Knast statt 2000 Euro Extralohn

  • Guido Tamme
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Gießen (ta). Diese Kalkulation ging gründlich daneben: Für 2000 Euro hatte sich der Serbe bereiterklärt, mit seinem Lkw-Auflieger ein paar Zentner Marihuana bei drei Abnehmern abzuliefern. Aber weil die Übergabe zum Teil von der Polizei verfolgt wurde, kassierte der Berufskraftfahrer statt des Extralohns einen Transport in die U-Haft. Und so schnell wird der 44-Jährige auch nicht wieder in Freiheit kommen:

Staatsanwalt Eugen Schwegler beantragte am Montag eine Haftstrafe von vier Jahren.

Im Zuge ihrer Ermittlungen gegen einen Drogenhändler aus Mainz observierte die Polizei - wie bereits berichtet - im vergangenen Juni den Sattelzug einer Augsburger Spedition, als der Fahrer gegen 7.10 Uhr in Liederbach mit einem Komplizen einen Teil seiner Fracht auslud: Es waren 80 Kilo Marihuana, 2000 Ecstasy-Tabletten sowie 175 Gramm Heroin. In einer zweiten Charge wurden elf weitere Umzugskartons mit insgesamt 80 Kilo Marihuana übergeben. Die Fahrzeuge der einschlägig bekannten Empfänger wurden observiert und wenig später gestoppt.

Dem Lastzug folgte die Polizei eine Weile auf der Fahrt Richtung Dortmund, ehe sie den Lieferanten dingfest machte, als der auf dem Parkplatz Pfaffenpfad bei Lützellinden Pause machte. In dem Auflieger fanden die Beamten weitere zwölf Kartons mit 112 Kilo Marihuana. Der Fahrer und sein Komplize, der gesondert strafrechtlich verfolgt wird, wurden festgenommen. Seitdem sitzt der verheiratete Vater zweier Mädchen, der kein Wort Deutsch spricht, in der JVA Frankfurt ein.

Vor der 7. Großen Strafkammer am Landgericht Gießen war dem Serben vor allem wegen des Transports der 270 kg Marihuana der Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen zur Last gelegt worden. Bei der Verhandlung wurde daraus der Anklagevorwurf des Besitzes von Rauschgift und der Beihilfe zum Drogenhandel. Vorausgegangen war ein internes Rechtsgespräch mit allen Verfahrensbeteiligten. Dabei hatte Pflichtverteidiger Marius Maier eine Haftstrafe von bis zu dreieinhalb Jahren verlangt, weil sein Mandat nur Kurier gewesen sei. Kammervorsitzende Dr. Kathrin Exler machte daraus einen Verständigungsvorschlag mit Obergrenze von vier Jahren und zwei Monaten.

Der Angeklagte räumte vereinbarungsgemäß seine Tat ein, gab aber nicht den Namen seines Auftraggebers und den Ablauf der Frachtannahme bekannt. Das Urteil soll in zwei Wochen verkündet werden.

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