Wolfgang Bellof und Helga Thomas vom Vorstand des Wiesecker Heimatvereins können jede Menge über die Fahnen der Wiesecker Vereine und die Knochen der Burschenschaftsstammtische erzählen. FOTO: SCHEPP
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Wolfgang Bellof und Helga Thomas vom Vorstand des Wiesecker Heimatvereins können jede Menge über die Fahnen der Wiesecker Vereine und die Knochen der Burschenschaftsstammtische erzählen. FOTO: SCHEPP

Von Knochen und Fahnen

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Der Heimatverein Wieseck gibt mit Ausstellungen im Heimatmuseum immer wieder Einblicke in das Wiesecker Leben - in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Thema diesmal sind die "Fahnen der Wiesecker Vereine".

Wenn früher Burschenschaftsversammlungen in Wieseck abgehalten wurden, dann mussten die Teilnehmer beim Ankommen und Weggehen auf einen der kunstvoll verzierten Rinderknochen, genauer ein Schulterblatt, über dem Stammtisch klopfen. Wer das vergaß, musste eine Runde ausgeben. Das ist nur eine der Geschichten, die Wolfgang Bellof und Helga Thomas vom Heimatverein Wieseck erzählen können, wenn am morgigen Sonntag im Heimatmuseum die neue Ausstellung "Fahnen der Wiesecker Vereine" eröffnet wird.

27 Burschenschaften und drei Mädchenschaften gab es in dem Ort, der heute als Gießener Stadtteil seine Traditionen pflegt. Nicht von allen konnten Fahnen und andere Utensilien zusammengetragen werden, denn von Edelweiß, Prost Gurgel und Sauf Ex sind die Fahnen verschollen, bei Feuchte Welle haben Mäuse das Vereinssymbol zernagt und die Burschen von Nasse Wolke wissen nicht mehr, wo ihre Fahne gelagert ist.

Doch auch so gibt die Ausstellung jede Menge Einblicke in die Traditionen solcher Vereinigungen. Zu sehen sind zwölf Originalfahnen, Fotos von 25 Fahnen von Burschenschaften, drei Fahnen von Mädchenschaften, zehn von Vereinen, zehn beschriftete Knochen für Stammtische und 13 Bierstiefel mit verschiedenen Emblemen. Und zu denen gibt es ebenfalls Wissenswertes: Wer sich in der Burschenschaft eine Verfehlung leistete, musste ein Rundentrinken überstehen. Bezahlen musste die dann der Vorletzte.

Zu sehen sind aber auch die Fahnen der Feuerwehr von 1923, des Gesangvereins Eintracht von 1895, der Sängervereinigung von 1872 und des Kegelclubs Gut Holz. Natürlich dürfen auch die Kegelclubs Vorwärts und Bahn frei, die SPD Wieseck, TSG und RV nicht fehlen. Auch der Kanuclub, der Nachbarschaftstreff und die Fünfzigervereinigung sind vertreten.

Eine Anekdote noch zum Schluss: Platzwart Holland zeigte sich in der NS-Zeit erfinderisch, um die Fahne der SPD Wieseck zu retten. Zum Schutz vor Entdeckung legte er die einfach unter seine Matratze und schlief darauf. Fahnen sind den Vereinen eben heilig und müssen besonders geschützt werden.

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