Klinikum: Mehr oder weniger Stellen?

Gießen (kw). 200 Stellen wurden seit Februar 2012 am Uniklinikum Gießen und Marburg abgebaut, zwei Drittel davon in Gießen. Diese Zahl nannte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Hanschur bei einer "aktiven Mittagspause" der Gewerkschaft Verdi im Foyer des Klinikum-Neubaus. Dem widersprach indes die UKGM-Geschäftsführung.

Im Laufe der letzten zwei Jahre sei unterm Strich sogar ein leichtes Personal-Plus entstanden, sagte Sprecher Frank Steibli. Wie angekündigt seien Stellen im administrativen Bereich abgebaut, zugleich aber zusätzliche bei Ärzten und Pflegern geschaffen worden. Wie die Geschäftsführung diese Zahlen berechnet, könne er nicht genau sagen. Laut dem Betriebsrat rechnet der Arbeitgeber auch die zahlreichen Überstunden in "Stellen" um. Steibli erklärte dazu, die Zahl der "Köpfe" variiere immer. Wegen der vielen Teilzeit-Mitarbeiter zähle man die rechnerischen Vollzeitstellen.

Laut Hanschur spricht auch ein stetiger Anstieg an Überlastungsanzeigen dafür, dass die Arbeit von immer weniger Menschen zu erledigen sei. Allein im vergangenen halben Jahr seien 90 dieser offiziellen Meldungen beim Betriebsrat eingegangen. Nun hoffen die Arbeitnehmervertreter, dass die Rhön-Klinikum AG das Geld aus dem Verkauf des Großteils ihrer Krankenhäuser unter anderem in bessere Arbeitsbedingungen steckt. Für den Verkauf von 40 Krankenhäusern an Fresenius werde die Rhön etwa drei Milliarden Euro erhalten.

Das UKGM mit seinen rund 9000 Beschäftigten werde in dem Konzern mit dann etwa 16 000 Mitarbeitern großes Gewicht haben. Dementsprechend hoffe der Betriebsrat Gehör zu finden. Er strebt einen Tarifvertrag zum Arbeits- und Gesundheitsschutz an, der unter anderem Personalmindeststandards und Erleichterungen für Ältere festlegen soll, so Hanschur.

"Ruhepausen in einem Raum ohne Telefon", "feste Schichten, weniger Verschiebeaktionen auf Station", immer wieder "weniger Überstunden" und vor allem "mehr Personal", "mehr Personal", "mehr Personal": So haben Bedienstete auf Verdi-Fragebögen ihre dringendsten Anliegen formuliert. Auszubildende wünschen sich mehr Praxisanleitung.

Von Überlastung betroffen seien inzwischen fast alle Bereiche, sagte Hanschur. Auch Einsparungen in Verwaltung oder bei Funktionsdiensten bekämen häufig letztlich Pfleger und Patienten zu spüren.

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