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Vandalen unterwegs

Kraftprobe um Weg am Gießener Waldstadion

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Es ist eine bizarre Kraftprobe um einen Weg am Waldstadion. Der Abriegelung des Sportinstituts wird immer wieder mit roher Gewalt begegnet. Nun hat die Universität Strafanzeige gestellt.

Als nächstes werden sie wohl eine Mauer bauen", sagt die ältere Spaziergängerin und fügt schmunzelnd hinzu: "Wie der Trump." Für Gießener, die regelmäßig den Fuß- und Radweg benutzen, der von der Grünberger Straße vorbei am Waldstadion zum Fasanenweg führt, ist es jedes Mal ein spannender Moment, wenn sie an der Stelle vorbeikommen, an der ein Weg ins Gelände des runderneuerten Sportinstituts der Universität abzweigt. Ist das Tor noch zu? Oder haben die Eisenbieger wieder zugeschlagen?

Seit über einem Jahr liefern sich die Liegenschaftsverwaltung der Uni und unbekannte Vandalen hier eine Kraftprobe. Im Herbst 2018 wurde der Weg plötzlich mit Bauzäunen verschlossen. "Die Sperrung ist keinesfalls nur vorübergehend, sondern dauerhaft. Es handelt sich um einen unbeleuchteten Trampelpfad, der nicht gepflegt wird und der bereits vor Monaten aus Sicherheitsgründen abgesperrt wurde", erklärte die Uni damals. Ein östlicher Eingang zu den Sportanlagen sei nicht vorgesehen.

Es dauerte nicht lange, da waren die Bauzäune aufgebogen und die Vorhängeschlösser geknackt. Die Hausmeister errichteten eine neue Barrikade, aber auch die wurde gestürmt. Die Uni rüstete nach; eines Tages war der Weg mit einem abschließbaren Stahltor blockiert. Es half nichts: Auch diese Sperre wurde ausgehebelt. Über mehrere Monate war der Weg im Frühjahr und Sommer dann wieder begehbar, ehe zwei Fundamente aus Beton gegossen wurden, um darin das Stahltor zu verankern. Am vergangenen Wochenende lag die Sperre wieder darnieder. Unbekannte hatten die eine Seite des Tors aus den Angeln gehoben und aufgebogen, zentimeterdicke Stahlhalterungen brachen dabei entzwei. Jetzt ist das Tor mit Ketten gesichert worden.

Die Universität hat zudem eine strafrechtliche Konsequenz gezogen. "Nach wiederholter Sabotage der Bauzäune wurde im August ein massives Tor eingebaut. Auch dieses wurde in der vergangenen Woche aufgebrochen, woraufhin die JLU Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet hat", erklärte Uni-Sprecherin Lisa Dittrich.

Überlegungen, doch einen östlichen Zugang zum Sportinstitut zu ermöglichen, um Studierenden aus den Wohnheimen im Eichendorffring einen direkten Weg unter anderem zu den sehr gut besuchten Veranstaltungen des Allgemeinen Hochschulsports (AHS) zu ermöglichen, werden nicht angestellt. An dem Sachstand, dass der unbeleuchtete Trampelpfad aus Sicherheitsgründen gesperrt ist, habe sich nichts geändert. "Wir kommen damit auch entsprechenden Forderungen von Stadt und Polizei nach - insbesondere vor dem Hintergrund der verstärkten Nutzung des Waldstadions", erklärte Dittrich. Ein östlicher Eingang zu den Sportanlagen der JLU sei nicht vorgesehen; diese seien lediglich über den Zugang am Kugelberg zu erreichen.

VfB 1900 investierte 10 000 Euro

Für Sportstudierende und Teilnehmer an den Kursen des AHS, die im Eichendorffring wohnen, bedeutet das, dass sie lange Umwege über Licher und Grünberger Straße nehmen müssen. Dennoch glaubt die Uni nicht, dass die Täter unter den Studierenden zu suchen sind. "Wir haben aktuell keine Hinweise darauf, dass es sich bei den Personen, die den Weg trotz der Absperrung nutzen, mehrheitlich um Studierende handelt. Uns hat in den vergangenen zwölf Monaten keine einzige diesbezügliche Beschwerde von Studierenden erreicht", sagte Dittrich.

Der von der Universität als Trampelpfad bezeichnete Weg, an dem eine Lampe steht, war im November 2008 nach dem Bau des Kunstrasenplatzes von Mitgliedern des VfB 1900 Gießen mit einem Kostenaufwand von 10 000 Euro verbreitert und befestigt worden, damit die Studierenden nicht länger durch Morast zur Sporthalle am Kugelberg laufen müssen.

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