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Rund 800 Demonstranten ziehen am Tag der Arbeit mit Fahnen und Transparenten durch die Innenstadt.

Erster Mai

„Kohle statt Klatschen!“: 800 Demonstranten ziehen durch Gießener Innenstadt

  • VonChristian Schneebeck
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Hunderte Menschen haben am Samstag (01.05.2021) in Gießen für mehr Solidarität demonstriert.

Gießen – 800 Menschen folgten am Samstag dem Aufruf des Deutsche Gewerkschaftsbundes (DGB) und gingen zum Tag der Arbeit in der Gießener Innenstadt auf die Straße. Kundgebungen und Demozug standen dabei ganz im Zeichen der Coronakrise. Ob andauernde Kurzarbeit, chronisch überlastete Pflegekräfte, die ungewissen Perspektiven der Jugend oder eben die teils prekären Arbeitsumstände im Homeoffice: Kaum eine Pandemie-Folge berührte der Hauptredner, Klaus Zecher, nicht.

Außerdem lenkte der DGB-Kreisvorsitzende das Augenmerk auf ein Erstarken rechtsextremer Kräfte. »Niemand darf die Pandemie als Vorwand nehmen, um Demokratieverachtung, Verschwörungserzählungen, Antisemitismus, Rassismus oder Hass Gehör zu verschaffen«, betonte er. Eine »gefährliche Mischung«, unter anderem aus Reichsbürgern, Impfgegnern, »Esoterikern« und Teilen der AfD versuche hierzulande genau das. Weltweit hätten Rechtspopulisten in Regierungsverantwortung dagegen längst bewiesen, »wie unfähig sie sind«.

Wie man solidarisch durch die Krise komme, mache niemand deutlicher vor als die Gewerkschaften. So forderte Zecher zum Beispiel mehr Mitbestimmung für Arbeitnehmer in den Betrieben und umfassendere Investitionen in das Bildungssystem, gerade vor dem Hintergrund dortiger Corona-Folgen. »Kohle statt Klatschen!« müsse nicht nur in der Alten- und Krankenpflege die Devise lauten.

Demonstration in Gießen: Kritik an „Zwei-Klassen-Medizin“

Nach der Auftaktkundgebung zogen die Demonstranten mit Fahnen und Transparenten diverser Parteien, Organisationen und Gewerkschaften vom Kirchenplatz über die Walltorstraße, die Ost- und die Nordanlage, durch die Steinstraße zum Oswaldsgarten. Dort angekommen, heizte Jörg Bergstedt (Projektwerkstatt Saasen) weiter ein. »Mir geht es auf den Keks, dass viele Ökos die soziale Frage nicht berücksichtigen!«, schimpfte der Verkehrswende-Aktivist. Dabei gehörten Ökologie und Soziales »natürlich zusammen«. Die Politik müsse »endlich vom Kopf auf die Füße gestellt« werden, indem man das System als Ganzes betrachte, statt immerzu an »Teilproblemen« herumzudoktern, befand Bergstedt: »Innerhalb dieses Systems von Macht und Profit werden wir nicht vorwärts kommen!« Auf dem Kirchenplatz sprachen vor und nach der Demonstration außerdem noch Franceso Arman für den Verband der Sinti und Roma, Kristin Hügelschäfer vom AStA der JLU und im Namen weiterer Gewerkschaften Susanne Pitzer-Schild (Verdi), Malte Kornfeld (IG Metall) sowie Desiree Becker (GEW).

Nabor Keweloh, Mitglied im Aktionsbündnis »Gemeinsam für unser Klinikum«, beklagte schließlich eine »Zementierung der Zwei-Klassen-Medizin«. Namentlich brandmarkte er vor allem Caritas und Diakonie, die jüngst einen bundesweiten Tarifvertrag in der Altenpflege gekippt hatten. Bei Kewelohs Forderung nach einer 35-Stunden-Woche und früherer abschlagsfreier Rente für Pflegekräfte lagen Aktualität und Nach-Corona-Debatten wieder nah beieinander. Ähnlich ambivalent hatte Zecher die Auftaktkundgebung eingeleitet: »Diese Krise hat viele Missstände sichtbar gemacht.«(csk)

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