Ballettdirektor Tarek Assam, Prof. Burkhard Brosig und Bankdirektor Gerhard Jung freuen sich über die Kooperation. DKL
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Ballettdirektor Tarek Assam, Prof. Burkhard Brosig und Bankdirektor Gerhard Jung freuen sich über die Kooperation. DKL

Körperwahrnehmung im Tanz

  • vonDagmar Klein
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Gießen(dkl). Das KroKi-Projekt gehört zu den eher stillen in der Gießener Szene. Es geht um chronisch kranke Kinder, deren Lebensalltag sich durch Krankheitsdiagnosen plötzlich ändert, die nicht mehr so mitmachen können bei Bewegungsspielen und dem Sich-Ausprobieren der Gleichaltrigen. Schlimmer noch, sie misstrauen ihrem Körper, schränken sich womöglich mehr ein, als nötig ist. Und sie verbringen oft mehr als einmal eine längere Zeit in der Unikinderklinik, in der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychosomatik, die unter Leitung von Professor Burkhard Brosig steht.

Vor zehn Jahren konkretisierte sich seine Idee, diesen Kreislauf mithilfe von Tanz durchbrechen zu wollen - nach dem Vorbild von Pina Bausch. "Es geht nicht um herkömmliche Tanztherapie, die im Nachhinein auch wieder verbalisiert wird, sondern um einen therapiefreien Raum, in dem kreative Prozesse angestoßen werden, die die persönliche Entwicklung fördern", sagt Brosig.

Also sprach er Ballettdirektor Tarek Assam vom Stadttheater Gießen an, ob er sich eine Kooperation vorstellen könne. Dieser wiederum sprach mit der Tanzcompagnie (TCG), erklärte die Situation und fragte nach der Bereitschaft, mitzumachen. Ob sie bereit wären, "sich dieser gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen", wie er es formuliert. "Wir fragen jede Spielzeit neu, die Freiwilligkeit ist Voraussetzung, dass es funktioniert."

Auch für Tänzer belastend

"Wir waren am Anfang blauäugig, haben unterschätzt, wie belastend die Situation auch für unsere Tänzer werden kann, die oft nicht viel älter sind als die Jugendlichen." Also wurden die Rahmenbedingungen geändert. Es gibt zwei bis drei Projektblöcke im Jahr, die über vier Wochen laufen und unter Leitung von Paolo Fossa stehen, der als Trainingsleiter mit der TCG arbeitet. Die TCG-Mitglieder wechseln jede Woche, jeweils ein Mann und eine Frau. "Das ist gut so", erklärt Fossa, "denn es kommen jede Woche neue Impulse." Für ihn ist diese Arbeit so wichtig geworden, dass er in seiner Heimatstadt Düsseldorf nun auch einen KroKi-Verein ins Laufen bringt. Es ist tatsächlich der erste Ort, an dem die Idee aus Gießen nachgeahmt werden soll, hören die Beteiligten des Pressegesprächs mit Erstaunen. Doch wenn es so positiv im Ergebnis ist, warum haben nicht längst andere die Idee übernommen?

Den Faden nimmt Gerhard Jung auf, der als Commerzbank-Direktor der Region Mittel- und Nordhessen dieses Projekt kennenlernte und begeistert ist. "Als Vater weiß ich um die Sorgen, die man sich um Kinder macht. Jeder kann in eine solche Situation kommen. Von daher bin ich froh, dass wir das Projekt mit 5000 Euro unterstützen können." Brosig nimmt den Scheck strahlend entgegen, das hilft bei der Vereinsarbeit enorm. Doch es gilt weiterhin: Der "Förderverein chronisch kranke Kinder" mit Sitz in der Klinikstraße 36 freut sich über Spenden: www.krokiverein.de.

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