bei_Scooter_Skatepark_Wi_4c
+
Der Skatepark in der Wieseckaue wird von vielen jüngeren Scooter-Fahrern genutzt - was immer wieder zu Konflikten auch mit deren Eltern führt.

Verletzungsgefahr

Gießen: Konflikte um junge Scooter-Fahrer im Skatepark flammen auf

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
    schließen

Im Skatepark in der Wieseckaue wird es zuweilen voll. Unfälle und Streitigkeiten scheinen vorprogrammiert. Wie reagiert die Stadt Gießen?

Gießen – Sein Sohn habe einen schweren Bruch erlitten, weil ein Kleinkind unerwartet mit einem Roller auf den Skatepark gefahren war, und der Sohn ausweichen musste, erklärte kürzlich ein verärgerter Vater. Auf »ruhige Bitten und Hinweise« an die Eltern würden diese zudem zuweilen aggressiv reagieren. Die Konflikte sind bekannt. Sie flammten bereits kurz nach der Eröffnung des Skateparks in der Wieseckaue 2015 auf. Die Situation sei »leider deutschlandweit bei öffentlichen Skateparks festzustellen«, sagt Claudia Boje, Sprecherin der Stadt.

In der Corona-Pandemie hat sich die Frequenz auf der Anlage erhöht. Hinzu kommt der bevorstehende Sommer. Unfälle und Streitigkeiten sind vorprogrammiert. Völlig vermeiden lassen sie sich wohl nicht. Die Grundfrage aber, die sich stellt: Ist der Park eine Sportanlage oder ein Platz, auf dem sich alle tummeln dürfen, wie sie möchten? Ein fixes Regelwerk seitens der Stadt, die den Park betreibt, gibt es nicht. Die Stadt setze auf gegenseitiges Respektieren und Tolerieren, erklärte Boje schon 2015.

Stadt Gießen setzt bei Skatepark-Problemen auf Toleranz

In einem Frankfurter Skatepark wurde damals eine Altersgrenze ab acht Jahren eingeführt. Skater hatten sich dort teils sehr schwer verletzt, weil sie jungen Scooter-Fahrern ausweichen mussten. Zudem wurden die Reibereien zwischen Sportlern und Eltern immer schlimmer. Auch Gießen zog so eine Regel in Erwägung, dann verlief das Thema offenbar wieder im Sande.

»Ich bin kein Fan von Altersgrenzen«, sagt Jonas Kaletsch vom Skateboardverein Gießen, der die Skatelounge im Schiffenberger Tal betreibt. Er gesteht aber: »Bei Kleinkindern wird es schwierig.« Hier seien die Eltern gefordert, ihre Kinder aktiv zu begleiten und vorsichtig zu sein. »Es geht um Toleranz«, betont Kaletsch. Es sei nicht selten fehlende Einsicht der Eltern, die zu lautstarken Wortgefechten führt.

In der Skatelounge wie überhaupt überall sei das Rollen unter Skatern klar geregelt: »Einer fährt nach dem anderen, dann macht man schnell Platz für die nächsten.« Eine Art Skate-Knigge. Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit sind es, weswegen die Plätze eigentlich ohne Regelwerk funktionieren. Kinder verweilen dagegen oft auf den Bahnen oder lassen ihre Fahrgeräte liegen.

Gießen: Pumptrack mit extra Bereich für Kinder geplant

Ohnehin ist die Verletzungsgefahr beim Skaten hoch. Der Sport gilt als Extremsport. Die vor allem unter Jüngeren in Mode gekommenen Scooter möchte Kaletsch nicht ausschließen: »Unsere grundsätzliche Haltung im Verein ist, dass der Park für alle da ist. In der Skatelounge sind die Roller aber aus »technischen Gründen« verboten. Der Verschleiß in der Holz-Halle wäre zu massiv und teuer.

Der Druck auf die Anlage im Stadtpark werde mit zunehmenden Angeboten für Kinder nachlassen, hofft die Stadt. Dabei spiele die geplante Pumptrack-Strecke in der Wieseckaue eine »wichtige Rolle«, betont Boje. Dort ist ein extra Bereich für Kinder zwischen zwei und fünf Jahren fest eingeplant - für erste Bewegungs- und Rollerfahrungen.

Pumptracks sind Parkours mit kleinen Hügeln und Steilkurven speziell für Mountainbikes und BMX-Räder. Aus Erde modelliert gibt es solche bereits in der Weststadt und am Waldstadion. Der neue entsteht aus Beton - kann also auch von Skatern und Inline-Fahrern genutzt werden. Noch vor dem Beginn der Sommerferien am 19. Juli soll ein Beteiligungsverfahren für die weitere Planung stattfinden. Wenn alles ineinandergreife, könne die Anlage gegen Ende des Jahres stehen, informiert Boje. (bei)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare