Gastronomie

Klimbim und Co.: Ein Gießener Kneipen-Urgestein hört auf

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Zu seinen Stationen gehören Haarlem, Scarabee, Zwibbel und seit 21 Jahren das Klimbim. Das Bierhaus im Riegelpfad ist Heinz Mohrs letzte Kneipe. Ende des Jahres hört der dann 72-Jährige auf.

Wenn es jemanden gibt, auf den der Begriff gastronomisches Urgestein zutrifft, dann ist es Heinz Mohr. 1965/66 hat er mit nicht einmal 20 Jahren als Türsteher im Haarlem begonnen, nach etlichen namhaften Stationen hat er im August 1997 das Klimbim übernommen. Zum Jahresende geht er endgültig von Bord. Aber keine Angst: Das Klimbim macht nicht zu. Mohr übergibt die Kneipe an der Ecke Riegelpfad/Ebelstraße an die "ST Gastro & Event GmbH".

Nach mehr als 50 Jahren in der Gießener Kneipenszene hat der Mann, der im November 72 Jahre alt wird und viel jünger aussieht, einiges zu erzählen. Zum Beispiel, dass er eigentlich mit ganz anderen beruflichen Zielen gestartet war. 1976 hat Heinz Mohr sein Studium der Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen. "Ich habe aber nie in dem Beruf gearbeitet." Daran war möglicherweise auch die Tatsache schuld, dass er den ein oder anderen gastronomischen "Sanierungsfall" wieder in die Erfolgsspur zurückgeführt hat. "Im Haarlem habe ich damals auf kommerzielle Musik umgestellt und die Drogenszene rausgeworfen" erinnert er sich an die frühen Siebziger, als er in den Musikkeller in der Schanzenstraße zurückgekehrt ist. Bis 1979 war er teilweise in drei Kneipen gleichzeitig als Geschäftsführer tätig: das Haarlem, den Billard Club (BC) im Erdgeschoss und das Scarabee im Riegelpfad.

Umsätze gingen durch die Decke

Als im April 1979 das Angebot kam, die Zwibbel zu übernehmen, musste Heinz Mohr nicht lange überlegen. "Der Biergarten im Sommer lief, im Winter war die Zwibbel tot", lautet seine Bestandsaufnahme für die damalige Zeit. Der Gastronom hat aus der Gastwirtschaft, die sich zur kalten Jahreszeit im Winterschlaf befand, eine Partykneipe gemacht. Und im Sommer war der Biergarten oft brechend voll – die Umsätze gingen durch die Decke.

Doch auch für einen versierten Kneipenwirt gibt es Durststrecken. Ein gastronomischer Abstecher nach Fort Myers in Florida dauerte nur sieben Monate. Und auch das Klimbim, das Heinz Mohr 1997 übernommen hat, lief nicht einfach so von selbst. "Am Anfang habe ich noch zwei bis drei Jobs nebenbei gehabt", erinnert er sich. Doch Heinz Mohr wäre nicht Heinz Mohr, wenn er das Klimbim nicht wieder zu einer Kneipe gemacht hätte, die vom Publikum angenommen wird. Rustikales Ambiente, eher rockige Musik und ein sauber gezapftes Pils ohne viel Schnickschnack gehören zum Erfolgsrezept.

"Ein Gast hat hier einmal ein Bananenweizen bestellt. Wir haben ihm dann ein Weizenbier und eine Banane serviert", unterstreicht der Wirt, was er von den Auswüchsen heutiger Systemgastronomie hält. In der Eckkneipe trifft sich alles und jeder – vom Studenten bis zum Rentner und vom Arbeitslosen bis zum Unternehmenschef. Auch die Speisekarte ist kompromisslos einfach: Es gibt Erdnüsse, Chips und Salzstangen.

Künftig muss Heinz Mohr sich umstellen. Vom Kneipenwirt, der beruflich vor allem abends und nachts unterwegs ist, zum Menschen, der sich in den Abendstunden Freizeitbeschäftigungen widmen und mit Freunden zum Schach oder Doppelkopf verabreden kann. Ein Aspekt der Freizeitgestaltung ist bei der Kneipenlegende auf jeden Fall gesetzt. "Es macht mir unheimlich viel Spaß, Opa zu sein", sagt Heinz Mohr und freut sich darauf, schon bald mehr Zeit für seine beiden Enkel zu haben.

Info

Ab Januar neuer Betreiber

Neues Jahr, neuer Besitzer: Ab Januar wird das Klimbim von der "ST Gastro & Event GmbH" übernommen, dahinter stecken Sascha Homfeld und Torsten Ströher. Die Gesellschaft betreibt in Gießen auch das Ritzis. Ströher ist zudem Inhaber des Apfelbaums. Wie Heinz Mohr im Gespräch berichtet, wollen die neuen Betreiber am bisherigen erfolgreichen Konzept des Klimbim auch in Zukunft festhalten.

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