern auf Corona-Patienten. SYMBOLFOTO: DPA

Corona-Krise

Krankenhäuser in Gießen schaffen Platz für Corona

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Alle drei Gießener Krankenhäuser bereiten sich derzeit intensiv auf eine Welle von Corona-Kranke vor. Aber auch andere Patienten dürfen nicht vernachlässigt werden. Ein Spagat.

Gießen(kw). Seit Wochen bereiten sich die Krankenhäuser auch in Gießen auf eine Welle von Corona-Patienten vor. Nun wird es ernst. Am Uniklinikum wurde am Donnerstag der erste Infizierte auf der Intensivstation aufgenommen.

Bilder aus Italien wecken Ängste

Das St. Josefs-Krankenhaus begann am selben Tag, Patienten frühestmöglich zu entlassen. Auch am "EV" laufen die Vorbereitungen. Sprecher aller drei Häuser berichten auf GAZ-Anfrage von "hochmotiviertem" Personal.

Das St. Josefs-Krankenhaus Balserische Stiftung habe sämtliche geplante Operationen abgesagt, erläutert Geschäftsführer Andreas Leipert. "Dadurch wird unser Personal entlastet und kann sich auf Notfallpatienten konzentrieren." Sehr engagiert richteten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Befürchtung ein, dass bald eine große Anzahl Patienten zeitgleich behandelt werden muss. "Dafür bin ich sehr dankbar. Wir haben eine gute Truppe!"

"Natürlich haben auch unsere Mitarbeiter Sorgen in dieser außergewöhnlichen Situation", sagt Christine Bode, Sprecherin des Uniklinikums Gießen und Marburg. In Gesprächen über eine interne Hotline "erleben wir insgesamt einen verantwortungsvollen und anpackenden Umgang" mit der Herausforderung, alle Patienten gut zu versorgen.

Alle - darauf legt das UKGM besonderen Wert. Auf die häufig gestellte Frage, warum man "planbare" Operationen nicht absagt, reagiert der Ärztliche Geschäftsführer spürbar gereizt. Natürlich müsse und wolle das Klinikum Coronavirus-Patienten "so gut es eben geht versorgen", betont Prof. Werner Seeger. Dafür sei gerade Gießen mit seinen renommierten Lungen- und Infektionsforschern bestmöglich vorbereitet. "Aber wir sind auch den Patienten verpflichtet, deren Behandlung uns bereits obliegt." Ein "planbarer" sei keineswegs ein überflüssiger Krankenhausaufenthalt. Es könne um die Vermeidung bleibender Schäden gehen, ja um Leben und Tod, etwa bei der Transplantationsvorbereitung eines Lungenkranken.

Alle drei Krankenhäuser werben aktuell (wie berichtet) um freiwillige Helfer. Für das feste Personal haben die Behörden verlängerte Dienstzeiten erlaubt. Am Uniklinikum würden diese Möglichkeiten geprüft, aber noch nicht angewendet, so Sprecher Frank Steibli. "Es gelten weiterhin unsere Tarifverträge." Mitarbeiter, die selbst infiziert sein könnten, würden entsprechend den Vorgaben des Robert-Koch-Institutes getestet.

"Das Teamgefühl ist stärker denn je, die Zusammenarbeit großartig", berichtet Sprecherin Paulina Schnick vom Agaplesion Evangelisches Krankenhaus. Natürlich gebe es auch Ängste, etwa angesichts der erschütternden Bilder von Sterbenden in Italien. Darüber werde offen gesprochen.

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