"Ei horsche ma": Cordula Poos (an der Harfe), Dietrich Faber und Tess Wiley (auf der Treppe) begeistern ihr Publikum. FOTO: CSK
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"Ei horsche ma": Cordula Poos (an der Harfe), Dietrich Faber und Tess Wiley (auf der Treppe) begeistern ihr Publikum. FOTO: CSK

Ein Kleinod gegen Corona

  • vonChristian Schneebeck
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Gießen(csk). Ausnahmsweise liegt die Bühne diesmal gegenüber. Und anders als üblich handelt es sich auch nicht um einen Balkon, sondern um die überdachte Treppe vor der Haustür des Nachbarn. Aber das sind Details. Dem durchwachsenen Wetter zum Trotz ist bei Cordula Poos am frühen Sonntagabend im Großen und Ganzen alles wie immer: Mit dem nunmehr zwölften "Ei horsche ma"-Balkonkonzert lockt die Harfenistin wieder Dutzende begeisterte Gäste in ihren Garten. Zwischen Apfelbäumen und Blumenbeeten erleben sie eine Stunde lang Livemusik bei bester Laune. Dafür sorgen neben Poos auch Tess Wiley und Dietrich Faber. "Wenn Corona etwas Gutes hat, dann ist es, dass wir zu solchen Begegnungen zusammenkommen", sagt Letzterer einmal völlig zu Recht.

Drei Monate sind vergangen, seit Poos die Reihe ins Leben gerufen hat. Soeben hatte die Pandemie das Kulturleben lahmgelegt und unter anderem für unzählige Konzertabsagen gesorgt. Deutschlandweit riefen Musiker kurzerhand dazu auf, die Instrumente sonntags auf den Balkon zu stellen, um den Mitmenschen Mut zuzuspielen. Anfangs habe sie an der Liebigshöhe die Alleinunterhalterin gemacht, erzählt Poos. Recht bald sei jedoch die Idee entstanden, weitere Künstler als Verstärkung einzuladen. Etliche Kollegen haben mittlerweile mit Poos auf dem Balkon musiziert. Auch ein Stammpublikum existiert längst, jedes Konzert wird auf Youtube gestreamt.

Oberhessischer Knallkopf dabei

Am Sonntag bereitet diese Übertragung zunächst Probleme. Den Auftaktsong schmettern Poos, Wiley und Faber also direkt noch einmal. Danach entert kein Geringerer als Manni "The Cruiser" Kreutzer die improvisierte Gartenbühne. Fabers oberhessischer Knallkopf mausert sich zu einem Highlight der Show. Gedanklich schon irgendwo auf der Route 66 in Texas, mit der Mundart aber noch ganz tief im Vogelsberg, macht er mindestens so unverdrossen wie unverfroren "aus Minus Blues". Weiter führt sein Text in die Stoffabteilung eines schwedischen Möbelhauses, samt Ode an die Köttbullar. Die Fans im Garten kommen aus dem Lachen kaum mehr heraus, während die Passanten auf der Straße eher rätseln, was hier wohl geschieht.

Kein Wunder, dass Poos nach eigenen Angaben "immer ein super schönes Echo" von den Besuchern erhält. Und ein Glück, dass das Kulturamt "Ei horsche ma" inzwischen mit Fördergeldern unterstützt. So passen Kunst und Corona-Krise doch zumindest im Sommerhalbjahr ganz gut zusammen. Der Initiatorin der Reihe, die unter anderem am Stadttheater und für ihr Solo-Projekt "Daisy and her Farm" arbeitet, scheint der eigene Erfolg derweil fast unheimlich zu sein. "Wie komme ich jemals wieder aus der Nummer raus?", habe sie sich in den vergangenen Wochen mitunter gefragt, berichtet sie.

Fest steht, dass die Balkonkonzerte weitergehen. Nach einiger Zeit im Wochenrhythmus locken sie das Publikum jetzt alle zwei Wochen zu Cordula Poos nach Hause.

Fredrik Vahle und OB am 28. Juni

Für Nummer 13 haben bereits die nächsten prominenten Gäste zugesagt: Am 28. Juni werden der Liedermacher Fredrik Vahle und Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz bei "Ei horsche ma" auf dem Balkon stehen. Oder auf Nachbars Treppe. Je nachdem. Los geht’s an der Liebigshöhe 7 um Punkt 18 Uhr, der Eintritt ist frei.

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