Per Knopfdruck und Livestream enthüllen Umweltministerin Priska Hinz und THM-Präsident Matthias Willems das Türschild am Hessischen Radonzentrum in der Wiesenstraße. FOTO: CSK
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Per Knopfdruck und Livestream enthüllen Umweltministerin Priska Hinz und THM-Präsident Matthias Willems das Türschild am Hessischen Radonzentrum in der Wiesenstraße. FOTO: CSK

Ein Knopfdruck für mehr Kompetenz

  • vonChristian Schneebeck
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Gießen(csk). Der Livestream sorgt für noch mehr Spannung. Kaum hat Priska Hinz (Grüne) den dicken schwarzen Knopf gedrückt, passiert - erst einmal gar nichts. Aus der Ferne eröffnen die hessische Umweltministerin und Prof. Matthias Willems, der Präsident der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), am Dienstag das neu gegründete Hessische Radonzentrum (HeRaZ), das an der Fachhochschule angesiedelt ist. Sie nutzen dafür coronagerecht den großen THM-Vorlesungssaal im ehemaligen Roxy-Kino, während das zu enthüllende Schild am Gebäude des Zentrums in der Wiesenstraße hängt.

Da hängt das Schild, dort hängt der Livestream. Die Spannung steigt - und löst sich erst, als das grüne Tuch aus dem Videobild verschwindet. Vor dem feierlichen Akt warten die Eröffnungsreden. Die Ministerin betont, wie wichtig Forschung und Information über Radon seien. Das natürliche radioaktive Edelgas entsteht durch den Zerfall von Uran im Boden und ist überall in der Luft enthalten. Übersteigt seine Konzentration einen kritischen Wert, was besonders in Gebäuden passieren kann, erhöht sich das Lungenkrebs-Risiko. Für Neubauten existieren deshalb mittlerweile Bauvorgaben, für Altbauten Sanierungsempfehlungen. Mit dem Strahlenschutzgesetz sowie einer Novelle der Strahlenschutzverordnung verpflichtete der Bund die Länder, bis Ende 2020 spezielle "Radonvorsorgegebiete" auszuweisen.

Dass das Edelgas in der Atemluft vorkomme, wüssten Experten schon seit geraumer Zeit, erklärt Hinz. Die davon ausgehende Gefahr sei allerdings lange unterschätzt worden. Wichtig sei nun, "das Bewusstsein der Menschen für das Thema zu wecken". Zu diesem Zweck bündele das vom hessischen Umweltministerium finanzierte Zentrum vorhandene Kompetenzen in Forschung und Beratung. Bei alldem genieße die THM stets ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung: "Sie sind am wissenschaftlichen Puls der Zeit."

Der geschäftsführende Leiter des HeRaZ, Till Kuske, hebt hervor, wie wenig in der breiten Öffentlichkeit über Radioaktivität und ihre Folgen bekannt sei. "Das ist quasi verbrannte Erde", sagt er mit Blick auf häufig angstbesetzte Reaktionen rund um das Stichwort Strahlung. Indes gehe es in Sachen Radon eben nicht um "Panik", sondern um "Handlungskompetenz". Diese wolle das Zentrum stärken, indem es Forschungsprojekte koordiniere und anschiebe sowie Messkampagnen, darunter die laufende zur Kartierung der Radonbodenluft in Hessen, betreue. Ferner bilde es Radonfachleute aus und informiere über Risiken und mögliche Maßnahmen, zum Beispiel bei Bauprojekten.

Forschungstechnisch an die Spitze

Einen kurzen Fachvortrag steuert schließlich Joachim Breckow bei. Hinsichtlich der "Radon-Aktivitätskonzentration" verortet der Professor für Medizinische Physik und Strahlenschutz Hessen im deutschen Mittelfeld. Forschungstechnisch müsse das Land hingegen den Anspruch haben, an der Spitze zu rangieren, meint der Vorsitzende der Strahlenschutzkommission, die das Bundesumweltministerium berät. Auch in Breckows Vortrag findet die allgemeine Unwissenheit über Radon am Ende ihren Platz - dank eines Ausschnitts aus einer ARD-Fernsehserie von 2014. "Man kriegt Kopfschmerzen und dauernd muss man pinkeln", klärt dort ein Protagonist den anderen auf.

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