oli_ev4komfortstation_19_4c
+
EV-Geschäftsführer Sebastian Polag am neuen Empfang, der eher an ein Luxushotel und nicht an ein Krankenhaus erinnert.

Komfortzimmer im Krankenhaus

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
    schließen

80 Millionen Euro wurden in den vergangenen fünf Jahren am Evangelischen Krankenhaus Agaplesion investiert. In dieser Zeit wurde das 1978 erbaute EV »runderneuert« und erweitert. Es gibt jetzt sogar Komfortzimmer. Ein weiterer Bauabschnitt folgt. Wichtiger Meilenstein wird Ende Februar der Umzug der Klinik Elgershausen nach Gießen sein.

Noch haben die Handwerker viel zu tun im Seitenflügel des Evangelischen Krankenhauses, doch in einer Woche werden sie fertig sein. Am letzten Februar-Wochenende zieht nach jahrelangen Planungen die Klinik Waldhof Elgershausen nach Gießen. Die Schwesterklinik gehört als Fachabteilung für Pneumologie, Infektiologie, internistische Intensiv-, Beatmungs- und Schlafmedizin schon lange zum EV. Die Zusammenführung, betont Prof. Andreas Günther, sei ein folgerichtiger Schritt, der sowohl den Patienten als auch den Mitarbeitern zugute komme. Den Patienten, weil sie ein größeres Spektrum medizinischer Fachdisziplinen erwartet, das eine größere Interdisziplinarität verspricht, den Mitarbeitern, weil sich Einblicke in neue Fachbereiche und Weiterbildungsmöglichkeiten eröffnen. Günther ist seit 2009 Chefarzt der Pneumologischen Klinik Waldhof Elgershausen und seit 2012 zudem als Chefarzt der Medizinischen Klinik III/Lungenheilkunde und internistische Intensivmedizin am EV tätig. Der Internist, Pneumologe, Schlaf- und Intensivmediziner ist auch Professor für Innere Medizin an der Justus-Liebig-Universität; er ist zentral in die wissenschaftlichen Aktivitäten des Deutschen Zentrums für Lungenforschung des Gießener Lungenzentrums involviert.

Mit dem pneumologischen Bereich wird auch das Zentrum für Weaning nach Gießen ziehen, in dem die Entwöhnung der invasiven Beatmung praktiziert wird. Auf diesem Gebiet, schilderte Günther, gebe es einen großen Bedarf, aber bisher deutschlandweit wenige Spezialisten.

Seit 2014 wurde der Gebäudebestand des EV schrittweise saniert, aufgestockt und um einen Ergänzungsbau erweitert, erinnert Geschäftsführer Sebastian Polag. Der Löwenanteil der 80 Millionen Euro sind Agaplesion-Eigenmittel; das Land Hessen hatte 2015 25 Millionen beigesteuert. Das Krankenhaus auf der Hardt verfügt nun über 320 Betten, knapp 120 davon gehören zur Pneumologischen Klinik.

Ein Novum für das EV sind die sogenannten Komfortzimmer. Zwei Zweibettzimmer und 32 Einzelzimmer sind im gehobenen Standard konzipiert, sie gleichen schicken Hotelzimmern. Die Patienten, die dieses Angebot über ihre Privat- oder Zusatzversicherung bzw. als Selbstzahler in Anspruch nehmen möchten, haben mehr Platz und eine luxuriösere Ausstattung, zu der auch eine größere Speisenauswahl, ein Bademantel und ein Föhn gehören. »Die Privatversicherungen erwarten das von uns, zudem gibt es eine steigende Nachfrage«, erklärt Polag. Doch egal ob Luxus- oder Standardzimmer: »Die medizinische Versorgung ist für alle Patienten gleich«, versichert Günther, »die Art des Versichertenkärtchens spielt bei der Behandlung keine Rolle.« Dies entspreche den christlichen Grundwerten des Hauses und dem Ethos der Mediziner.

Abgeschlossen sind die Neuerungen am EV noch lange nicht. Das benachbarte Facharztzentrum wird erweitert, dort werden weitere Spezialisten und eine Apotheke einziehen. Zudem wird eines der beiden Parkdecks aufgestockt, 235 weitere Parkplätze werden geschaffen. Insgesamt stehen dann 610 Parkplätze zur Verfügung.

Pläne hat Agaplesion auch für die Jugendherberge, die unterhalb des EV-Geländes liegt. Da nach der Schließung die Möglichkeit besteht, das Anwesen von der Stadt zu kaufen, will das EV hier eine Kindertagesstätte für Betriebsangehörige sowie Mitarbeiterwohnraum schaffen. Und langfristig kann man sich einen Anbau an das Hospiz vorstellen. Das Haus erfreut sich großer Wertschätzung in der Bevölkerung; für die zehn Gästezimmer gibt es immer eine Warteliste. Da im Zuge einer Erweiterung der Garten kleiner würde, könnte man ihn in das idyllische Anwesen der Jugendherberge ausdehnen.

An Ideen für die Zukunft mangelt es nicht. Doch der nächste Schritt wird erst einmal der Mammut-Umzug sein. Er wird, erklärte Waldhof-Verwaltungsleiterin Carina Plitsch, seit Sommer 2020 geplant. 25 bis 40 Patienten werden einzeln in Rettungswagen nach Gießen gefahren, 22 Tonnen Akten werden den Standort wechseln, die digitale Integration der Daten muss klappen und vieles andere mehr. Plitsch: »Wir brauchen jede Menge Geduld und starke Nerven.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare