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Christian Preiss überprüft die Funktion der Klimaanlage auch in Büros - hier beim Herrenausstatter Köhler.

Hitzefolgen

Klimaanlagenbauer im Dauerstress

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Bei diesen Temperaturen klingelt das Telefon bei den Gießener Klimatechnikern Sturm. "Seit letztem Sommer machen wir eigentlich nichts anderes als Klimaanlagen nachrüsten", sagt Christian Preiss.

Ich benötige nur noch ein Aufgussmittel, dann kann ich euch in meinem Zimmer zur Sauna einladen". "Ich bin dafür, dass Hitze ein Grund für Mietminderung ist." Oder: "Ich habe in meiner Dachgeschosswohnung auf meinem Schreibtisch ein Spiegelei gemacht." In den sozialen Medien klagen die Gießener in diesen Tagen - zum Teil augenzwinkernd, zum Teil verzweifelt - über die große Hitze, die die Stadt und ihre Bewohner derzeit im Griff hat.

Keinen Grund zum Klagen haben indes die heimischen Kälte- und Klimaanlagenbauer. "An heißen Tagen klingelt das Telefon bei uns pausenlos", sagt Dirk Besemer, der Geschäftsführer der "SKB Kälte und Kühlanlagen GmbH & Co. KG" mit Sitz im Gewerbegebiet West. Auch sein Kollege Christian Preiss von "Preiss Kälte- und Klimatechnik" kann das bestätigten: "Wenn es heiß wird, steht das Telefon nicht still." Das Anliegen der Anrufer: Eine Klimaanlage einbauen - und das möglichst schnell.

"Ausgeschlossen", sagt Preiss. Momentan müssten sich Kunden, die eine Klimaanlage nachrüsten wollen, etwa acht Wochen gedulden. "Seit dem letzten heißen Sommer machen wir eigentlich nichts anderes, als Klimaanlagen zu montieren - häufig auch in privaten Häusern und Wohnungen", sagt Preiss. Bei durchschnittlichen Kosten von etwa 2000 bis 2500 Euro pro Raum - abhängig ist der Preis von der Raumgröße, der Leistung des Gerätes und des Montageaufwands - würden sich die meisten Kunden bloß für das Schlafzimmer entscheiden. "Wenn Geld keine so große Rolle spielt, wird gerne auch noch das Wohnzimmer genommen", erzählt der Fachmann, der in seinem Betrieb innerhalb der vergangenen zwölf Monate drei neue Mitarbeiter eingestellt hat. "Für unser Geschäft war der letzte Sommer natürlich gut."

Auch der Beratungsaufwand sei gestiegen. Preiss und Besemer empfehlen Interessierten, auf Split-Klimaanlagen zurückzugreifen und vom Gebrauch mobiler Monoblockgeräte, die schon ab rund 500 Euro im Baumarkt erhältlich sind, abzusehen.

Bis zu 2500 Euro pro Raum

"Das sind Stromfresser und Krachmacher. Der Nutzen ist gering", sagt Besemer. Diese Geräte, bei denen die heiße Luft über einen Abluftschlauch - zum Beispiel durch das Fenster - nach Außen befördert wird, seien maximal eine Notlösung, für den dauerhaften Gebrauch zum Beispiel im Schlafzimmer aber ungeeignet. Die Split-Klimaanlagen, die von einem zertifizierten Monteur installiert werden müssen, sind indes für den Dauerbetrieb gedacht. Laut Stiftung Warentest kühlen sie deutlich schneller als die mobilen Klimageräte und sind auch beim Stromverbrauch deutlich genügsamer. Mittlerweile - sagt Preiss - seien sie auch für den privaten Gebrauch preislich interessant. Als Fachbetrieb lehnt er es aber ab, solche Geräte zu montieren, die die Kunden vorher im Internet gekauft haben.

Der Gießener Ali Rashidi hat sich gerade eine Klimaanlage in seinem Wohnhaus nachrüsten lassen. "Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, auch in den heißen Nächten gut schlafen zu können", sagt Rashidi. "Und as ist mir das allemal wert." Er vergleicht die Klimaanlage in den vier Wänden mit Klimaanlagen in Autos. "Natürlich ging es früher auch ohne, heute findet man aber kaum noch ein Auto, in dem darauf verzichtet wird. So wird es in Zukunft auch bei uns mit Häusern und Wohnungen sein", glaubt der Gießener.

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