Die neue Yoga-Lehrerin Hannah Schacht beim Meditieren. FOTO: PM
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Die neue Yoga-Lehrerin Hannah Schacht beim Meditieren. FOTO: PM

Für Körper und Geist

  • vonSebastian Schmidt
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Yoga liegt im Trend. Ob auf Youtube, in der Volkshochschule, beim Uni-Sport oder in eigenen Studios: an der indischen Bewegungslehre führt kein Weg vorbei. Hannah Schacht hat gerade die Ausbildung als Yoga-Lehrerin abgeschlossen und erklärt, was hinter der Faszination steckt.

Die Kobra, der herabschauende Hunde und der Adler sind nicht die Neubesetzung der Bremer Stadtmusikanten, sondern Yoga-Übungen. 16 Menschen aus Gießen sollten diese Übungen jetzt aus dem Effeff können. Sie haben nämlich die Ausbildung zum Yoga-Lehrer oder zur Yoga-Lehrerin abgeschlossen. Eine davon ist die Kunst-Pädagogin Hannah Schacht. Sie erklärt, was Yoga überhaupt ist, und wie es Menschen auch in der Corona-Krise helfen kann.

"Yoga ist kein normaler Sport", stellt Schacht gleich zu Beginn klar. Natürlich gibt es beim Yoga Übungen für den Körper, und die können auch richtig anstrengend sein. "Aber Yoga geht tiefer. Wichtig ist, was ich bei den Übungen fühle." Deswegen müsse man sich bei den Übungen selbst beobachten - "achtsam sein". Auf der körperlichen Ebene sind die aus Indien stammenden Techniken gut für die Dehnung und trainieren unterschiedliche Muskelgruppen. "Mir hilft es bei meinen Rückenproblemen", sagt Schacht.

Auf der geistigen Ebene werde Yoga zur Lebenseinstellung: "Man lernt, wie man mit sich selbst spricht, wie man mit seinem Körper umgeht. Und wie mit anderen Menschen." Dabei helfen die Ruhe-Phasen am Ende des Yoga-Trainings. Dann liegt Schacht für zehn Minuten entspannt auf dem Boden und beobachtet, wie sich der Körper nach dem Training anfühlt und was für Gedanken in ihr aufsteigen. Das macht sie seit über 10 Jahren. "Ich habe schon zur Schulzeit mit Yoga angefangen." Heute trainiere sie jeden Morgen 30 Minuten, um in den Tag zu starten. "Das ist wie bei anderen Sportarten auch: Irgendwann bekommt man Glücksgefühle dabei."

Zu Yoga gehört auch die Lehre über Energiezentren im Körper, die "Chakren". Was ist, wenn sich jemand nicht auf diesen spirituellen Aspekt einlassen will? Ist Yoga dann nichts für denjenigen? Schacht sagt: "Doch". Yoga sei keine Religion, an die man glauben muss. Wichtig sei nur, dass man sich bei den Übungen selbst beobachtet. Ein Zitat, das ihr dazu einfällt: "Alles ist Yoga, solange man es nur bewusst macht." Und auch wenn die Dehnungsübungen zum Teil richtig schwer sind, stimme es nicht, dass nur trainierte Menschen Yoga machen können. Wenn die Pose nicht zu Hundertprozent sitzt, ist das egal. "Es sieht einfach bei jedem anders aus", sagt Schacht und lacht.

Schon im ersten Lockdown habe es ein großes Interesse an Yoga gegeben. "Zu der Zeit sind ganz viel neue Youtube-Videos und Online-Kurse erschienen." Praktisch für den Lockdown: Yoga kann man auch von zu Hause aus machen, und es braucht kein eigenes Sportgerät dafür. Schacht sagt, dass es einem durch die Achtsamkeitsübungen leichter fällt, mit der Corona-Situation umzugehen.

Inspirationsquelle für Kunst

Ihre Ausbildung zur Yoga-Lehrerin dauerte ein Jahr und bestand aus 200 Unterrichtsstunden. Sie habe sich absichtlich für einen längeren Lehrgang entschieden. "Eine Yoga-Lehrerin muss selbst reifen." In den Wochenendkursen gab es neben Übungen viel Theorie in Philosophie und Anatomie. "Wir haben zum Beispiel gelernt, welche Muskelpartien bei bestimmten Übungen beansprucht werden." Den Abschluss bildete eine Theorieprüfung und das Durchführen einer eigenen Unterrichtsstunde. Das "Anleiten" sei nicht so einfach, wie es aussieht. "Die Unterrichtsstunde will durchgeplant sein und ich muss die einzelnen Posen auch gut mit Worten erklären können."

Jetzt will Schacht selbst Yoga-Unterricht geben. Corona hat ihr aber vorläufig einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Ich wollte im November als Yoga-Lehrerin im Yogastudio OM anfangen. Wegen dem Lockdown hat das nicht geklappt." Sie hofft, dass sie den Kurs nach dem Lockdown geben kann. Auch ansonsten ist die Kunstpädagogin beruflich im Moment auf Yoga fokussiert: Sie hat sich mit dem Projekt "Yoga und Kunst" selbstständig gemacht (www.yogaundkunst.com). In ihren Kunst-Kursen zeigt sie den Teilnehmern, wie sie während des Yogas Inspirationen fürs Malen entdecken können. Sie habe durch diese Technik selbst erst gelernt, wie sie gerne Kunst macht. "Ich male lieber frei und intuitiv. Vorher habe ich das nicht so gemacht."

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