Kongresshalle

Kongreshalle: Behutsam zu altem Glanz

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Der Architektenwettbewerb Kongresshalle ist entschieden. Offen bleibt eine seit Jahrzehnten diskutierte Frage. Ob, wie schnell und wie teuer der Entwurf umgesetzt wird, ist ebenfalls noch ungeklärt.

Einst tanzte sie hier beim Abschlussball. Jetzt hat Kristina Meurer die Kongresshalle gründlich studiert, gezeichnet und sich Gedanken über ihre Modernisierung gemacht. »Dabei habe ich mich richtig verliebt in das Gebäude«, erzählt die Architektin, die aus Pohlheim stammt und nun Mitinhaberin des Frankfurter Büros Meurer Generalplanung ist. Sie freut sich, dass sie dazu beitragen kann, den denkmalgeschützten Komplex »in den alten Glanz zurückzuversetzen«: Ihr Büro hat den hochkarätig besetzten Architekturwettbewerb Kongresshalle gewonnen.

Es sei zwar nicht ausgemacht, dass das Meurer-Modell eins zu eins umgesetzt wird, erklärte beim Pressegespräch Stadträtin Astrid Eibelshäuser (SPD) als Aufsichtsratsvorsitzende der Stadthallen GmbH. Zunächst sei eine politische und öffentliche Debatte nötig sowie laut Vergabeverordnung ein so genanntes Verhandlungsverfahren mit den Preisträgern. Doch sie sehe den Entwurf als gute Grundlage für das weitere Vorgehen. Wie schnell er realisierbar wäre, sei völlig offen. Klar sei: Die Stadt könnte einen Umbau nur abschnittsweise finanzieren.

Als "Bürgerhaus" eröffnet

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (SPD) skizzierte den Hintergrund des Wettbewerbs. Das 1966 eröffnete »Bügerhaus« des renommierten schwedischen Architekten Sven Markelius verdiene Wertschätzung, müsse aber weiterentwickelt werden. Beispielsweise benötigen moderne Kongresse mehr kleinere Tagungsräume, und die Gaststätte steht seit fünf Jahren leer.

Einvernehmlich habe das Preisgericht im anonymen Verfahren den Sieger gekürt, betonte Prof. Jörn Walter, Stadtplaner aus Hamburg und Vorsitzender der Jury. Sie war mit 24 Personen besetzt, darunter Vertreter von Behörden, Stadtpolitik, Hochschulen und Wirtschaft. Kristina und Prof. Thomas Meurer hätten unter anderem durch ihre Zurückhaltung überzeugt. In die Fassade greift ihr Entwurf nur sehr behutsam ein.

Besonders gut gelungen sei ihnen die Verbreiterung der Bühne im Saal – wegen einer Kernstütze, die als Säule darauf stehen bleiben muss, verzichteten einige Mitbewerber darauf – und die Nutzung des Untergeschosses. An Stelle der brach liegenden Kegelbahn sollen Besprechungsräume gebaut werden. Der offene Innenhof bleibt in ihrem Entwurf erhalten, die Galeriesitution des KiZ (Kunst im Zentrum, früher Stadtbibliothek) ebenso.

Kein Votum zum Hotel

Offen lässt der Siegerentwurf die seit Jahrzehnten diskutierte Frage nach einem ergänzenden Hotel. Das Modell bietet einen Anbau an, der sich abnehmen lässt. Auch die Experten hätten darauf keine eindeutige Antwort gefunden, sagte Walter. Ob ein Hotel oder eine anders genutzte Ergänzung sinnvoll und realisierbar ist, müsse nun unter anderem die Politik entscheiden. Problematisch wären Zufahrt und Parken.

Falls man sich für ein Hotel entscheidet, sollte man sich architektonisch am Meurer-Entwurf orientieren. Er sieht einen siebenstöckigen, nicht zu breiten Riegel entlang der Wieseck vor. Die Fassade würde hochwertig wie die der Kongresshalle gestaltet.

Breitere Bühne, mehr Tagungsräume

Zusatzinfo

Modelle ab Montag ausgestellt

Ab Montag, 1. Oktober, bis zum 12. Oktober können Interessierte alle Entwürfe in einer Ausstellung in der Alten Kunsthalle in der Kongresshalle besichtigen. Sie ist an Wochentagen von 8 bis 16 Uhr geöffnet, donnerstags bis 18, freitags bis 12 Uhr; samstags von 10 bis 18, sonntags 10 bis 14 Uhr.

Um den Eindruck eines Ensembles »aus einem Guss« zu erreichen, sollte man die Steine dafür in der richtigen Farbe eigens brennen lassen, erläuterte Prof. Thomas Meurer. Der Architekt und Stadtplaner nannte es für die Baukultur »hervorragend, dass eine Stadt wie Gießen einen solchen Wettbewerb ausschreibt«. Betreut wurde er vom Frankfurter Büro Goedeking.

17 Büros aus ganz Deutschland hatten sich in der ersten Phase beworben, acht wurden für die zweite Phase ausgewählt. Den zweiten Platz belegte schließlich die PFP Planungs GmbH Hamburg, gefolgt von den Architekturbüros Kister Scheithauer Gross (Kön) und HPP (Leipzig). Die Stadt vergab Preisgelder in Höhe von insgesamt 77 000 Euro, die acht Teilnehmer der zweiten Phase erhielten je 4700 Euro Bearbeitungshonorar.

Nun ist die Stadtpolitik am Zug. Der Wettbewerb sei ein wichtiger Schritt gewesen, sagte Thiemo Roth (CDU), stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Stadthallen GmbH. Man habe nun eine klarere Vorstellung, »wie man das alte Schlachtross Kongresshalle wieder flott machen kann«.

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