Es ist angerichtet: Der "Winterzauber an der Lahn" hat begonnen. FOTO: PM

Privat oder städtisch?

Kontroverse um Weihnachtsmärkte in Gießen

Solll die Stadt Gießen weiter den Weihnachtsmarkt in der Innenstadt subventionieren? Oder kann man den Markt privatisieren, wie es etwa der "Winterzauber an der Lahn" vormacht?

Gießen(mö). Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat den schönsten Weihnachtsmarkt im Land? Gießen sicherlich nicht. Aber nun könnte es hier zu einer Debatte kommen, welcher der beiden Gießener Märkte der schönere und stimmungsvollere ist: der offizielle in der Innenstadt oder der als "Winterzauber" firmierende an der Lahn, der heute öffnet? Vor dem Hintergrund der Debatte um die deutliche Erhöhung des städtischen Zuschusses für die Stadtmarketing Gießen GmbH (GiMa), die den Weihnachtsmarkt in der Innenstadt veranstaltet, kam es am Montagabend im parlamentarischen Hauptausschuss zu einer Kontroverse.

Dieser Zuschuss zum laufenden Betrieb der GiMa soll im kommenden Jahr von gut 500 000 Euro auf 700 000 Euro steigen. Die GiMa werde zu einem "Fass ohne Boden", kritisierte Michael Janitzki (Gießener Linke) und verwies auf den "Winterzauber an der Lahn": "Der zweite Weihnachtsmarkt kostet uns gar nichts." Den Zuschuss für den GiMa-Weihnachtsmarkt sollte man lieber für soziale Zwecke wie die bessere Bezahlung der Putzfrauen verwenden.

Dass ausgerechnet ein Linker für die Privatisierung des städtischen Weihnachtsmarkts plädierte, sorgte für Verwunderung im Regierungslager. Grünen-Fraktionschef Klaus-Dieter Grothe verwies auf das Beispiel Wetzlar. Dort sei der Weihnachtsmarkt an eine Agentur vergeben worden. Grothe: "Das ist jetzt eher ein winterliches Oktoberfest." Der für die GiMa zuständige Bürgermeister Peter Neidel (CDU) verwies auf den "Charme und den Charakter" des städtischen Weihnachtsmarktes, die bei einer reinen Kommerzialisierung auf der Strecke bleiben würden. Über die Entstehungsgeschichte des Weihnachtsmarkts an der Lahn legte der Magistrat auch am Montag den Mantel des Schweigens.

Genehmigt wurde der "Winterzauber"" dem Vernehmen nach vom Gartenamt, für das Grünen-Stadträtin Gerda Weigel-Greilich zuständig ist. Die GiMa und ihr Dezernent Neidel wollen davon nichts gewusst haben, auch im Magistrat soll der "Winterzauber" kein Thema gewesen sein. Zu den Merkwürdigkeiten gehört auch, dass sich im Veranstaltungskalender der Stadt bis zum Mittwoch kein Eintrag zum "Winterzauber an der Lahn" fand; womit die Stadt die Veranstaltung quasi ignoriert.

Janitzki will der Sache nun nachgehen und hat für die Parlamentssitzung am kommenden Donnerstag Fragen an den Magistrat gestellt.

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