Klima, Kreativität und Corona

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Unter dem Motto "Die Dinos dachten auch, sie hätten noch Zeit" haben in dieser Spielzeit zahlreiche Jugendliche gemeinsam mit Profi-Coaches vom Stadttheater Projekte zum Klimawandel erarbeitet. Coronabedingt hatte sich die Arbeit im März ins Digitale verlagert. Die für Ostern geplante Projekt-Präsentation musste ausfallen. Wie bedauerlich das ist, zeigte nun eine Präsentation im Kreis der Beteiligten.

Nicht nur seit den "Fridays for Future"-Demonstrationen beschäftigen sich viele Jugendliche mit dem Thema Klimawandel. Sie machen sich einfach Sorgen um ihre Zukunft. Das Stadttheater hat einigen von ihnen die Chance geboten, ihre Sorgen und Ängste, ihre Mahnungen und Analysen auf für manche noch ungewohnt kreative Weise auszudrücken.

Das Projekt unter dem Titel "Die Dinosaurier dachten auch, sie hätten noch Zeit", mit Patrick Schimanski und Behzad Borhani als Projektleiter, hätte in den Osterferien mit einem Festival und der Aufführung verschiedener Formate ein echtes "Highlight" für die rund 80 Jugendlichen und auch die Beteiligten vom Stadttheater werden sollen. Doch dann kam Corona. Und statt Treffen im echten Leben mussten Meetings im Virtuellen organisiert werden. An Aufführungen vor größerem Publikum ist derzeit nicht zu denken.

In der Werkstattkirche trafen sich nun Jugendliche und Coaches, um im kleinen Kreis das vorzustellen, was trotz der schwierigen Umstände entstanden ist. "Eine kleine Präsentation unseres großen Projekts", wie Patrick Schimanski betont. Einiges davon werde wohl später auch einmal online "in kleinen Dosen" gezeigt werden können. Hoffentlich, denn das kreative Potenzial der Jugendlichen, von denen einige zum ersten Mal mit dem Theater in Berührung gekommen sind, ist beachtlich.

Kostüme aus Plastikmüll

So haben mehrere junge Teilnehmer in einer Greenbox vor Landschaftsaufnahmen spontan Statements formuliert. Die Freundinnen Alessia und Vicky haben sich gegenseitig zum Thema Klimawandel interviewt, Kara hat den Song "Come together" von den Beatles im Eminem-Style als Soundtrack vertont und Carolin Manga-Comics gezeichnet. Andere haben in selbst geschriebenen Texten voller Poesie ihre Gedanken zum Klimawandel formuliert ("Ist der Untergang bereits unbewusst akzeptiert?") oder auch gleich im Wald performt. In einem Workshop wurden für eine geplante Modenschau Kostüme aus Plastikmüll gefertigt, in einem anderen aus vielen Einzelbildern ein Poster der Erde zusammengefügt, das zeigt, dass bereits die Hälfte des Globus kurz vor dem Kollaps steht.

Vieles konnte jedoch wegen Corona zum allseitigen Bedauern nicht mehr umgesetzt werden: Tanzchoreografien, ein Re-Enactment der Bundespressekonferenz zum Klimapaket mit Slapstick-Einlagen, Theaterszenen mit Chorauftritten - all das war mit Videos nicht zu leisten.

Die Jugendlichen, darunter auch Schüler der Alexander von Humboldt Schule, der Brüder-Grimm-Schule oder auch aus den Jugendclubs des Theaters, haben mit ihrem Mitwirken selbst unter schwierigen Bedingungen gezeigt, wie groß ihr Hunger danach ist, sich mitzuteilen. Die professionellen Coaches aus allen Sparten - die Schauspieler Maximilian Schmidt, Sebastian Songin, die Choreografen Inga Schneidt und Abtin Afshar Ghotlie, Tanzdramaturg Johannes Bergmann, Musikpädagogin Masae Nomura und Tyjana Krumke vom Jugendclub des Stadttheaters - haben mit ihnen gemeinsam Möglichkeiten erarbeitet, dieses Bedürfnis zumindest ansatzweise zu stillen.

Und vielleicht geht es ja dem ein oder anderen so wie Nils. Der hatte zu Beginn noch gesagt, auf keinen Fall etwas auf einer Bühne vorführen zu wollen und wollte sich stattdessen als Technik-Kenner im Hintergrund halten. Er hat aber nun nicht nur den Dino-Server eingerichtet und virtuell zwei Dinos vor dem Stadttheater antanzen lassen, sondern auch in einem der Videos einen Klimawandelleugner gespielt.

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