+
David Szegedi (l.) von der Firma Mittelhessische Wohnen hat die Wand des ehemaligen Güterbahnhofs der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH mit ihrem Geschäftsführer Jens Ihle (r.) zur Verfügung gestellt. (Foto: Schepp)

Ausbaupläne

Kommt Jobcenter an den Bahnhof?

  • schließen

Auf der Westseite des Bahnhofs werden Wohnungen, ein Hotel und Büros gebaut. Unter anderem könnte dort auch die Hartz-IV-Behörde unterkommen.

Das Jobcenter für Stadt und Kreis könnte am Bahnhof gebaut werden. Die Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs sei eine von vier bis fünf, die für die Hartz-IV-Behörde in Frage kommt. Das sagte David Szegedi, Geschäftsführer der Firma Mittelhessische Wohnen. Sein Unternehmen baut derzeit das Wohngebiet jenseits der Gleise und plant neben dem Bürogebäude außerdem einen Drei-Sterne-Hotelturm und ein Parkhaus. Szegedi unterstreicht seine Bereitschaft, "einen großen Teil" der Kosten für die Verlängerung der Bahnhofs-Unterführung bis zur Lahnstraße beizutragen. Ob der Tunnel wirklich geöffnet wird, steht indes noch nicht fest.

Verfallende Abfertigungsgebäude, nicht mehr genutzte Schienen, eine Kleingartenanlage: "Unwirtlich" wirkte bisher die Umgebung des Bahnhofs, meint Szegedi. Wie in vielen anderen Städten werde auch in Gießen hier neu gebaut, denn eine solch verkehrsgünstige Lage gelte heute als sehr attraktiv. Ein Grund: Der Zugverkehr ist – zumal nach dem Wegfall nächtlicher Wartungsarbeiten – leiser und wird von vielen nicht mehr als so störend empfunden wie vor einigen Jahrzehnten. Ein anderer: Besserer Lärmschutz an Gebäuden. Die Mieter der bereits errichteten ersten Gebäuden zwischen Parkhaus und Stadtwerke-Domizil "hören nichts von der Bahn", so Szegedi, auch weil an dieser Seite Flure liegen.

"Quasi Vorstadt" für Frankfurt

Groß sei das Interesse an den 420 Wohnungen, von denen 200 fertig sind. Die Käufer der Ein-Zimmer-Appartements seien meist Gießener, die in der Immobilie ihr Geld anlegen wollen; die Mieter fast ausnahmslos Studenten.

Ebenfalls zahlreiche Interessenten seien denkbar für das Büro- und Dienstleistungsgebäude mit 8000 Quadratmetern Nutzfläche, das zwischen den Gleisen und dem geplanten Fernbusbahnhof an der Lahnstraße entstehen soll. Die Mittelhessische Wohnen GmbH gehöre zu den Bietern, die nach der EU-weiten Ausschreibung um das neue Jobcenter noch im Rennen sind, erklärt Szegedi. Falls seine Firma den Zuschlag bekommt, werde das Bürogebäude speziell dafür gebaut und dann komplett von der Behörde genutzt. Es gehe um einen Mietvertrag über 20 Jahre, die Entscheidung solle im April bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg fallen. In Frage kommt als Jobcenter-Standort unter anderem – wie berichtet – auch eine Fläche im ehemaligen US-Depot.

Sollte er in diesem Verfahren leer ausgehen, so werde das Gebäude dennoch Mieter finden. Das bestätigt Jens Ihle, Geschäftsführer der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH. Gießen sei durchaus eine Alternative für Firmen, denen die Büromieten in Frankfurt zu hoch sind. Wie "quasi Vorstadt" wirke die Lage für internationale Firmenvertreter, wenn sie die Entfernung zur Metropole oder zum Flughafen betrachten.

Vor allem für Geschäftsleute oder Wissenschaftler gedacht ist das 100-Betten-Hotel, das direkt neben bem Bürogebäude entstehen soll. Es könnte ein architektonischer Blickfang werden, deutet Szegedi an.

Die Verlängerung der Bahnhofsunterführung Richtung Westen wäre für die gesamte Bebauung wünschenswert – aber nicht unbedingt nötig. In einer Machbarkeitsstudie im Auftrag des Stadtplanungsamts, die vor acht Wochen vorgestellt wurde, war die Rede von etwa einer Million Euro Kosten, aufgeteilt auf die Stadt, die Mittelhessische Wohnen GmbH sowie die Bahntöchter Station&Service sowie DB BahnPark. "Alle sind dafür", so Szegedi. Die Verhandlungen um die Finanzierung seien allerdings zäh.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare