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Corona-Warn-App hat jetzt eine Event-Funktion.

Kontaktverfolgung mit QR-Codes

  • vonSebastian Schmidt
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Gießen (seg). Bei städtischen Veranstaltungen und kommunalpolitischen Sitzungen wird in Zukunft die Event-Funktion der Corona-Warn-App (CW-App) zum Einsatz kommen. Das hat das neue Stadtparlament einstimmig in seiner ersten Sitzung auf einen Antrag der CDU hin beschlossen. Anstatt Papierlisten zur Kontaktverfolgung auszufüllen, können Veranstaltungsteilnehmer dann einen aushängenden QR-Code mit der Handy-App scannen.

Ob das die Anforderungen der Gesundheitsämter erfüllt, ist aber unklar.

Als die Gastronomie vergangenen Sommer offen war, lagen die Kundenlisten auf jedem Tisch. Auch bei Friseuren und im Einzelhandel müssen die Kunden ihre Daten hinterlegen. Denn wenn jemand corona-positiv getestet wird, sollen so Kontaktpersonen benachrichtigt werden.

Die Papierlisten sorgen aber für organisatorische Arbeit bei Unternehmern, und es kam immer wieder vor, dass Kunden in der Gastronomie Fantasie-Namen angaben. Was Kritikern auch nicht schmeckte: Die Polizei benutzte die Gästelisten in Ermittlungen.

Weniger Aufwand, mehr Datenschutz

Die CW-App verspricht mit einer neuen Funktion weniger Aufwand für Veranstalter und Gäste bei höherem Datenschutz. Das will sich auch die Stadt zu Nutzen machen: Vor einer Veranstaltung kann entweder in der App selbst oder auf der coronawarn.app-Webseite vom Organisator ein QR-Code erstellt werden. Teilnehmer scannen den aushängenden Code, um sich vor Ort anzumelden und wenn sie gehen, um sich wieder abzumelden. Wenn jemand später positiv getestet wird, kann er seine Infektion wie üblich über die App bekanntgeben. Aber jetzt nicht nur an Menschen, die in Reichweite des eigenen Handys gewesen sind, sondern auch an alle Personen, die zur gleichen Zeit an der gleichen Veranstaltung teilnahmen.

Auf Antrag der CDU soll die Stadt die App nicht nur selbst benutzen, sondern den Einsatz auch bei den Verantwortlichen des Einzelhandels oder der Gastronomie bewerben. Dabei ist unklar, ob die CW-App die Papierlisten überhaupt ersetzen kann. Da durch den hohen Datenschutz der App Kontaktpersonen zwar kontaktiert, aber nicht identifiziert werden können, bekommen die Gesundheitsämter auch keine Kontaktliste. Personen, die die App gar nicht nutzen, können so nur über Umwege informiert werden.

Zu den Papierlisten gibt es mit der Luca-App eine privatwirtschaftliche Alternative. Das Land Hessen hat mit dem Unternehmen bereits einen Vertrag geschlossen und alle Gesundheitsämter mit der Luca-App verknüpft. Experten des Chaos-Computer-Clubs kritisierten die Luca-App aber wegen Softwarefehlern und der zentralen Speicherung der Kontaktdaten.

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