Versuchsaufbau mit Ringstrukturen in Linden-Leihgestern. Durch Heizmatten und Schläuche können Temperatur und CO2-Gehalt der Luft verändert werden. FOTO: SCHEPP
+
Versuchsaufbau mit Ringstrukturen in Linden-Leihgestern. Durch Heizmatten und Schläuche können Temperatur und CO2-Gehalt der Luft verändert werden. FOTO: SCHEPP

Klimaforschung läuft weiter

  • vonSebastian Schmidt
    schließen

Gießen/Linden(seg). "Wir sehen uns als Stadt-Universität auch in der Verantwortung", sagt JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee. Es sei wichtig, zu untersuchen, welche Auswirkungen der global festgestellte Klimawandel für Gießen und die Region haben werde. Und genau diese Forschung läuft in Leihgestern. In der Umweltbeobachtungs- und Klimafolgenforschungsstation Linden (UKL) der Justus-Liebig-Universität wird die Auswirkung von Temperatur und CO 2 auf Grünflächen untersucht. Das Projekt hat jetzt eine Weiterförderung für die nächsten zehn Jahre durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLUNG) erhalten.

Forschungsprojekt ist Zeitmaschine

"100 000 Euro pro Jahr, also eine Millionen Euro insgesamt", beziffert Prof. Thomas Schmid, Präsident des HLUNG, die Fördersumme. Es sei wichtig, dass das Projekt diese Planungssicherheit erhalte, denn wir seien mitten im Klimawandel angekommen, sagt er und erklärt: "Wir werden uns anpassen müssen, auch wenn wir die Klimaziele erreichen." Das Forschungsprojekt solle dazu Antworten liefern. Es sei eine Zeitmaschine in der man die Auswirkungen einer veränderten Umwelt auf Pflanzen heute schon sichtbar machen könne.

Prof. Christoph Müller, Leiter der UKL, erklärt, was sie dort machen. Es gebe fünf Bereiche. Auf vier Bereichen stehe eine Ring-Struktur, auf einem nicht. Das diene als Kontrolle, ob alleine durch die Ringe Veränderungen auftreten. Alle Bereiche seien Grünflächen. Er erläutert: "Das heißt, wir pflanzen hier nichts an. Hier wächst, was hier eben wächst." Auch ein Bereich mit Ring sei ansonsten unverändert, er diene ebenfalls nur als Kontrolle.

Ein Ring sei mit Heizmatten ausgestattet. Der Wind, der an den Seiten hindurchströme, werde so erwärmt, dass die Luft-Temperatur in der Grünfläche 2 Grad höher sei, als normal. In einem weiteren Ring werde der Wind durch kleine Schläuche mit CO2 angereichert. Müller erläutert: "Wir steigern das Treibhausgas um 20 Prozent." Und in einem vierten Ring werden Temperatur und CO2 gleichzeitig erhöht. In dem Experiment werde dann untersucht, wie gut die Pflanzen in den unterschiedlichen Ringen wachsen.

In dem Vorgängerexperiment habe man gesehen, dass mehr CO2 zu einem gesteigertem Pflanzenwachstum führen kann. Das nennt man den CO2-Düngeeffekt. Müller sagt: "Das Problem dabei ist, dass die Qualität der Biomasse abnimmt." Die Kuh verwerte zum Beispiel Protein aus dem Gras. Das schlechtere Gras habe aber weniger Protein. Die Milchkuh müsse also mehr essen, um die gleiche Menge Milch zu erzeugen. Dann produziere die Kuh aber auch mehr Methan, da sie mehr Nahrung zu sich nehme. "In der Klimaforschung gibt es immer diese Interaktionseffekte, auf die man ein Auge haben muss", sagt der Fachmann.

Verlässliche Werte erst nach Jahren

Besonders sei bei ihrem Experiment die Dauer. "Wir brauchen sechs Jahre, bevor wir verlässliche Werte bekommen", sagt er. Davor könne es zu Schwankungen kommen. Das sei bei der Finanzierung ein Problem. "Ein normales Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft läuft nur drei Jahre." Dass es die Forschungsstation trotzdem seit 22 Jahren gibt, ist bemerkenswert. Das sieht auch Mukherjee so: "Was 1998 als schräg empfunden wurde, wirkt heute weitsichtig und prophetisch."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare