Pfarrerin Iris Hartings bei der Einsegnung im Stadtpark. FOTO: PM
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Pfarrerin Iris Hartings bei der Einsegnung im Stadtpark. FOTO: PM

Konfirmationen unter freiem Himmel

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Gießen(pm). Zur ungewohnten Jahreszeit und unter ungewöhnlichen Corona-Bedingungen konfirmieren die evangelischen Kirchengemeinden in und um Gießen derzeit die 13- und 14-jährigen Jugendlichen.

Die Gesamtkirchengemeinde Gießen Nord etwa organisierte eine Bühne, stellte 160 Klapp-stühle auf und beschallte am Samstag und Sonntag den Stadtpark Wieseckaue. In vier Open-Air-Gottesdiensten an beiden Tagen wurden 36 Jugendliche eingesegnet.

Alle 26 Gemeinden im Evangelischen Dekanat Gießen feiern mit mehrmonatiger Verspätung, manche unter freiem Himmel, immer in kleinen Gruppen, mit großem Abstand und den üblichen Masken. "Wir haben bis zum letzten Moment gezittert, ob alles so wird, wie wir uns das vorgestellt haben", sagte die Wiesecker Pfarrerin Iris Hartings. Eine Konfirmandin musste noch am Freitag absagen, berichtete die zweite Wiesecker Pfarrerin Carolin Kalbhenn traurig. Wegen eines Corona-Falls an der Liebigschule habe sie stattdessen in Quarantäne gehen müssen.

Eine Konfirmantin muss in Quarantäne

Während des Lockdowns im Frühjahr war nicht absehbar, wann und unter welchen Bedingungen wieder gefahrlos Gottesdienst gefeiert werden kann. Die Konfirmationen wurden abgesagt. Bis zum Ende der Sommerferien war unsicher, ob der Ausweich-Termin im September zu halten sein würde.

Weil in vielen Kirchen in und um Gießen nach den geltenden Hygieneregeln bestenfalls drei Familien Platz gefunden hätten, spekulierten einige Gemeinden auf gutes Spätsommerwetter und planten Konfirmationen unter freiem Himmel. Diese Rechnung ging auf. Zwar war die Wiese am Schwanenteich bei den 11-Uhr-Gottesdiensten noch feucht und ließ die Jungen und Mädchen in der festlichen Kleidung und den schmucken Schuhen frösteln. Doch beim 14 Uhr-Gottesdienst zogen manche Väter schnell die Sakkos in der Wärme aus. Am Sonntag zuvor war die Allendorfer Pfarrerin Christine Specht mit ihren Konfis in den Nachbarort umgezogen. "Freundlicherweise hat uns die Gemeinde Kleinlinden ihre Kirche und ein Hygiene-Team zur Verfügung gestellt", berichtete die Pfarrerin.

Die Andreas- und die Wicherngemeinde im Gießener Osten konfirmieren am nächsten Wochenende in drei Gottesdiensten. Die Konfirmanden dürfen jeweils zwölf Personen mitbringen. Die musikalische Gestaltung unterliegt den gelten Corona-Regeln. Kein gemeinschaftlicher Gesang. Kleine Bands oder Solisten mit viel Abstand zur Gemeinde machen Musik.

In der zum Dekanat Gießen gehörenden Gemeinde Langgöns wurde der Kirchenchor per Videoaufzeichnung eingespielt.

Kirchenchor per Videoaufzeichnung

In dieser Gemeinde wurden nur fünf Konfis eingesegnet. "Alle anderen wünschen sich eine Konfirmation erst dann, wenn das Feiern mit allen Familienmitgliedern und Freunden möglich ist", sagt Pfarrer Achim Keßler. Auch in Großen-Linden ist das so. Der Unterricht für den neuen Konfirmanden-Jahrgang hat parallel dazu schon begonnen. Allerdings ist der Konfirmationstermin noch offen. Einsegnung zwischen Ostern und Himmelfahrt, diese Tradition hat Corona gebrochen.

Dass Jugendliche die Unberechenbarkeit und Abgründigkeit der Corona-Zeit spüren und sich nach Schutz sehnen, zeigt ihre Auswahl der biblischen Konfirmationssprüche. Eine Umfrage in den Gemeinden ergab den "Renner dieses Jahres", betont die Heuchelheimer Pfarrerin Cornelia Weber. Ganz oft ausgesucht wurde der Psalm: "Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen."

In der Wieseckaue predigte Pfarrerin Hartings, dass es keine Garantie für ein perfektes Leben geben könne. "Krisen gehören zum Leben, in diesem Jahr spüren wir das alle überdeutlich. Aber das Versprechen, dass Gott uns begleitet, gilt trotzdem", sagte die Pfarrerin vor der Einsegnung auf der Bühne. Mit der Konfirmation bestätigen die zumeist als Babys getauften Jungen und Mädchen, dass sie zur Gemeinschaft der Christen gehören wollen. Die Mitglieder-Statistik der Kirchen zeigt jedoch, dass längst nicht alle Jugendlichen nach der Konfirmation der Kirche dauerhaft verbunden bleiben. "Wir sehen das gelassen", sagte Pfarrerin Hartings. Das Entscheidende an diesem Tag sei der Segen und der Wunsch, dass die Jugendlichen behütet und beschützt durchs Leben gehen mögen.

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